25.05.2019 06:00 |

Noch unschlüssig?

Die letzten Antworten der EU-Kandidaten

Der Countdown läuft, die Spannung steigt: Wird sich die Ibiza-Affäre auf die EU-Wahl auswirken? Darüber entscheiden am Sonntag 6,4 Millionen Wahlberechtigte, die die Abgeordneten ins europäische Parlament wählt. In der „Krone“ haben die sechs Kandidaten das letzte Wort - wir baten alle sechs Spitzenkandidaten um ein Selfie aus dem Wahlkampf, eine Originalunterschrift und möglichst präzise Antworten auf die wichtigen Fragen zu dieser Wahl.

Othmar Karas verteidigt den Platz 1 der ÖVP, den ihm Andreas Schieder (SPÖ) abspenstig machen möchte. Für Harald Vilimsky (FPÖ) geht es nach dem Bruch der Koalition um Schadensbegrenzung. Wie wird sich der Ibiza-Skandal auf das Wahlergebnis am Sonntag auswirken? Können die Chefs der kleinen Parteien - Werner Kogler für die Grünen und Claudia Gamon für die NEOS - vom Frust der Wähler profitieren? Der Älteste der Runde, Johannes Voggenhuber (1 Europa), hofft auf ein Mandat, also fünf Prozent der Wählerstimmen. Dann wäre er drin.

15 Fragen samt präziser Antworten und ein Gegner-Wordrap
Und hier sind die 15 Fragen an die sechs EU-Spitzenkandidaten samt der möglichst präzisen Antworten im direkten Vergleich sowie ein Wordrap über die jeweiligen Gegenkandidaten:

„Krone“: Warum soll man am 26. Mai zur Wahl gehen?
Othmar Karas (ÖVP): Weil so jeder die Zukunft der EU mitbestimmen kann. Und damit nicht solche Politiker wie im Ibiza-Video an die Macht kommen.
Andreas Schieder (SPÖ): Um Schluss zu machen mit gekaufter Politik und den politischen Neuanfang zu wählen.
Harald Vilimsky (FPÖ): Weil Demokratie die beste Regierungsform ist und Mitbestimmung nur durch Wählen möglich ist.
Werner Kogler (Grüne): Weil Europa Demokratie und Demokraten braucht.
Claudia Gamon (NEOS): Wer nicht wählt, riskiert, dass sich das Chaos in Österreich auch in Europa fortsetzt. Das gilt es zu verhindern!
Johannes Voggenhuber (Liste 1 Europa): Weil eine Wahlbeteiligung von 40 Prozent eine Schwächung der demokratischen Legitimierung der Europäischen Union bedeuten würde.

Und warum soll man Ihrer Partei die Stimme geben?
Karas: Weil Erfahrung, Kompetenz und Durchsetzungsfähigkeit notwendig sind und wir für einen Weg der Mitte stehen. Keine Extremisten, weder rechts noch links!
Schieder: Die SPÖ steht für Fairness, Anstand und Gerechtigkeit.
Vilimsky: Wir sind die einzige Partei, die darauf achtet, dass die österreichischen Interessen nicht untergehen.
Kogler: Die Grünen treten glaubwürdig für Klimaschutz, Gerechtigkeit, Frieden und saubere Politik ein.
Gamon: Weil wir die europäische Art zu leben behalten und ausbauen wollen und zu unseren Überzeugungen stehen.
Voggenhuber: Wir stehen für Widerstand gegen Nationalisten, Rechtspopulisten und Rassisten und für die Vision einer Republik Europa.

Und Ihnen eine Vorzugsstimme?
Karas: Weil ich das durchsetze, was ich sage.
Schieder: Weil ich mich mit aller Kraft für Österreich und saubere Politik in Europa einsetze und das aufgrund meiner langjährigen politischen Erfahrungen gut machen werde.
Vilimsky: Weil ich seit fünf Jahren eine Linie verfolge -offen, ehrlich, direkt - und nie davon abgewichen bin.
Kogler: Weil ich überzeugt bin, dass wir die Erde von unseren Kindern nur geborgt haben und immer Korruption bekämpfen.
Gamon: Ich bin die Vertreterin einer jungen Generation, die Europa als Lebensgefühl sieht und einen mutigen Blick auf die Politik hat.
Voggenhuber: Weil ich ein erfahrener Abgeordneter bin, der nicht mit leeren Händen aus Brüssel zurückgekommen ist.

