06.02.2007 10:50 |

Ärger im Paradies

Runaway 2 - The Dream Of The Turtle

Eine tropische Insel samt traumhafter Sandstrandkulisse und kitschigen Sonnenuntergängen, verschlossene Militärs und jede Menge schräger Charaktere - das sind die Zutaten des Adventures "Runaway 2". Abgerundet mit einem Schuss gut gelungener Grafik und einer Extraportion Rätseln ergibt das einen frisch-fruchtigen Sommercocktail für die kalte Jahreszeit...

Was bereits bei "Baphomets Fluch 3" (im Jahr 2003) für Spannung sorgte, wirkt auch beim zweiten Runaway-Teil: Die Geschichte erhält bereits in den ersten Minuten aufgrund eines Flugzeugabsturzes eine dramatische Note. Hauptdarsteller Brian Basco überlässt heldenhaft seiner Freundin Gina den einzigen Fallschirm an Bord und schubst sie über einem Inselparadies ins Freie.

Nach einer unsanften Landung im Dschungel begibt sich Brian naturgemäß sofort auf die Suche nach seiner Geliebten. Doch der Weg in die Zivilisation erweist sich als kompliziertes Stück Klickarbeit...

Eines vorweg: Wer mit Rätseln nichts am Hut hat, die schier endloses Herumprobieren verlangen und Erfolgserlebnisse oft nach dem Zufallsprinzip verteilen, der sollte um "Runaway 2" tunlichst einen Bogen machen. An den meisten Schauplätzen müssen Teile des Inventars angewendet werden, um die Story voranzutreiben. Der Verzweiflung nahe ist dieses Game ohne Komplettlösung an einigen Stellen - außer der Spieler hat unverschämtes Glück - kaum zu schaffen. Oft sind starre Abläufe zu befolgen, ohne die es nicht weiter geht. So muss sich Brian etwa erst mehrere Male von einem hinterhältigen kleinen Affe an der Nase herumführen lassen, bevor der mit Alkohol narkotisierbar ist. Ohne einige Fehlversuche ist das nicht möglich, eine Abkürzung gibt es nicht...

Dass der Gamer dennoch am Ball bleibt, ist vor allem der liebevollen Umsetzung der Geschichte zu verdanken. Skurrile Gestalten bevölkern das Eiland, von frauenfeindlichen Militärs über wasserscheue Surfer und promiskuitiv angehauchte Barfrauen trifft Brian viele witzige Persönlichkeiten. Die Dialoge im Multiple-Choice-Verfahren und aufmerksames Zuhören sind unerlässlich für das Weiterkommen im Spiel. Die große Auswahl macht es allerdings manchmal schwierig, gezielt die richtigen Fragen zu stellen, was zum Teil recht langwierige Dialogsequenzen zur Folge hat.

Nach jedem erfolgreich absolvierten Kapitel wird der Gamer dafür mit einer ausführlichen, filmreichen Zwischensequenz belohnt. Die entschädigen allerdings nicht für die immer wirrer verlaufende Story, so viel sei an dieser Stelle verraten. Gut gelungen ist hingegen die Grafik, die trotz 2D liebevoll und lebendig wirkt. Der Comic-Stil ist naturgemäß Geschmackssache. Großes Lob haben sich jedenfalls die Synchronsprecher verdient, die auch langwierige Dialoge lebendig werden lassen und fast am meisten zur heimeligen Atmosphäre des Spiels beitragen.

Ein Tipp zum Schluss: Wer 5,7 GB auf seiner Festplatte entbehren kann, der sollte sich zu einer Komplettinstallation des Games entschließen. Die bei der 2,5-GB-Installation auftretenden Ladezeiten sind nämlich wirklich fies.

Fazit: "Runaway 2 - The Dream Of The Turtle" merkt man die liebevolle Umsetzung in beinahe jeder Spielminute an. Spaßbremsen sind die zum Teil völlig unlogischen Rätsel, die manchmal lang geratenen Dialoge und das starre Spielsystem sowie dass man oft gezwungen ist, einen Ort mehrmals zu besuchen. Die bunte, lebendige Welt mit ihren kuriosen Einwohnern und eine vorbildliche Spieldauer von etwa zehn Stunden entschädigen diese Schnitzer jedoch großteils.

Plattform: PC
Publisher: dtp
Krone.at-Wertung: 85%

Von Bernadette Geißler

Freitag, 07. Mai 2021
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