30.11.2018 20:01 |

Abfahrt Beaver Creek

Kriechmayr als 5. unser Bester, Feuz siegt

Österreichs Abfahrer haben den ersten leichten Dämpfer in der noch jungen WM-Saison hinnehmen müssen. In Beaver Creek war Vincent Kriechmayr am Freitag beim Schweizer Doppelsieg mit Beat Feuz vor Mauro Caviezel trotz „verkorkster“ Fahrt als Fünfter bester Österreicher. Hannes Reichelt wurde 7., Christian Walder überraschte als 8. Kriechmayr führt weiter in der Weltcup-Gesamtwertung.

In der wetterbedingt auf Freitag vorgezogenen und verkürzten Abfahrt begann es sekundengenau mit Rennstart zu schneien. An sich ein gutes Zeichen für „Testpilot“ Matthias Mayer (1) und den mit Nummer 3 startenden Kriechmayr. Den beiden lief es nach vorangegangenem Schneefall auf der ungewohnt griffig-weichen „Raubvogelpiste“ in Colorado aber von Beginn weg nicht. Super-G-Olympiasieger Mayer rutschte am Start mit dem Skistock ab. Bei dem in Topform befindlichen Kriechmayr ging fast alles schief. Nach der ersten Netzkurve verpasste er beinahe ein Tor. Am sechsten - jenem Tor im Steilhang, das Hermann Maier einst berühmt gemacht hatte - schlug sich der Oberösterreicher den linken Arm heftig an. Zudem ging eine Skischuh-Schnalle auf.

Kriechmayr im Pech
In dem Glauben, ausgeschieden zu sein, war der ganz große Kampfgeist natürlich dahin. „Ich war sicher, eingefädelt zu haben und habe gedacht, machst halt noch eine lockere Trainingsfahrt “, bestätigte Kriechmayr. Trotzdem lag der Oberösterreicher am Ende nur 0,26 Sekunden hinter Sieger Feuz, das Podest verpasste er um nur 18/100. „Es war so weich, das ist man von hier nicht gewohnt. Du kriegst wenig zurück, das Tempo ist niedrig“, fasste Österreichs bester Abfahrer zusammen. „Bei mir war es eine von oben bis unten verkorkste Fahrt.“

Richtige Raubvogelpiste
Vorwürfe an die Veranstalter gab es aber keine. „Im Gegenteil. Es war zwar keine richtige Raubvogelpiste diesmal. Aber sie haben ihr Bestes dafür gegeben, damit wir ein Rennen haben“, lobte der Österreicher. Dieses ging ohne das lange obere Gleitstück in Szene. Selbst dieses wäre aber wohl auch Feuz gut gelegen. Den Siegern sei deshalb besonders zu gratulieren, meinte Kriechmayr. „Die Besten sind wieder vorne!“

Walder überrascht
Für die positive Überraschung sorgte Christian Walder, der mit hoher Nummer 44 auf Platz acht fuhr. „Ich habe es wirklich super erwischt. Danke an Mothl, er hat mir einen Super-Funkspruch gegeben“, bedankte sich der Kärntner nach seinem besten Abfahrts-Ergebnis bei Landsmann Mayer. Max Franz wurde 13., für den Sieger von Lake Louise ein Rückschritt. „Es war komisch. Als ich richtig zu fahren begonnen habe, war der Steilhang vorbei. Ziel nicht erreicht“, lautete seine Selbstkritik. Sein Pech war auch, dass wegen des Abtransports des gestürzten Kitzbühel-Siegers Thomas Dressen (Knieverletzung) das einzige kurze „Sonnenfenster“ ungenutzt blieb. Auch Mayer war mit Platz 15 nicht zufrieden. „Ich hatte nicht den Speed, um mit den Ersten mitfahren zu können. Aber hier ist es mir noch nie aufgegangen“, erklärte der Super-G-Olympiasieger.

Reichelt war anfangs lange im „grünen Bereich“ gewesen, konnte aber das erste ÖSV-Abfahrtspodest hier seit 2013 auch nicht holen. „Ich habe eigentlich nichts Schlimmes falsch gemacht.“ Die Birds of Prey sei einfacher zu fahren, wenn sie eisiger sei. „Heute war sie eher ein Aasgeier als ein Raubvogel“, meinte der Salzburger schmunzelnd

Samstag Super-G
Im Super-G zählt Reichelt aber zu den Topfavoriten, soferne es denn wegen des angekündigten Schneefalls am Samstag einen gibt. Kriechmayr wird am „Jahrestag“ seines Premierensieges im Vorjahr seine Wut im Bauch zügeln. „Hier muss man diesmal eher mit Gefühl als mit Wut fahren. Ich möchte morgen mein wahres Gesicht zeigen.“

Würdiger Sieger
Feuz war ein würdiger Sieger. Nach klarer Trainings-Bestzeit war der Weltmeister vor einer Woche in Lake Louise nur Sechster geworden, diesmal klappte es mit dem achten Abfahrtssieg. Aksel Lund Svindal holte als Dritter seinen bereits 14. Podestplatz in Beaver Creek. So viele Podiums an einem Ort hat sonst nur Marcel Hirscher in Adelboden, Val d‘Isere und Kranjska Gora geschafft. „Es war trotz der Verkürzung eine coole Abfahrt. Ich bin zufrieden“, sagte der am Daumen verletzte Norweger.

Schwerer Sturz
Die Wetterkapriolen in Colorado haben aber auch zu schlechter Sicht, Unterbrechungen und schweren Stürzen wie jene von Thomas Dreßenund Peter Fill geführt. Kitz-Sieger Thomas Dreßen hat nach dem Steilhang eine Welle übersehen, plötzlich riss es ihm die Beine auseinander. Beinahe ungebremst knallte Dreßen in die Fangnetze. Selbst im Fernsehen waren schmerzverzerrte Schreie zu hören. Der Deutsche musste mit dem Akia abtransportiert werden. Die erste schlimme Diagnose: Eine Knieverletzung.

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