So, 17. Dezember 2017

Transplantation

07.10.2017 06:00

"Ich denke immer positiv"

Claus Pohnitzers Niere war stark geschädigt. Mehrere Jahre an der Dialyse folgten. Drei Mal pro Woche musste er dafür ein Krankenhaus aufsuchen und Stunden "angehängt" ausharren. 880 Dialysen und sechs Jahre später fand schließlich die lang ersehnte Nierentransplantation im Wiener AKH statt.

Im Alter von 25 Jahren wollte Claus Pohnitzer im Jahr 2002 den LKW-Führerschein machen. Der Amtsarzt "stolperte" dabei über seinen sehr hohen Blutdruck, von dem er nichts wusste. Das müsse er überprüfen lassen, bekam der Waldviertler damals mit auf den Weg. "Hoher Blutdruck ist oft ein Anzeichen dafür, dass mit den Nieren etwas nicht stimmt", klärt Univ.-Prof. Dr. Bruno Watschinger, Nephrologe am AKH Wien und heute betreuender Arzt von Pohnitzer, auf. Andererseits können sich Bluthochdruck und Diabetes nach Jahrzehnten auf die Nieren auswirken. Bei Claus Pohnitzer ist die genaue Ursache der Erkrankung unklar.

Drei Monate sowie etliche Harn- und Blutbefunde später meinte ein anderer Facharzt: "Schauen wir, ob wir Sie ohne Dialyse bis zur Pension bringen." Daraufhin haderte der Betroffene einige Zeit mit dem Schicksal: "Warum gerade ich?" - das positive Denken siegte aber. Die für Nierenerkrankungen typischen Werte schnellten jedoch immer weiter in die Höhe. Zu den Hauptaufgaben der Nieren zählt die Reinigung des Blutes von Giftstoffen. Schafft das der Körper nicht mehr von selbst, ist Dialyse nötig. "Auf eigenen Wunsch wollte ich es vor einer Hämodialyse (Blutwäsche), bei der das Blut regelmäßig außerhalb des Körpers mithilfe eines speziellen Filters in einem Dialysezentrum gereinigt wird, mit einer Bauchfell bzw. Peritonealdialyse versuchen. Dabei wird das eigene gut durchblutete Bauchfell als Filter verwendet", erzählt der Hobby-Koch. Von Seiten des Patienten ist viel Selbstverantwortung notwendig, andererseits bleibt es möglich, seinen Rhythmus zu leben, weil die Peritonealdialyse zu Hause durchgeführt wird.

Elf Monate konnte der Selbstständige diese Methode nützen. 2007 blieb ihm aufgrund von seltenen Komplikationen nichts mehr anderes übrig, als mit der Hämodialyse zu beginnen. Ab diesem Zeitpunkt wusste er, wo er sich dreimal pro Woche von 19.15 bis 23.15 Uhr aufhalten würde, nämlich im Spital. "Dafür war es notwendig, operativ einen sogenannten Shunt am linken Unterarm anzulegen, das ist eine Querverbindung zwischen Arterie und Vene. Wichtig, weil eine normale Vene ein mehrmaliges Anstechen pro Woche - Blut wird von dort entnommen, dann per Dialysator gereinigt und anschließend wieder zugeführt - nicht vertragen würde. Müdigkeit, Migräneattacken und unerträglicher Juckreiz waren in diesen vielen Stunden meine Begleiter", erinnert sich der heute 40-Jährige. Ab 2011 gesellte sich aber auch eine weitere Begleitung - dieses Mal in positivem Sinne, nämlich seine Freundin Michaela - dazu. Gemeinsam schauten sie während den Dialysen nächtelang Filme. "Einige Zeit führte ich die Hämodialyse auch zuhause durch. Das machen nur sehr wenig Betroffene, weil dafür vielen Auflagen Folge geleistet werden muss. So benötigt man etwa einen eigenen Stromkreis in diesem Raum und ist angehalten, ein ausführliches Protokoll zu schreiben." 2012 hat Pohnitzer eine Selbsthilfegruppe gegründet und hält seitdem auf Kongressen Vorträge.

880 Dialysen, 50.000 selbst gefahrene Kilometer von und zu Dialysen, zwei leider nicht passende Chancen auf eine Transplantation und sechs Jahre später war es schließlich wirklich so weit: Am 5. Mai 2013 - dem Geburtstag seiner Freundin - fand die lang ersehnte Nierentransplantation im Wiener AKH statt. "Wird dieses Organ eingesetzt, zählt vor allem die Passgenauigkeit, weil ja als alternative Behandlung immer die Dialyse bliebe. Bei Leber und Lunge und zum Teil auch beim Herzen - obwohl es mittlerweile Kunstherzen gibt - wird alleine nach der Dringlichkeit entschieden", informiert Prof. Dr. Watschinger. Die kaputten Nieren verbleiben meist im Körper und schrumpfen zusammen. "Eine verstorbene Person hat mir und bis zu sieben weiteren Menschen das Leben gerettet", zeigt sich der Waldviertler dankbar. Bereits am neunten Tag konnte er aus dem Spital entlassen werden. Zur Kontrolle sucht er regelmäßig Prof. Watschinger auf. Nettes und zufälliges Detail am Rande: Prof. Watschingers Vater, ebenfalls ein angesehener Facharzt, hatte bereits Pohnitzers Oma mit Nierenproblemen betreut . . .

Monika Kotasek-Rissel, Kronen Zeitung

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