Ihre Wahlprognose, bitte!
Karas: Die ÖVP in Österreich und die EVP in Europa werden Nummer 1 und ich erhalte das höchste Vertrauen.
Schieder: Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wir möchten Erster werden!
Vilimsky: So stark wie möglich werden.
Kogler: Prognosen helfen uns grad nicht. Die Grünen müssen wieder ins Europäische Parlament!
Gamon: Das steht nach den Ereignissen der letzten Tage vollkommen in den Sternen. Wir sollten nicht Orakel spielen.
Voggenhuber: Ein Mandat für uns, da bin ich zuversichtlich. Der Rest ist schwer vorauszusagen, weil in den letzten Tagen noch viel Dynamik entstanden ist.

Der denkwürdigste Augenblick dieses Wahlkampfs?
Karas: Jede Begegnung mit Menschen.
Schieder: Besuch in einem Wiener Kaffeehaus, wo sich herausstellte, dass die Besitzerin ein Hundertfaches an Steuern pro Jahr zahlt von dem, was „Starbucks“ bei uns Steuern zahlt.
Vilimsky: Dass ich zweimal von unabhängigen Marktforschungsinstituten als Sieger aus TV-Konfrontationen hervorgegangen bin.
Kogler: Die große Klimaschutz-Kundgebung der Schülerinnen und Schüler am Wiener Heldenplatz.
Gamon: In Wien trafen Beate Meinl-Reisinger und ich eine Dame Mitte 80, die uns sagte, wie toll sie es findet, dass die NEOS zwei so starke Frauen ins Rennen schickt, und dass sie auch ihre Enkelkinder überzeugen werde, uns zu wählen.
Voggenhuber: Eine Frau auf der Mariahilferstraße hat 45 Minuten vor einem Lokal gewartet, in dem ich Mittag gegessen habe, um mir zu sagen, dass sie mich wählt!

Welches Thema wird die Wahl entscheiden?
Karas: Glaubwürdigkeit und Vertrauen.
Schieder: Wir haben eine Verlotterung der Politik erlebt. Nun braucht es wieder Anstand und Fairness.
Vilimsky: Die Zukunft der EU und Migration.
Kogler: Ich hoffe, es wird eine Klima-Wahl.
Gamon: Wer hat den ehrlichen und glaubwürdigen Anspruch, Europa im Sinne der Bürgerinnen und Bürger zu reformieren?
Voggenhuber: Wird Europa sich tiefergehend einigen oder noch mehr Nationalismus entstehen?

Mit welchem Thema haben Sie am meisten gepunktet?
Karas: Mit meiner Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen und dem ernsthaften Bemühen, die Europäische Union zum Sprecher des Kontinents in der Welt zu machen.
Schieder: Als starke Alternative zu gekaufter Politik und zur Lobbymacht der Konzerne.
Vilimsky: Dass wir das Asylchaos beseitigen wollen.
Kogler: Die grünen Ideen und die grüne Bewegung wieder zurückzubringen, das heißt: Saubere Umwelt, saubere Politik.
Gamon: Ehrlichkeit und die Vision der Vereinigten Staaten von Europa!
Voggenhuber: Demokratie und Sozialunion.

Die größten Herausforderungen der Europäischen Union?
Karas: Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel, Bedrohungen durch Terror und Cyberkriminalität, Bekämpfung der Ursachen von Flucht und Migration.
Schieder: Sauberkeit und Transparenz herstellen, den sozialen Zusammenhalt stärken, Klimawandel bekämpfen, wachsenden Nationalismus zurückdrängen.
Vilimsky: Form der Zusammenarbeit in der EU definieren, Migrations- und Asylkrise bewältigen, gemeinsame starke Stimme in der Welt werden.
Kogler: Taktgeber im Klimaschutz sein, sozialen Zusammenhalt sichern, Frieden, Freiheit und Demokratie ernsthaft verteidigen.
Gamon: Handlungsfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit, Überlebensfähigkeit, Verteidigungsfähigkeit.
Voggenhuber: Klimaschutz, Migration, globale Revolution. Und die Achse USA-Russland.

Die größte Stärke der EU?
Karas: Fähigkeit zum Miteinander.
Schieder: Zusammenhalt und Frieden.
Vilimsky: Frieden, Freiheit, Wohlstand.
Kogler: Friedensprojekt.
Gamon: Ihre Vielfalt.
Voggenhuber: Überwindung des Nationalismus.

Die größte Schwäche?
Karas: Gegenseitige Blockaden.
Schieder: Die große Schere zwischen Arm und Reich.
Vilimsky: Uneinigkeit darüber, wohin sich die EU entwickeln soll.
Kogler: Nationalstaatlicher Egoismus.
Gamon: Die europäische Politik ist leider viel zu wenig den Bürgern verpflichtet, sondern zu oft den Staats- und Regierungschefs.
Voggenhuber: Der Rat aus den Regierungschefs als schwarzes Loch der Demokratie.

