Sa, 16. Dezember 2017

Höret "El Musko"!

24.11.2017 05:30

Elon Musks Visionen - wie lange geht das noch gut?

"Bis einer weint!", sagt man, wenn es Kinder zu bunt treiben. Und könnte damit Tesla-Boss Elon Musk meinen, der erneut mächtige Höhenflüge versprochen hat: einen eventuell fliegenden Targa und einen Elektro-Sattelzug, der sogar einen Atomwaffenangriff überstehen soll. Er scheint mit seinen Elektrofahrzeug-Ankündigungen immer weiter zu gehen, bis auch die Jünger seiner Tesla-Glaubensgemeinschaft ihm nicht mehr glauben. Oder das auf Milliardenverlusten aufgebaute Kartenhaus zusammenbricht - und die Anleger weinen.

Vielleicht kann er seine Pläne auch in die Tat umsetzen, wir wollen das nicht ausschließen. Hm. Wir halten fest: Das "Massenmodell" Model 3 tröpfelt nur vereinzelt aus dem Werk, allein in den drei Monaten von Juli bis September 2017 hat Tesla mehr als eine halbe Milliarde Euro Verlust geschrieben (619 Millionen Dollar). Trotzdem hat das Unternehmen mehr wert als mancher traditionelle Automobil-Großkonzern. Ford zum Beispiel. Oder zwischenzeitlich General Motors. Zum Vergleich: GM hat im Jahr 2016 zehn Millionen Autos gebaut, Tesla gerade einmal 84.000.

Ja, es sollen mehr werden, vor allem mit dem Massenverführer Model 3, aber ein Ende der "Produktionshölle", wie es "El Musko" nennt, ist nicht abzusehen. Angekündigt ist es natürlich schon, aber angekündigt wird den Zeugen Teslas viel. Und sie glauben viel, was die Tesla-Aktie weiter fliegen lässt. Aber hey, wir glauben ja auch, dass das Christkind die Geschenke bringt, oder?

Natürlich ist Musk ein Visionär, der schon vieles auf die Beine gestellt hat (PayPal zum Beispiel), und die Aussage des deutschen Altbundeskanzlers Helmut Schmidt "wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen" ist nicht gerade fortschrittsfreundlich, aber…

Was die einen Entrepreneurship nennen, ist für andere verrückt. Oder rücksichtslos. Man kann auch behaupten, Elon Musk gehe über Leichen, denn das Autopilotsystem seiner Tesla-Modelle hat bereits Leben gekostet, weil er mehr versprochen hat, als die Systeme halten konnten. Von Verarbeitungsqualität bei den Fahrzeugen wollen wir nicht sprechen (okay, sie ist schlecht), und manchmal wartet man Monate auf Ersatzteile (sind hintere Seitentüren eigentlich mittlerweile lieferbar?).

Mit SpaceX will Musk den Mars besiedeln. Werden die Raumfahrer sicher sein können, dass ihr Spaceship ans Ziel findet und sie genug Luft zum Atmen haben werden. Zugegeben, das ist nichts, was uns jetzt beschäftigen müsste.

Es komme ein Super-Roadster. Amen.
Angekündigt für das Hier und Jetzt, also für in drei Jahren, wurde jedenfalls bekanntlich ein neuer Tesla Roadster, wenn er auch faktisch ein Targa ist, also ein Coupé mit herausnehmbarem Dachteil. Doch das nur am Rande, denn das Ungeheuerliche sind die Spezifikationen, die Musk nennt: 10.000 Newtometer maximales Drehmoment, 1,9 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h, 400 km/h Höchstgeschwindigkeit und 1000 Kilometer Reichweite.

Wohlgemerkt: Wir sprechen hier von der Basis-Motorisierung. Auf Twitter hat Musk bereits von einem "special option package" geschrieben, das den Sportwagen in Sachen Performance auf eine neue Stufe heben soll. "Ich sage nicht, dass der neue Roadster mit dem Upgrade-Paket definitiv kurze Hüpfer fliegen kann, aber vielleicht…" Es sei "sicher möglich". Ja, genau.

Atomangriffssicherer Semi-Truck
Und dann ist da der elektrisch betriebene Sattelzug, auf Englisch "semi-truck" genannt, der ab 2019 gebaut werden soll. Einige wurden bereits bestellt. Alleine 15 Stück von Walmart.

Der Truck soll je nach Akku-Variante 36 Tonnen Ladung 400 oder 800 Kilometer weit transportieren können, Tempo 100 soll er in unter 20 Sekunden erreichen - voll beladen. Ohne Auflieger verspricht Elon Musk einen Sprintwert von fünf Sekunden. Hier ist vom Fliegen übrigens keine Rede.

Die Elektronik des Superlasters soll so gut abgeschirmt sein, dass sie sogar einen elektromagnetischen Schock, wie er etwa durch eine Atombombenexplosion ausgelöst wird, unbeschadet überstehen soll. Natürlich nur, wenn das Fahrzeug nicht durch die Explosion selbst zerstört wird.

Musk scheint das Thema Sicherheit im Kriegsfall wichtig zu sein. Die Klimaanlage von Model S und Model X soll ja sogar das Eindringen von Schadstoffen im Fall eines Chemiewaffenangriffs verhindern. Oder Tränengas. Damit wenigstens die Insassen eines Tesla nicht weinen müssen.

Größter Lithium-Ionen-Akku der Welt
Vielleicht ist Elon Musk auch einfach ein sehr erfolgreicher Spieler. Gerade erst hat er den größten Lithium-Ionen-Akku der Welt gebaut - in nur 100 Tagen. Hintergrund war eine Wette, die er natürlich nicht verlieren wollte. Er wäre sonst auf den Kosten von 50 Millionen Dollar sitzengeblieben. Der Riesen-Akku hat eine Kapazität von 100 Megawattstunden und soll die Stromversorgung in Südaustralien stabilisieren.

Stephan Schätzl
Redakteur
Stephan Schätzl
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