Mo, 20. August 2018

Betonabwasser in Fluss

12.03.2018 06:04

Alle Fische tot: Ärger über Baufirma im Stubaital

Umweltalarm im Stubaital: Passanten entdeckten am Samstag Nachmittag weit mehr als 50 verendete Äschen und Forellen in der Ruetz treiben. Die Ursache für das massive Fischsterben dürfte bei aktuellen Brückenbauarbeiten liegen. Laut den Aufsichtsfischern wurde nämlich Betonabwasser in den Stubaier Hauptfluss gepumpt.

„Der Anblick war grauenhaft“, meint Aufsichtsfischer Luis Töchterle. Weit mehr als fünfzig tote Fische wurden an den Uferbereichen im „Klausäuele“ im Gemeindegebiet von Neustift angetrieben. „In diesem Bereich hat wahrscheinlich kein einziger Fisch überlebt, alle Größenklassen sind offenbar tot. Besonders schade ist es um den sorgsam gehegten Äschenbestand, der hier vermutlich ausgelöscht wurde“, ist auch Aufsichtsfischer Friedl Peer geschockt.

Verendete Tiere flussab von Baustelle entdeckt
Nachdem die beiden von Passanten alarmiert wurden, wurde auch die Polizei eingeschaltet. Gewässerproben wurden entnommen und tote Fische zur weiteren Untersuchung sichergestellt. Doch für Töchterle und Peer liegt der Grund für das Fischsterben auf der Hand. „Alle toten Fische wurden nämlich flussab einer Baustelle gefunden, das gesamte Gelände ringsum liegt noch unter einer tiefen Schneedecke“, sind die beiden Experten überzeugt. An der betreffenden Baustelle wurden offenbar Brückenfundamente und Ufersicherungen betoniert. „Wenn derartige Arbeiten nicht mit der vorgeschriebenen Sorgfalt durchgeführt werden, gelangt verunreinigtes Abwasser in den Fluss. Hier wurde vermutlich sogar kontaminiertes Wasser aktiv in das Gewässer gepumpt“, ist Töchterle entsetzt und erklärt, warum dies zum Problem wird: „Betonabwasser verätzt die Kiemen der Fische, der stark erhöhte ph-Wert ist auch für andere Wasserlebewesen wie etwa Insekten tödlich. Daher ist betonieren im Wasser unzulässig. Das muss jede Baufirma eigentlich auch wissen.“ Wie hoch der angerichtete Gesamtschaden ist, ist derzeit noch nicht absehbar, er dürfte aber beträchtlich sein. „Das muss sich ein Gutachter genau anschauen“, sagt Töchterle. „Denn nicht nur die toten Fische sind zu beklagen, sondern auch der Fischereibetrieb erlitt einen Schaden und es ist mit Sicherheit auch viel Leben im Wasser zerstört worden.“

Baufirma muss nun wohl mit Anzeigen rechnen
Fischereiberechtigt ist übrigens die Gemeinde Neustift, die den Vorfall wohl bei der Bezirkshauptmannschaft zu Anzeige bringen wird. „Und auch strafrechtlich könnte auf die Baufirma etwas zukommen“, glaubt Töchterle.

Samuel Thurner
Samuel Thurner

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