16.01.2019 15:00 |

Infektionskrankheiten

Durchimpfungsraten erhöhen!

Heute können etwa 30 Krankheiten durch Impfung verhindert werden. Dennoch sind weitgehend eingedämmt geglaubte Leiden wie die Masern wieder zurück gekehrt. Experten orten die Ursachen in einer um sich greifenden Impfmüdigkeit, Verunsicherung, uneinheitlichen nationalen Regelungen und Lieferproblemen.

In Österreich erhält jedes Kind bis zum vollendeten 14. Lebensjahr die wichtigsten Impfungen gratis. „Diese sehr wertvolle Errungenschaft wird leider in den vergangenen Jahren allzu oft in Frage gestellt“, berichtete Dr. Susanne Schmid, Fachärztin für Innere Medizin und Präsidentin des Bundeselternverbands (BEV) auf einer Pressekonferenz in Wien. „Wohlmeinende Eltern versuchen, alles besonders richtig zu machen. Im Internet werden sie laufend mit vermeintlichen Fakten konfrontiert, die sie als Laien nicht von tatsächlichen unterscheiden können.“ Schulärzte hätten daher eine Schlüsselrolle in der Aufklärung, gerade bei über 14-jährigen, da Jugendliche ab diesem Alter selbst entscheiden können. Sie forderte außerdem Konsequenzen für nicht geschützte Sprösslinge in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen, betonte aber: „Zwangsmaßnahmen bringen nichts, doch das System sollte zukünftig so aufgebaut sein, dass Impfen einfach und schnell möglich sowie Nicht-Impfen kompliziert und hürdenreich ist. Es sollte so selbstverständlich werden wie das Angurten im Auto, schließlich ist es eine Art ,Sicherheitsgurt für Infektionskrankheiten´.“

Entscheidend ist die Einführung eines elektronischen Impfpasses, wie auch auf EU-Ebene gefordert. In Österreich werden dazu ab 2020 erste Pilotprojekte gestartet, vorerst nur für Kinder. „Allerdings ist auch für Erwachsene wichtig, ihren aktuellen Impfstatus zu kennen. Eine Ausweitung des e-Impfpasses wäre deshalb sinnvoll, sodass dieser zum Beispiel im Rahmen von Arztbesuchen regelmäßig überprüft werden kann“, ergänzt Mag. Renée Gallo-Daniel, Präsidentin des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH). Bereits jetzt kann man auf die „Apo-App Apotheken und Medikamente“ der Österreichischen Apothekerkammer zurückgreifen. „Mit ihr lassen sich unter anderem Impfungen erfassen, außerdem erinnert sie rechtzeitig an notwendige Auffrischungen“, berichtet Priv.-Doz. Mag. DDr. Philipp Saiko, Präsident der Landesgeschäftsstelle Wien der Österreichischen Apothekerkammer.

Neben Maßnahmen zur Erhöhung der Impfbereitschaft darf man aber auch die Logistik nicht unterschätzen. Hierzulande bräuchte es laut Experten eine Bedarfsplanung für alle wichtigen Impfstoffe. Derzeit gibt es nur für Mengen, die im Rahmen des Kinderkonzeptes abgegeben werden, eine genaue Planung. Es kann jedoch jederzeit zu Lieferengpässen bei allen anderen Impfungen kommen, wenn der Bedarf und die Nachfrage unerwartet steigen.

Gesundheitsredaktion, Kronen Zeitung

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