Mi, 18. Juli 2018

So wurde abgehört

26.01.2018 11:42

Strache-Büro verwanzt: Die ersten Fotos vom Tatort

Die Kabel zu der Abhöreinrichtung im Büro von Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) wirken brandneu, die Wanze selbst dürfte jedoch älterer Bauart sein: Jetzt wurden der "Krone" die ersten Bilder von der Lausch-Anlage im Palais Dietrichstein am Wiener Minoritenplatz zugespielt. Die Fotos zeigen: Die Täter – vermutlich Mitarbeiter eines Nachrichtendienstes – haben die Wanzen hinter einer Lautsprecheranlage und die Stromversorgung mit einem wilden "Kabelsalat" getarnt.

Hinter einer Spiegeltür, direkt hinter dem Schreibtisch von Heinz-Christian Strache, an dem bis Anfang Dezember noch der damalige Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ) telefoniert und gearbeitet hat, konnten die Spezialisten des Heeresabwehramts (HAA) die Abhöranlage aufspüren. "Das war vor wenigen Tagen und nicht schon am 19. Dezember, wie einige Medien falsch behaupten", kommt dazu aus der FPÖ-Spitze. Ein Sprecher von Verteidigungsminister Mario Kunasek bestätigt: "Dass diese Wanzen schon einen Tag nach der Angelobung der Regierung gefunden worden seien, ist kompletter Unsinn. Es gab am 19. Dezember lediglich eine Begehung der Räume im Palais durch Mitarbeiter des Bundesheeres, aber keinen Wanzenfund."

Kaum waren jetzt aber die Wanzen entdeckt, wurde die Abhöreinrichtung stillgelegt. Das dürfte auch den Betreibern dieser Anlage aufgefallen sein: Am Donnerstag brach ein Täter in das Büro des Vizekanzlers ein – offenbar, um Nachschau zu halten (wir berichteten), denn es wurde nichts gestohlen.

Wer diese Abhöranlage samt 100 Meter Kabel installiert haben könnte, kann derzeit noch nicht gesagt werden: Die Staatsanwaltschaft wurde mittlerweile informiert, das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung ermittelt. Inoffiziell wird bestätigt, dass auch Mitarbeiter des Heeresabwehramts auf den Fall angesetzt sind.

Eine große Hilfe bei der Aufklärung des Abhör-Krimis im Regierungsviertel könnten die Bilder aus den Überwachungskameras im Palais Dietrichstein und am Minoritenplatz sein. Die Fahnder sehen "gute Chancen", dass der Einbrecher, der sich am Mittwoch in Straches Büro eingeschlichen hat, auf einem der Videos zu sehen ist.

Richard Schmitt
Richard Schmitt

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