Mo, 18. Juni 2018

Ein Frauenarzt erklärt

26.02.2018 06:00

Naht der Wechsel?

Wie kommt es medizinisch betrachtet zu den Wechseljahren? Über welchen Zeitraum erstreckt sich das Klimakterium?  Univ.-Prof. Dr. Erich Müller-Tyl beschreibt die verschiedenen Phasen.

Der Begriff Wechseljahre – auch Klimakterium (griechisch: Stufenleiter, kritischer Zeitpunkt im Leben) genannt – bezeichnet die gesamte Übergangsphase vom Ende der vollen Geschlechtsreife bis zum sogenannten Senium (Alter) der Frau. Durchschnittlich erstreckt sich dieser Zeitraum vom 45. bis zum 70. Lebensjahr. Das Klimakterium verläuft in verschiedenen, einander überlappenden Stufen. Als Menopause bezeichnet man die letzte Regelblutung, die durch altersbedingten, natürlichen Hormonmangel, nicht aber als Folge von Krankheiten oder im Zuge der Schwangerschaft auftritt. Das gilt dann, wenn in den 12 folgenden Monaten keine Blutung mehr erfolgt.

Die Prämenopause ist der Zeitraum von 2 bis 7 Jahren vor der Menopause – bereits gekennzeichnet durch unregelmäßiger werdende Regelblutungen und eventuell schon leichte Wechselbeschwerden. Unter Postmenopause versteht man die Zeitspanne nach der Menopause, die ungefähr 10 bis 15 Jahre umfasst. Die Menopause als letzte hormonelle Blutung tritt durchschnittlich um das 50. Lebensjahr ein. Allerdings werden Frauen mitunter durch operative (Entfernung von Gebärmutter und Eierstöcken) oder hormonelle Behandlungen wesentlich früher in den Wechsel versetzt.

Wie kommt es medizinisch betrachtet zu den Wechseljahren?
Das geschieht automatisch durch die natürliche Alterung der Eierstöcke. Diese produzieren erstens nach und nach immer weniger weibliche Sexualhormone, wodurch es zum Absinken des Hormonspiegels im Blut kommt. Zweitens erzeugen sie auch keine Eizellen mehr – spätestens dann ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich.

Wann bzw. woran merkt eine Frau, dass sie in den Wechsel kommt?
Veränderungen kann man mitunter schon Jahre vor der letzten Regel spüren. Klassische Anzeichen sind Unregelmäßigkeiten bei den Blutungen: Sie sind häufiger oder seltener, stärker oder schwächer, kürzer oder länger. Eine Schwangerschaft wird dann zunehmend unwahrscheinlicher, präsentiert sich aber noch nicht als völlig ausgeschlossen. Das ist erst nach dem Eintritt der Menopause der Fall. Bei Blutungen danach steht unbedingt ein Arztbesuch an!

Voll im Wechsel sind Frauen dann, wenn sie anfallsweise an starken Hitzewallungen mit Schweißausbrüchen leiden. Auch seelische Beeinträchtigungen wie Depressionen, Angstzustände und Minderung des Selbstwertgefühls sowie Gedächtnisprobleme zeigen sich als klare Indizien. Zahlreiche Betroffene geben an, im Rahmen des Klimakteriums weniger sexuelles Interesse zu haben bzw. auch schwerer erregbar zu sein. Weil die Schleimhäute trockener und dünner werden, kann der Sex schmerzhaft sein. Ein häufiger Grund für Ablehnung, der Männer oft verständnislos gegenüberstehen. Dies gefährdet mitunter die Partnerschaft. Empfehlenswert ist hier ärztliche Konsultation.

Veränderungen der vaginalen Schleimhaut, aber auch schwächer werdende Immunabwehr sind der Grund, warum Frauen in dieser Lebensphase auch vermehrt zu Harnwegsinfekten neigen. Hier können passende Präparate aus der Apotheke sehr hilfreich sein. Weitere körperliche Probleme betreffen Haut (trockener) und Haare (spröde, dünner) sowie die Figur. Viele Frauen nehmen zu, die Konturen verändern sich durch vermehrte Fettansammlung im Hüft- und Bauchbereich sowie Abbau von Muskelmasse. Zudem können die Gelenke steifer werden und Schmerzen bereiten. Das schränkt die Beweglichkeit ein, die Belastbarkeit reduziert sich. Höchste Zeit, mit Gegenmaßnahmen zu beginnen! Abgesehen von einer oft sinnvollen Hormontherapie gilt es, körperlich und geistig fit zu bleiben. Da sind die Betroffenen selbst gefordert! Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Frauen, die regelmäßig Sport betreiben (Muskeltraining!) das Klimakterium wesentlich leichter überstehen als andere, die sich „gehen lassen“.

Dr. med. Wolfgang Exel, Kronen Zeitung

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