24.03.2019 14:00 |

Frühstück mit Kickl:

„Vizekanzler ist nichts, was mich interessiert“

Zehn Tage nach dem Attentat von Christchurch äußerte sich Herbert Kickl am Sonntag im persönlichen Interview mit Claudia Stöckl über Terrorbekämpfung in Österreich, ließ seine bisherigen 15 Monate als Innenminister Revue passieren und verriet, wer seine politische Karriere maßgeblich beeinflusste. Außerdem sprach der FPÖ-Politiker über die Hochzeit mit Langzeitfreundin Petra, die er nach 20 gemeinsamen Jahren im April des vergangenen Jahres ehelichte sowie über Modefragen, an deren Klärung sich Sohnemann und Ehefrau beteiligen: „Sie sorgt jedenfalls dafür, dass ich meistens eine Krawatte trage“, so der passionierte Sportler.

Herbert Kickl stellte sich am Sonntag in „Frühstück bei mir“ den Fragen von Ö3-Moderatorin Claudia Stöckl und erlaubte private Einblicke. Seine politische Karriere etwa verdanke er seiner Frau. Kennengelernt habe man sich auf einer FPÖ-Veranstaltung in Tirol. „Sie unterstützt mich voll und ganz in meinen politischen Projekten. Sie hat in vielen Bereichen zurückgesteckt und sich um die Erziehung unseres Sohnes gekümmert und mir den Rücken freigehalten“, streut Kickl seiner Petra, die er 2018 im kleinsten Kreis im Standesamt in Purkersdorf geehelicht hatte, Rosen.

Nachlese: Herbert Kickl im ausführlichen Interview mit Conny Bischofberger und im „Krone“-Talk mit Katia Wagner

"Romantiker bin ich wahrscheinlich weniger“
„Die Überlegung, dass wir heiraten, hat es immer wieder gegeben, aber dann ist auch immer wieder etwas dazwischengekommen. Für mich war es jetzt wichtig - auch für sie - dass wir es auf solide Beine stellen und das haben wir gemacht.“ Sein Heiratsantrag sei pragmatisch „bei einem Essen“ abgelaufen: „Der große Romantiker bin ich wahrscheinlich weniger“, so der 50-Jährige. „Wir waren uns ja im Wesentlichen einig, es war nur mehr eine Frage des Timings.“ Besonderer Hochzeitsgast war einer seiner Vorgänger im Innenministerium, Karl Schlögl, damaliger Bürgermeister von Purkersdorf: „Darüber habe ich mich gefreut.“

„Kritik auch von meiner Frau nicht anders gehört“
Ob es mit seiner Frau, Juristin bei der Volksanwaltschaft, politisch unterschiedliche Ansichten am Frühstückstisch gäbe, wollte Claudia Stöckl im Interview wissen. So hatte FPÖ-Landesrat Waldhäusl ja nach Beanstandung der Zustände in den Asylheimen in Drasenhofen und Greifenstein die Abschaffung der Volksanwaltschaft gefordert. Kickl: „Die Kritik, die Gottfried Waldhäusl geübt hat, ist vielleicht in der Konsequenz etwas überschießend, aber die Frage kann schon mal laut sein, ob die Volksanwaltschaft ihr Visier da richtig eingestellt hat. Da kenne ich die Kundschaft gut genug, die da in Drasenhofen untergebracht gewesen ist. Die lachen uns aus - das sind Halbstarke -, wenn wir mit der Kinderanwaltschaft daherkommen. Da teile ich auch die Kritik und habe es auch von meiner Frau nicht anders gehört.“

Beratung in Modefragen
Der gemeinsame Sohn ist mittlerweile 18 Jahre alt und studiert, ganz nach dem Vorbild der Mutter, Jus. Er und seine Mutter würden Kickl in Modefragen beraten, auch „wenn mein Stil kein aufringlicher ist. Sie sorgt jedenfalls dafür, dass ich meistens eine Krawatte trage“, so der gebürtige Kärntner, der privat gerne die Beine in die Hand nimmt und für Extrem-Langstrecken-Wettkämpfe trainiert.

Video: Herbert Kickl beim Training mit Adabei

„Muss sich entscheiden, was man will“
Als Chef von 30.000 Polizisten und als Verantwortlicher für die Sicherheit der Österreicher braucht Kickl auch einen langen Atem. Zur Terrorbekämpfung ließ er anlässlich des Attentates von Christchurch die Zuhörer wissen: „Für mich heißt dieser Terroranschlag nur, dass wir alle Möglichkeiten nützen müssen, in alle Richtungen wachsam zu sein. Und ich verstehe dann manches nicht, was die Opposition eigentlich will, wenn man auf der einen Seite sagt, es darf keine zusätzlichen Überwachungsmaßnahmen geben. Etwa wenn ich WhatsApp-Kommunikation bei bestimmten Leuten - und Terrorverdächtige gehören dazu - überwachen will, dann ruft man den staatlichen Notstand aus. Und gleichzeitig, wenn dann so etwas auftritt, sagt man, wir müssen alle überwachen. Da muss man sich entscheiden, was man will.“

„Überforderung trifft zu“
Auch über seine bisherige Zeit als Innenminister resümierte der Politiker, so auch über die Herausforderungen des zuerst ungewohnten, neuen Berufsalltags: „Eine gewisse Überforderung besteht für jeden, der neu in so ein Amt kommt. Man springt auf einen fahrenden Zug auf und versucht, sich zu organisieren, Stück für Stück, um dann irgendwann auch in eine Phase zu kommen, wo man dieses Fahrzeug auch zu lenken beginnt. Aber am Anfang glaube ich schon, dass dieser Begriff Überforderung zutrifft.“

„Bin ja auch bestätigt worden“
Trotzdem möchte er keinen seiner vieldiskutierten Aussprüche seit Antritt des Ministeramtes zurücknehmen. Etwa seine Aussage „das Recht muss der Politik folgen“, die von vielen als Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit gewertet wurde. Der Innenminister dazu auf Ö3: „Ich bin ja auch bestätigt worden. Die Frage, ob das Recht der Politik folgt, haben wir in ganz anderen Diskussionen erleben können. Wenn eine Kuh einen Touristen in Tirol zu Tode trampelt und ein Urteil ausgesprochen wird, das die Almwirtschaft in Bedrängnis bringt und der Tourismus zu leiden beginnt, eine Gesetzesänderung auf dem Fuß folgt, dann sieht man wie schnell das Recht der Politik folgt. Viele von denen, die mich damals kritisiert haben, waren jetzt sehr schnell dabei, ein Gesetz zu ändern.“

„Vizekanzler ist nichts, was mich interessiert“
Den Posten als Vizekanzler strebe Kickl nicht an: „Das ist nichts, was mich interessiert“, sagte er zu seiner Zukunft. „Ich habe mir vorgenommen, meine Amtsperiode als Innenminister zu beenden. Ich habe aber immer einen Satz im Hinterkopf, den Karl Schlögl gesagt hat: ,Innenminister bist du immer nur von einem Tag zum nächsten, weil da können Dinge passieren, für die du zwar nicht verantwortlich bist, aber für die man dich verantwortlich macht.‘“ Kickl: „Wenn jemand glaubt, er kann mir persönlich wehtun, wenn er mir dieses Amt nimmt, ist er am falschen Dampfer. Es würde mir sicher nicht fad werden. Viele Reisen und viele Berge stünden dann auf dem Programm.“

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