21.08.2007 11:58 |

Vampir-Hatz

Vampire Rain

Es regnet, und das rund um die Uhr. Zudem ist es dunkel. Daran muss sich der Spieler bei "Vampire Rain" allerdings gewöhnen. Auch sonst hat der "Dracula meets Splinter Cell"-Verschnitt einiges zu bieten, was dem Gamer sauer aufstoßen könnte...

Blutsauger mit spitzen Eckzähnen suchen die Stadt heim und nur ein einsames Elite-Trüppchen weiß - mehr schleichend als kämpfend - der Bedrohung Einhalt zu gewähren. Das ist die Geschichte von "Vampire Rain", die vor den Augen des Spielers in zahlreichen Zwischensequenzen vorangetrieben wird. So unspannend die Handlung auch klingen mag - für den Spieler gibt es durchaus ein paar nette Wendungen zu erleben.

Leider kann man das vom Rest des Spieles nicht behaupten. Schon nach wenigen Minuten wird klar, welches Game hier Pate stand: Die Elite-Kämpfer tragen nicht nur einen flotten Latex-Einteiler in elegantem Schwarz, nein, sie kriechen, klettern, hangeln und schleichen auch so wie Sam Fisher aus "Splinter Cell". Auch die Gadgets von John Lloyd und seinem Squad kennt man schon von anderer Stelle: Eine Nachtsichtbrille, mit der sich die "Nightwalker" ausfindig machen lassen, oder die obligatorische Pistole mit Schalldämpfer sind mit an Bord.

Gebrauch machen muss der Spieler von seiner High-Tech-Ausrüstung oder den Waffen jedoch nur selten: Fällt man einem Vampir nämlich erst einmal in die Hände, ist es ohnehin bereits zu spät, um zur Waffe zu greifen. Flink, behände und äußerst resistent stürzen sich die Blutsauger auf den Soldaten. Chancen hat nur, wer ein volles Magazin hat und aus großer Entfernung ballert. So gesehen hätte man sich die Waffen also auch sparen können.

Da der offene Kampf also nicht in Frage kommt, muss sich der Spieler ungesehen seinen Weg durch die triste Betonwüste der Metropole suchen. Schwer ist das allerdings nicht, muss man doch a) nur nach Leitern, Vorsprüngen oder Containern Ausschalten halten, über die man auf die Dächer gelangt, und b) sind die Level zudem sehr linear aufgebaut. So wirken die Areale zwar allesamt recht groß, nach zwei bis drei Querstraßen stößt man jedoch bereits auf unsichtbare Barrieren, die dem Entdeckungsdrang des Spielers ein Ende setzen.

Viel Lust auf einen Stadtbummel bekommt man aber ohnehin nicht, ist doch alles unschön grau in grau gehalten. Auch das ganze einen Tick interessanter machende Schattenspiele sucht man vergeblich. Lediglich der ewig herunterprasselnde Regen, der von den Kampfanzügen abperlt, kann sich sehen lassen und zeugt - neben den soliden Zwischensequenzen -  von Next-Gen-Grafik und einer lebendigen Stadt. Sehr interessant ist hingegen der Sound - es gibt nämlich kaum einen. Nur ganz vereinzelt werden etwaige Schreckmomente mit packender Musik untermalt. Schade, ein wenig mehr orchestraler Pomp und schon hätte das Spiel an Atmosphäre gewonnen.

Zu guter Letzt dürfen bis zu acht "Vampire Rain"-Spieler auch online der Jagd auf Draculas Abkömmlinge frönen. In den typischen Modi (Team vs. Team, Jeder gegen Jeden, Capture the Flag) kommen dann auch endlich die Schusswaffen zu voller Geltung. Recht witzig: Auf Knopfdruck kann man sich kurzzeitig in einen Nightwalker verwandeln und so von der gesteigerten Sinneswahrnehmung und Leistungsfähigkeit der Vampire profitieren.

Fazit: Weder in punkto Stealth-Action, noch in Sachen Grusel kann "Vampire Rain" mit anderen Titeln mithalten. Auch Grafik, Sound und der lineare Levelaufbau dürften kaum jemanden vor dem Ofen herlocken. Wer nach dem x-ten Durchspielen der zahlreichen Splinter-Cell-Titel aber immer noch nicht aufs Schleichen verzichten kann und will, kann mit "Vampire Rain" ein paar nette Stunden erleben. 

Plattform: Xbox 360
Publisher: Microsoft
Krone.at-Wertung: 60%


von Sebastian Räuchle

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