30.10.2018 09:21 |

Unwetter-Nacht:

Sturm traf ganzes Land: Aktuell leichtes Aufatmen

Nach einer kurzen Entspannung sorgte das Genuatief „Vaia“ Montagnachmittag erneut für Muren, Überflutungen und Straßensperren. Besonders betroffen sind nach wie vor die Gebiete im Bereich der Drau, Möll, Gail und Lavant; Wohnhäuser wurden evakuiert. Leichtes Aufatmen, weil die großräumigen Hochwasser ausblieben. Pegelstände gehen zurück, aber keine Entwarnung!

Drei Minuten lang heulten Montag um 15.15 Uhr die Sirenen in Lavamünd, jener Gemeinde, die bereits 2012 von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht worden war. „Zivilschutzwarnung wurde ausgegeben. Eine Siedlung im Bereich Drauspitz musste evakuiert werden“, so Hannes Kienberger von der FF Lavamünd. 65 Betroffene wurden in einem Lokal und privat untergebracht.

Auch in Oberkärnten verbreitete sich Angst: „Schon in den Sechzigern stand mein Heim unter Wasser. Am liebsten würde ich einfach nur noch fliehen“, so Ilse Pichler (85) aus Möllbrücke, die am Ufer der Möll lebt. Mit Sandsäcken, Holzblöcken sowie mobilen Hochwasserschutz-Wällen sicherten die im Dauereinsatz stehenden Wehren die Häuser.

Zivilschutzalarm auch im Oberen Drautal und Mölltal

Um 21 Uhr wurde auch in Oberkärnten Zivilschutzwarnung gegeben: Ein orkanartiger Föhnsturm fegte mit bis zu 120 km/h über das Obere Drau- und Mölltal, Bäume und Strommasten wurden geknickt. Sturmgefahr herrschte auch im Bezirk Hermagor. Straßen wurden gesperrt. Tausende Haushalte waren ohne Strom. Ein 93-Jähriger stürzte in Heinfels (Osttirol) mit dem Auto in einen hochwasserführenden Bach, konnte aber gerettet werden.

Johannes Leitner, der Bezirkshauptmann von Klagenfurt-Land, sprach eine Art Ausgangssperre aus. Etwas, was es in Kärnten noch nie gab. Leitner: „Wir appellieren an die Bevölkerung im Raum Ferlach, Bodental und Zell, die Häuser nicht zu verlassen.“

Schulen geschlossen - Bahn gesperrt

In Ferlach, in den Bezirken Völkermarkt und Spittal gibt es keinen Unterricht - zur Sicherheit der Kinder. Die Drautalstrecke und Karawankenbahnstrecke wurden gesperrt. Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.

Sturm und Regen lassen nach

10.000 Haushalten haben kärntenweit keinen Strom. Und die Arbeiten gehen nur schwierig voran. Das gesamte Ausmaß des Schadens wird laut Kelag erst im Laufe des Tages klar werden.

Ein Lichtblick: Große Hochwasser konnten durch die frühzeitige Absenkung der Wasserspiegel und die gute Vorbereitung recht gut abgewendet werden, heißt es von den Einsatzkräften. Die Sturmböen lassen nach und große Regenmengen sind nicht mehr zu erwarten. In Unterkärnten haben die Unwetter weitestgehend nachgelassen, im Laufe des Tages werden Regen und Wind in ganz Kärnten aufhören.

Ferlach ist in dieser Nacht verschont geblieben. In Lavamünd hofft man noch auf Schonung. Die Einsatzkräfte waren die ganze Nacht im Einsatz. Je nachdem, ob die Pegelstände in den kommenden Stunden gehalten werden können, kann das Schlimmste abgewendet werden. „Der Drauspitz ist leicht überschwemmt. Zwei Keller wurden ausgepumt. Die Sturmschäden sind enorm“, bestätigt das Bezirksfeuerwehrkommando. Die Zivilschutzwarnung kann noch nicht aufgehoben werden. Der Pegelstand der Drau ist aktuell wieder gestiegen. Wann Entwarnung gegegeben werden kann, ist unklar.

In Rattendorf im Bezirk Hermagor wurden gestern mehrere Häuser und Ställe evakuiert. „Tiere und Menschen blieben unverletzt“, bestätigt das Bezirksfeuerwehrkommando Hermagor. „Das Wasser ist hüfthoch gestanden! Es war wirklich knapp!“ Ein Problem, vor dem man aktuell steht: „Die Auffangbecken entleeren sich jetzt in Richtung der Gail. Die Wasserstände können also nicht sinken“, erklärt Heinz Pansi, Bezirkshauptmann von Hermagor, am Morgen. Teile des Ortes sind auch am Dienstagnachmittag nur mit Booten erreichbar.

Leichte Entwarnung gibt es auch für Möllbrücke. „Aktuell ist das Wetter ruhig. Die größten Katastrophen konnten wir durch gute Vorbereitung abwenden“, heißt es von den Einsatzkräften.

Lesachtal wohl am schlimmsten getroffen

Weder von Kärnten noch von Osttirol ist das Lesachtal erreichbar: Muren verlegten die Straßen, ein Baum stürzte auf ein Haus. Ein Polizeihubschrauber wird das Gebiet abfliegen. Das Bundesheer wurde bereits angefordert. Ein Polizeihubschrauber sollte das Gebiet abfliegen, aktuell lässt es das Wetter aber nicht zu.

Im Oberen Gailtal sind einige Ortschaften nicht mehr auf dem üblichen Weg erreichbar. Die Gailbrücke in Treßdorf mit Verbindung nach Unterdöbernitzen wurde durch die Wassermassen weggerissen. In Unterkärnten sind Bad Eisenkappel und Vellach von der Außenwelt abgeschnitten.

Unfall bei Aufräumarbeiten

In der Gemeinde Frantschach wurde ein 50-jähriger Landwirt bei Aufräumarbeiten verletzt. „Beim Ablängen einer rund 30 cm starken Fichte mit der Motorsäge schnellte ein Teil des Baumstammes zurück und traf ihn im Bereich seiner Beine“, schildert ein Polizist. Er wurde ins Krankenhaus Wolfsberg eingeliefert.

In Feistritz an der Gail werden immer wieder Äste, Bäume, Siloballen und sogar tote Schafe und Kühe angespült. Derweil hält der Damm, es gab einen stillen Alarm und einige Häuser wurden evakuiert. Die Gail ist von 1,5 auf 6,3 Meter angestiegen.

Notfall-Fonds springt bei Unternehmern ein

Auch die Kärntner Wirtschaftkammer sichert Hilfe für Unternehmen in den betroffenen Gebieten zu. WK-Präsident Jürgen Mandl hat eine Krisenstelle eingerichtet und bietet Unterstützung durch den Notfallfonds: „Wir stehen wir mit unserem Notfallfonds für unternehmerische Solidarität, um in betrieblichen Härtefällen über die moralische Ebene hinaus Hilfe leisten zu können.“ Die Krisenstellen der Wirtschaftskammer in den Bezirken Spittal, Hermagor, Villach, Klagenfurt, Völkermarkt und Wolfsberg sind erreichbar unter 05 90 904 777 erreichbar.

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