Ärger im Vorfeld

Karfreitag: Ein Arbeitstag wie (fast) jeder andere

Der Ärger, dass die Bundesregierung heuer das Aus für den Karfreitag als Feiertag für Evangelische und Altkatholiken beschlossen hat, ist noch immer nicht ganz verraucht. Sich am Karfreitag einen persönlichen Feiertag zu nehmen, fand wenig Anklang.

Der 109. Tag des Jahres: In England steht er im Zeichen der Primel, in den USA wird der nationale Knoblauch-Tag begangen, aber vor allem ist heuer am 19. April Karfreitag. Der Tag, an dem der Kreuzigung Jesu gedacht wird, ist ein Arbeitstag wie (fast) jeder andere für die meisten Österreicher, der diesmal besonders im Blickpunkt steht. Gesorgt hat dafür die Entscheidung der Regierung, die beschloss, dass der Karfreitag für Evangelische und Altkatholiken kein Feiertag mehr ist. Stattdessen steht nun jedem frei, sich einmal pro Jahr einen Urlaubstag als persönlichen Feiertag zu nehmen.

„Thema ist für uns nicht relevant“
Das Interesse an der türkis-blauen Polit-Erfindung ist bislang gering. Wer zum Karfreitag bei den Unternehmen quer durchs Land nachfragt, erhält von vielen eine ähnliche Antwort: „Es gab wenig Nachfragen, er wurde kaum in Anspruch genommen.“ Beim Voestalpine-Konzern spielt die neue Karfreitags-Regelung „keine große Rolle“. Auch beim mehr als 4500 Mitarbeiter starken BMW-Werk in Steyr, der größten Motorenproduktion des Premium-Herstellers, heißt es: „Das Thema ist für uns nicht relevant.“

Viele sind sowieso in der Karwoche auf Urlaub. Andere nehmen am Karfreitag normal Urlaub, weil sie ein verlängertes Osterwochenende genießen wollen. „Am Karfreitag haben bei uns traditionell viele Mitarbeiter frei, egal welcher Konfession“, betont Internorm. Andere zogen den nicht enden wollenden Diskussionen um den Feiertag den Stecker: So bleibt die Kfz-Werkstatt von Florian Strohmaier in Neuhofen an der Krems in Oberösterreich am Karfreitag geschlossen.

1100 Reaktionen in Form von Emojis, 104 Kommentare - die erhielt Florian Strohmaier (40) auf sein Facebook-Posting im Februar, als er klarstellte: „Egal, was beschlossen wird: Wir haben am Karfreitag zu.“

„Krone“: Herr Strohmaier, mit Ihrer Reaktion haben Sie im Februar viel Aufmerksamkeit erhalten. Wie schaut’s jetzt wirklich aus bei Ihnen am heutigen Freitag?
Florian Strohmaier: Wir hatten immer zu am Karfreitag, obwohl keiner bei uns evangelisch ist. Ich war aber immer der Meinung, dass meine Mitarbeiter das gleiche Recht haben sollen. Und auch heuer haben wir am Karfreitag geschlossen.

Wie sieht das in der Umsetzung aus?
Ich schenke meinen neun Mitarbeitern den Tag. Es wird also kein Urlaubstag und auch kein Zeitausgleich hergenommen. Wir arbeiten die Zeit auch nicht herein oder sperren dafür an einem anderen Tag auf.

Sie stehen völlig hinter dem Schritt.
Ja, auch wenn in der Zeit des Reifenwechsels so ein Sperrtag nicht ohne ist. Aber mir ist das wichtig.

Wie beurteilen Sie die Regelung, die von der Regierung getroffen wurde?
Blöder geht’s nicht! Es wäre besser gewesen, alles beim Alten zu belassen.

Daten und Fakten

  • Das Bundesgesetzblatt über die Neuregelung des Karfreitags bzw. des neuen „persönlichen Feiertags“ trat am 22. März in Kraft. Geregelt ist darin die Möglichkeit eines einseitigen Urlaubsantritts, des „persönlichen Feiertags“.
  • Die Arbeitnehmer können den Zeitpunkt des Antritts eines Tages des zustehenden Urlaubs einmal pro Urlaubsjahr bestimmen. Spätestens drei Monate im Vorhinein muss der Zeitpunkt schriftlich bekannt gegeben werden.
  • Für heuer gab es Übergangsbestimmungen, wonach die Voranmeldung des Karfreitags als Urlaubstag bis 4. April möglich war.

Barbara Kneidinger, Kronen Zeitung

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