27.04.2019 06:03 |

Nierenleiden

Filterorgan im „Streik“

Mit Blutwäsche, der so genannten Dialyse, wird dann die wichtige Funktion der Nieren im Körper ersetzt. Vielfach auch, um die Wartezeit auf ein Spenderorgan zu überbrücken.

Kann der menschliche Organismus sein Blut nicht mehr selbst von Abfallprodukten reinigen, muss das eine Maschine erledigen. Bei der „Dialyse“ wird dann der Lebenssaft von überschüssigem Wasser sowie Ausscheidungen befreit, die ansonsten im Körper zu lebensgefährlichen Vergiftungserscheinungen führen würden. „In Österreich werden derzeit etwa 5000 Patienten mit sogenannter terminaler Nierenerkrankung durch die Blutwäsche (Hämodialyse) oder Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse) behandelt, und etwas mehr haben ein funktionierendes Nierentransplantat“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Rainer Oberbauer, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Abteilung für Nephrologie und Dialyse am AKH Wien. „Hauptgrund für diese Nierenleiden stellen (schlecht eingestellter) Diabetes mellitus und arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) bzw. Atherosklerose dar.“ Dadurch werden die kleinsten Gefäße in den Nieren geschädigt, sodass ihre Filterleistung nachlässt.

Zentren sind für alle gut zu erreichen
„Jeder, der in Österreich Blutwäsche benötigt, erhält diese auch“, unterstreicht der Nephrologe. „Beinahe alle finden in 50 Kilometer Umkreis eine Dialysestation. Diese Möglichkeit errechnet sich aus etwa 70 verfügbaren Spezialzentren mit in Summe 1000 Dialyseplätzen und vier Transplantspitälern, in denen über 1200 diplomierte Pfleger arbeiten sowie über 230 Fachärzte für Nephrologie (Nierenerkrankungen). Dazu kommen noch über 40 Techniker und rund 120 Hilfspersonen.“

In den eigenen vier Wänden möglich
Zum überwiegenden Teil wird die Hämodialyse im Krankenhaus oder speziellen Dialysestationen von niedergelassenen Fachärzten durchgeführt. Die Prozedur wäre grundsätzlich auch in den eigenen vier Wänden mittels Peritonealdialyse möglich. „Diese führt der Patient zumeist selbst zu Hause durch. Medizinische und logistische Unterstützung erfolgt durch ein Zentrum. Die Ergebnisse fallen grundsätzlich gleich gut aus“, informiert Prof. Oberbauer. „Da man dazu jedoch über fachliches Wissen verfügen sollte, wird diese Variante eher von wenigen Menschen, oft mit einschlägiger vorheriger Berufserfahrung angewendet. In anderen, großen Ländern, die über kein flächendeckendes Netzwerk verfügen, ist diese Heim-Methode naturgemäß weiterverbreitet.“

Durch den enormen heutigen Fortschritt der Medizin vor allem im Bereich der Nierentransplantation können hierzulande außerdem immer mehr Menschen mit einem Nierentransplantat versorgt werden. Besonders auf dem Gebiet der Transplantationsimmunologie wurde eine präzise Spender- sowie Empfängerauswahl und außerdem eine individuelle Einstellung der Medikamente gegen Abstoßung ermöglicht. Patienten mit Nierentransplantat haben mittlerweile üblicherweise eine normale Lebensqualität und keine Einschränkungen zu befürchten, wenn keine Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), z. B. durch Diabetes, bestehen. „Weiters kann durch die heutigen modernen Arzneien das Fortschreiten der Erkrankung bis zur Nierenersatzpflichtigkeit besonders bei Patienten mit diabetischen Schäden an diesem Organ deutlich verlangsamt werden“, stellt Prof. Oberbauer erfreut fest.

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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