Was kann einer von 751 EU-Abgeordneten bewirken?
Karas: Jeder Abgeordnete kann eine Mehrheit finden, um durchzusetzen, was er für richtig hält.
Schieder: Sehr viel, vor allem mit der Dimension „Mensch statt Konzern“.
Vilimsky: Wie man an meinem Beispiel sieht, sehr viel. Ich habe Allianzen geschmiedet, die öffentlichen Druck auf Fehlentwicklungen in der EU ausüben.
Kogler: Überzeugte Abgeordnete können auch andere überzeugen.
Gamon: Wenn sie will, kann sie in ihrem eigenen Arbeitsbereich unglaublich viel bewegen.
Voggenhuber: Viel mehr, als ich je zu träumen gewagt hätte!

Wenn Sie einen Tag Europa regieren könnten, was würden Sie durchsetzen?
Karas: Die EU zum Technologieführer im Kampf gegen die Klimakrise machen.
Schieder: Ein Schnellzugsystem, das die europäischen Hauptstädte innerhalb weniger Stunden verbindet, sodass man nicht mehr fliegen muss.
Vilimsky: Die grausamen Tiertransporte quer durch die EU beenden.
Kogler: Gerechtigkeit und Freiheit von Korruption - jetzt und gegenüber künftigen Generationen.
Gamon: Ich würde gemeinsam mit den Europäerinnen und Europäern den ersten großen Schritt in Richtung der Vereinigten Staaten von Europa einleiten.
Voggenhuber: Europäische Volksabstimmung für Vertragsänderungen.

Woran würde sich zeigen, dass Sie auch ein guter Verlierer sind?
Karas: Das hab ich schon oft bewiesen - und weitergekämpft.
Schieder: Ich würde die anderen pro-europäischen Kandidaten zum Essen einladen, bei dem ich selber koche.
Vilimsky: Ich werde jedes Ergebnis mit einem Lächeln und Respekt zur Kenntnis nehmen.
Kogler: Indem ich für die grünen Ideen und Visionen weiterkämpfe.
Gamon: Ich werde den Mitbewerbern bei erster Gelegenheit zu ihren Erfolgen gratulieren.
Voggenhuber: Fröhlich meines Weges gehen …

Worauf freuen Sie sich nach dem Wahlsonntag am meisten?
Karas: Auf einen Familientag zu Hause.
Schieder: Auf eine entspannte Runde mit dem Mountain-Bike.
Vilimsky: Auf einen telefonfreien Nachmittag auf der Couch.
Kogler: Auf Familie und Freunde.
Gamon: Auf Berge und Bergkäse zu Hause.
Voggenhuber: Auf eine große Aufgabe.

Bei wem müssen Sie sich noch bedanken?
Karas: Bei meinem Sohn Gabriel, der sich Urlaub genommen und mich im Wahlkampf begleitet hat.
Schieder: Dafür war aufgrund des Stresses tatsächlich noch keine Zeit: Bei meinem Team, das mich in den letzten Wochen hervorragend unterstützt hat!
Vilimsky: Bei meinem großartigen Team. Es hat mich perfekt durch den Wahlkampf geführt.
Kogler: Bei den Mitarbeitern, den vielen neuen Freiwilligen und allen, die die Grünen zurückwählen werden.
Gamon: Bei meiner Parteichefin, die an mich geglaubt hat und mich mit ihrer Solidarität unglaublich anspornt.
Voggenhuber: Jetzt schon bei all jenen, die nicht wählen wollen und doch zur Wahlen gehen.

Othmar Karas - ein Wort zu:
Schieder: Sozialist
Vilimsky: Gegner
Kogler: Lebenskünstler
Gamon: Erfrischend
Voggenhuber: Leidenschaftlich

Andreas Schieder - ein Wort zu:
Karas: Zerrissen
Vilimsky: Heimatverräter
Kogler: Ehrlich
Gamon: Engagiert
Voggenhuber: Erfahren

Harald Vilimsky - ein Wort zu:
Karas: EU-Zentralist
Schieder: Verlierer
Kogler: Steirer
Gamon: Bemüht
Voggenhuber: EU-Historiker

Werner Kogler - ein Wort zu:
Karas: Feigenblatt
Schieder: Duchsetzungsschwach
Vilimsky: Entlarvt
Gamon: Jung
Voggenhuber: Verdienstvoll

Claudia Gamon - ein Wort zu:
Karas: Wertschätzend
Schieder: Sportlich
Vilimsky: Chaos
Kogler: Humorvoll
Voggenhuber: Jung im Kopf

Johannes Voggenhuber - ein Wort zu:
Karas: Feigenblatt
Schieder: Notbesetzung
Vilimsky: Kreideesser
Kogler: Haudegen
Gamon: Idealistin

Conny Bischofberger, Kronen Zeitung

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