04.06.2019 14:53 |

Peter Hajek:

„Rendi-Wagner wird die Führung nicht zugetraut“

In der politischen Landschaft Österreichs ist in den vergangenen Wochen kein Stein auf dem anderen geblieben. Meinungsforscher Peter Hajek von Unique Research war am Dienstag zu Besuch im krone.tv-Studio und erläuterte im Gespräch mit Gerhard Koller die aktuellen Umfragewerte für die einzelnen Parteien sowie die daraus resultierenden möglichen Konsequenzen für die Neuwahlen im September. Und da sieht der Experte vor allem für Rot schwarz: Die SPÖ schaffe es einfach nicht, die Wähler zu mobilisieren, Parteichefin Pamela Rendi-Wagner „wird die Führung der Republik nicht zugetraut“.

In einer aktuellen Unique-Research-Exklusivumfrage für die „Krone“ hebt die ÖVP ab (38 Prozent), während SPÖ (21 Prozent) und FPÖ (19 Prozent) einbrechen. Laut Hajek würden diese Werte vor allem die katastrophale Situation verdeutlichen, in der sich die SPÖ derzeit befinde.

SPÖ-Spitze gibt laut Hajek miserables Bild ab
Bereits in den letzten Umfragen hätten die Roten „ein bisschen geschwächelt, und jetzt hat es noch mal den Rutsch nach unten gegeben durch die Europawahl“ - nicht wegen des schwachen Ergebnisses an sich, sondern „durch das Verhalten insbesondere von (Bundesgeschäftsführer) Thomas Drozda und (EU-Spitzenkandidat) Andreas Schieder, die signalisiert haben: Eigentlich ist das ja ein Bomben-Wahlerfolg.“

„Bekommen keine Themen auf die Strecke“
Das zeige auch das grundsätzliche Problem der SPÖ, nämlich, „dass die Parteispitze, insbesondere Rendi-Wagner, wirklich denkbar schlechte Medienauftritte hat, dass die Kommunikation wirklich leidet und man auch keine Themen auf die Strecke bekommt“ - denn die bevorzugten wie etwa Wohnen oder Gesundheit hätten schlicht zu wenig Zugkraft.

Kernfrage: Wer kann diese Republik führen?
In diesem Wahlkampf werde es vielmehr um die Frage gehen, „wer diese Republik führen kann“, so der Experte. Und die ÖVP „wird es genau darauf zuspitzen“ und ebendiese Frage stellen. „Und da hat die SPÖ keine adäquate Antwort darauf, weil das Rendi-Wagner schlicht und einfach nicht zugetraut wird.“

Türkis-Blau und Türkis-Rot ausgeschlossen
Von der Schwäche der SPÖ profitieren würden auch die Kleinparteien, vor allem die Umfragewerte für die NEOS und die Grünen (beide 10 Prozent) seien hervorragend, ebenso jene für deren Parteichefs. Dies würde neue Koalitionsvarianten ermöglichen. Denn nach dem Scheitern von Türkis-Blau ist eine derartige Neuauflage höchst unwahrscheinlich, auch eine Zusammenarbeit von Volkspartei und Sozialdemokraten sei laut Hajek ausgeschlossen: „Die ,alte‘ große Koalition ist tot - die Menschen sehen, dass zwischen ÖVP und SPÖ die Erde verbrannt ist.“

Dreierkoalition aus ÖVP, NEOS und Grünen?
Hingegen habe laut den Umfragen eine potenzielle Dreierkoalition bestehend aus ÖVP, NEOS und Grünen derzeit die größte Zustimmung. Und da gebe es aus Sicht der ÖVP tatsächlich Überscheidungen, mit den NEOS etwa in der Wirtschaftspolitik, meinte der Experte. Und mit den Grünen gebe es zum Beispiel eine Gemeinsamkeit, die wenig bekannt sei: Die Ökopartei habe in ihrer Wählerschaft, die durchaus konservativ-bürgerliche Spuren aufweise, den zweitgrößten Anteil an Kirchgängern.

Spannende Monate bis zu den Neuwahlen
Jedenfalls bleiben nach den politischen Turbulenzen der vergangenen knapp drei Wochen auch die gut drei Monate bis zu den Neuwahlen im September extrem spannend. Der Wahlkampf verspricht hart zu werden, grundsätzlich würde Hajek keiner Partei aufgrund guter aktueller Umfragewerte raten, „sich in dieser angespannten Situation zurückzulehnen“.

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