Fr, 21. September 2018

Im Salzkammergut

17.06.2018 09:00

Der Dudelsackspieler vom Wolfgangsee

Urlaub machen, wo ein König nach seiner Herzallerliebsten schmachtete, dem Geschmack der Wildkräuter auf die Spur kommen, auf dem Tanzboden einen zünftigen Landler hinlegen - und dabei die schönsten Platzln des Salzkammerguts entdecken. Gerne!

Die Mauern von Efeu, wildem Wein und prächtig blau blühenden Glyzinien überwuchert, der Rasen einem grünen Teppich gleich und davor der glitzernde Wolfgangsee: Das Landhaus zu Appesbach in St. Wolfgang ist mehr als eine herrschaftliche Villa, es ist ein kleines Märchenschloss. 

Kein Wunder bei der Geschichte: War das Landhaus doch Schauplatz einer der märchenhaftesten Liebesgeschichten des 20. Jahrhunderts. Der englische König Edward VIII verzichtete aus Liebe zur bürgerlichen und verheirateten Amerikanerin Wallis Simpson auf seinen Thron.

Hier am Wolfangsee wartete der nunmehrige Herzog von Windsor sehnsüchtig darauf, dass die Scheidung seiner Wallis rechtskräftig wurde. Liebesbriefe - einer hängt noch in der Windsor-Suite des Hotels, die fast unverändert geblieben ist - wurden gewechselt, bis Wallis endlich frei war und Edward an ihre Seite eilen konnte. Das war der zweite Akt der Liebesgeschichte, in dem das romantische Anwesen eine Rolle spielt. Schon einige Jahre vorher verbrachten der König und seine Angebetete einen Liebesurlaub im Landhaus zu Appesbach.

Ob die beiden beim stimmungsvollen Sonnenuntergang auf der Terrasse mit der unvergleichlichen Aussicht auf See, Sparber und Bleckwand wohl auch einem Dudelsackpfeifer gelauscht haben? Heute glaubt so mancher Gast seinen Ohren nicht zu trauen, wenn die ungewohnten Töne des schottischsten aller Musikinstrumente am Wolfgangsee erklingen. Gastgeber Edwin Heider hat mehrere Jahre in Schottland gearbeitet und dabei nicht nur seine Frau, sondern auch den Dudelsack kennen- und lieben gelernt. In der Abenddämmerung überrascht er die Gäste oft, wenn er am Steg romantische Balladen anstimmt: Der Dudelsackpfeifer vom Wolfgangsee sorgt für eine ganz besondere Stimmung in dem ohnehin schon außergewöhnlichen Hotel.

Das Landhaus zu Appesbach gehört zur privaten „Sammlung“ von Dietrich Mateschitz, der mehrere Liegenschaften an den schönsten Plätzen des Salzkammerguts sein Eigen nennt. Sein jüngster Streich ist die ehemalige Jausenstation Seewiese am Fuß der Trisselwand am Altausseer See. Erst Anfang Mai eröffnet, wird dieser besondere Kraftort des Salzkammerguts bereits von den Gästen gestürmt. Die gebürtige Ausseerin Angela Fuchs kümmert sich als Gastgeberin um die Besucher, Küchenchef Stephan Wieland verwöhnt sie mit bodenständigen Schmankerln wie Steirerkas und Roggentascherln: „Wir setzen auf die einfache Küche der Region, kein Schnickschnack. Die Produkte kommen von den Bauern und Jägern des Ausseerlandes, die frischen Kräuter aus dem eigenen Garten.“

Der wurde neben den beiden im typischen Ausseer Baustil aus Holz neu errichteten Häusern extra angelegt. Unter strengen Auflagen der Bundesforste: „Exotische Kräuter sind verpönt. Aber wir können alle heimischen Küchenkräuter anbauen.“ Ohne Kräuter, aber sensationell gut: der grissene Kaiserschmarren!

Loser
Zum idyllische Rückzugsort mit Ausblick auf den Loser und den Dachstein-Gletscher führt ein Wanderweg entlang des Altausseer Sees. Dort wartet auch ein Tanzboden auf beschwingte Gäste, und wer von Polka und Landler erschöpft ist, kann mit dem Solarboot oder mit der Plättn zurückfahren. 

Natürlich werden in der Seewiese auch Saiblinge, Forellen und Reinanken serviert. Bietet Mateschitz mit seiner Fischerei Ausseerland doch Fische aus Wildfang und Wildkultur an: Tausende Saiblinge tummeln sich in den Becken im Wildkultur Bruthaus Zimitz, die dank des kalten sauerstoffreichen Wassers und der langsamen Aufzucht zu einer Spezialität heranwachsen. Daraus zaubert der Niederösterreicher Matthias Schütz haubengekrönte Genüsse im Restaurant Seeplatz‘l im Seehotel Grundlsee. „Bodenständig mit modernem österreichischem Twist“, beschreibt Schütz seine Küche. Und verrät: „Ich habe Geschmacksbilder im Kopf.“

Das Seehotel Grundlsee setzt für die Aussage „direkt am See“ übrigens neue Maßstäbe. Von den Zimmern mit den raumhohen Fensterwänden glaubt man direkt in den Grundlsee springen zu können, und von der erhöht eingebauten Badewanne wandert der Blick entspannt über die prachtvolle Bergkulisse und den See. Die Gastfreundschaft ist bemerkenswert: Für besonders verfrorene Gäste hat Gastgeberin Michaela Reiter sogar eine Wärmeflasche bereit.

Der Grundlsee ist der größte See der Steiermark und darf sich daher auch „steirisches Meer“ nennen. Immerhin schippern zwei traditionelle generalsanierte Motorschiffe, die „Rudolf“ und die „Traun“, linienschifffahrtsmäßig über den See bis nach Gößl. Von dort führt eine kurze Wanderung zum sagenumwobenen Toplitzsee und weiter zum Kammersee.

Nichts kommt jedoch an eine Fahrt mit der Plättn heran, dem für die Salzkammergut-Seen typischen Boot mit seinem langen Schnabel - damit überall angelandet werden kann. Wenn dann noch in der Plättn ein köstliches Frühstück oder eine zünftige Jause aufgetischt wird und der Hermann am Ruder steht, ist das Glück perfekt. „Genießt die Zeit!“, sagt der Hermann dann gern.

Waltraud Dengel, Kronen Zeitung

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