Das freie Wort

Zum Tanzen gehören zwei

Laut einer Umfrage des Market-Instituts können sich 76% der über 60-Jährigen vorstellen, in der Pension zu arbeiten. Voraussetzung dafür sei eine geringere Besteuerung der Zuverdienste, so die Befragten. Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht, denn damit würden sowohl das Pensionssystem entlastet als auch der Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt entschärft. Hier stellt sich jedoch die Frage: Wenn die Österreicher über 60 Jahre offensichtlich bereit sind, länger zu arbeiten, wieso ist dann die Beschäftigungsquote der Altersgruppe 60–64 Jahre so niedrig? Sie beträgt nämlich 22% bei Frauen und 45% bei Männern. Es ist wie beim Sprichwort „Zum Tanzen gehören zwei“: Ohne die „Tanzpartner“, also die Betriebe, reicht nur die Bereitschaft vieler Älterer leider nicht aus. Und genau deshalb halte ich den Vorschlag des SPÖ-Finanzministers Markus Marterbauer, ein Bonus-Malus-System einzuführen, für richtig. Demnach sollen Betriebe, die ältere Menschen beschäftigen und unser Pensionssystem dadurch entlasten, mit Lohnnebenkostensenkungen begünstigt werden. Ein Bonus-Malus-System, gepaart mit einer geringeren Besteuerung des Zuverdiensts, wie vom WKÖ-Präsidenten Harald Mahrer gefordert, könnte die Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer deutlich erhöhen. Das würde zweifellos einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung des faktischen Pensionsantrittsalters und somit zur Absicherung unseres Pensionssystems leisten.

José Curado, Klosterneuburg

Erschienen am Di, 8.7.2025

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