Fr, 20. April 2018

Rapid greift durch

05.02.2018 15:11

Krammer: „Mindestens zwei Jahre Stadionverbot“

Rapid greift durch! Nach dem Skandal-Derby am Sonntag werden die sämtlichen Personen, die Gegenstände auf das Spielfeld warfen - sofern identifizierbar -, mit Stadionverbot bestraft. "Mindestens zwei Jahre", sagte Präsident Michael Krammer im Zuge einer Pressekonferenz am Montagnachmittag. Elf entsprechende Personen sind dank Video-Aufzeichnungen bereits erkannt worden, jetzt läuft die Identifizierung. Außerdem wird sich der Verein mit Regressforderungen an die Sünder wenden.

Krammer wiederholte zwar sein Mantra, "bitte nicht alle Rapid-Fans pauschal zu verurteilen", allerdings wurde er auch ungewohnt deutlich: "Eine rote Linie wurde überschritten. Im August vergangenen Jahres haben wir angekündigt, ernst zu machen, wenn es noch einmal zu derartigen Vorfällen kommt. Jetzt ist es beim Derby wieder passiert und wir machen unsere Ankündigung wahr."

Nicht nur Personen, die Gegenstände warfen, auch die beiden "Flitzer", die kurz vor Schlusspfiff aufs Spielfeld stürmten, müssten mit einer mindestens zweijährigen Stadionsperre rechnen. Deren Identität sei bereits festgestellt, sagte Krammer am Montag. Außerdem werde sich Rapid mit Regressforderungen an die Sündenböcke wenden.

"Die Strafen, die wir von der Bundesliga bekommen, werden wir an die Übeltäter weiter geben, um deutlich zu machen, welchen Schaden sie damit anrichten." Vorbild dafür seien Vereine wie der 1. FC Köln, Hansa Rostock oder Fortuna Düsseldorf. "Dort hat das funktioniert", sagte der Niederösterreicher. In einer ersten Sichtung der Videoaufzeichnungen wurden vorerst elf Übeltäter ausgemacht, die Gegenstände auf das Spielfeld geworfen hatten.

Neues Fan-Projekt
Trotzdem will Krammer den bei Rapid so oft gepriesenen Dialog mit den Fans aufrechterhalten. "Sanktionierung und trotzdem auf Dialog zu setzen, ist aus meiner Sicht alternativlos." Trotzdem müsse man sich hinterfragen, "ob wir bei der Fan-Arbeit alles richtig gemacht haben. Folglich werden wir ein Fan-Projekt mit internationeler Beteiligung aus diversen Bereichen aufsetzen", meinte Krammer und nannte in diesem Zusammenhang den FC Basel und Schalke 04. Damit solle ermöglicht werden, dass man "Emotionen und gute Stimmung ausleben, aber Dinge wie gestern möglichst hintanhalten" könne, erzählte der Rapid-Boss.

Gerade im Zusammenhang mit der zuletzt gewachsenen Zahl an organisierten Fans steht Rapid vor großen Herausforderungen. "Da gibt es neue Gruppierungen, die offensichtlich mit dem Einhalten der Regeln ihre Probleme haben", gestand Krammer, ergänzte aber, er sehe die Verursacher der Sonntag-Randale weder bei der aktiven Fanszene noch bei Personen aus dem Ausland, die am Sonntag im "Block West" zu Gast waren.

Außerdem bat Krammer, von Pauschalverurteilungen der Rapid-Anhänger abzusehen. "99 Prozent unserer Fans sind daran interessiert, dass Rapid erfolgreich Fußball spielt und wir eine einzigartige Stimmung im Stadion haben."

Kritik an Sicherheitskräften
Der Rapid-Präsident warb gegenüber den anwesenden Journalisten auch um Verständnis für unpassende Aussagen von Rapid-Seite unmittelbar nach dem Derby-Schlusspfiff. "Ich bitte Sie inständig, wenn Spieler und Trainer nach so einem Spiel vollgepumpt mit Adrenalin und Emotionen nicht unbedingt die hochwertigsten moralischen Antworten geben, darüber hinwegzusehen. Die Aufgabe der Trainer ist es zuerst, die Mannschaft weiterzuentwickeln, und jene der Spieler in erster Linie, Fußball zu spielen."

Weniger Nachsicht ließ Krammer mit den Sicherheitskräften erkennen, die zuließen, dass zwei Männer im Finish auf den Platz stürmten und einen vielversprechenden Austria-Angriff verhinderten. Dass die beiden nicht von Securitys verfolgt wurden, sei ein Fehler der Sicherheitsfirma gewesen, so Krammer.

Vorfälle laut Bundesliga "absolut inakzeptabel"
Die Fußball-Bundesliga ist nach einer ersten Bestandsaufnahme nach den Vorfällen aktuell dabei weitere detaillierte Berichte einzuholen und zu evaluieren. "Die gestrigen Vorkommnisse im Allianz-Stadion sind leider nicht als Einzelfall abzutun", verlautete die Liga in einer Aussendung am Montag.

"Wenn in dieser Form Einfluss auf das Spiel genommen wird und Spieler Angst um ihre Gesundheit haben müssen, ist es allerhöchste Zeit, dass man zur Besinnung kommt. Die Spieler sind Menschen, die ihrem Beruf nachgehen, und keine Zielscheiben für gewaltbereite Unruhestifter, die eine Verletzung der Spieler bewusst in Kauf nehmen", hieß es weiter.

Die Liga forderte daher "klare Worte und Taten aller Beteiligten. Hier müssen mehrere Akteure ihren Teil dazu beitragen, dass Vorfälle wie gestern nicht mehr passieren: allen voran der Klub, aber auch wir als Verband und die Fans selbst. Hier gilt es nicht in einem, sondern in mehreren Bereichen anzusetzen", erläuterte die Liga.

Mega-Strafe droht
Der zuständige Senat 1 wird sich voraussichtlich am kommenden Montag mit den Vorfällen beschäftigen. Von einer Geldstrafe von bis zu 150.000 Euro bis zu einer Platzsperre oder Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist alles möglich. "Einerseits wird der Senat 1 Konsequenzen ziehen. Unabhängig von deren Art und Höhe werden wir andererseits auch bei einem gemeinsamen Termin mit dem SK Rapid über die clubinternen Konsequenzen und Lösungsansätze des Klubs sprechen", so die Liga.

krone Sport
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