Mi, 18. Juli 2018

Musik-Downloads

16.10.2006 15:58

Musikportale im Vergleich

Musikportale liegen voll im Trend. Kein Wunder also, dass die Download-Angebote wie Pilze im Web sprießen. Grund genug für die AK, neun österreichische Anbieter miteinander zu vergleichen. Das Fazit des Tests: Zu viele Stolpersteine sowie lange und verwirrende Geschäftsbedingungen für den Konsumenten.

Wer sich Musik aus dem Web herunterlädt, scheitert oft schon an der Technik. Auf jeden Fall braucht es viel Zeit und Geduld, um mit den zahlreiche Hürden zurechtzukommen, wie ein aktueller AK-Test zeigt. Im Juli und August wurden insgesamt neun österreichische Musiportal-Anbieter untersucht.

Die in den Weg gelegten Stolpersteine sind allerdings fast überall gleich: Zuerst zahlen, dann aber nichts hören, weil die Dateiformate der Anbieter nicht zu den vorhandenen Abspielgeräten kompatibel sind. Hinzu kommen aufwändige Registrierungen sowie lange und verwirrende Geschäftsbedingungen. Es sei auf den ersten Blick nicht erkennbar, was man für den Preis bekommt, so Konsumentenschützer Harald Glatz.

In Österreich wurden im Vorjahr laut Verband der österreichischen Musikwirtschaft mehr als vier Millionen Lieder legal auf PCs oder Handys geladen. Im Auftrag der AK untersuchte der VKI das Angebot von Apples iTunes, Aon, One4music, Allofmp3, Emusic, Msn Music, Dm Drogeriemarkt, Medion und Finetunes.

DRM, WMA, AAC und OGG
"Die Anbieter sind kaum zu vergleichen, da sie sowohl vom Angebot als auch von der Bedienung sehr unterschiedlich sind", sagt Glatz. Beim Download gibt es viele Hindernisse: Wer downloaden will, muss sich erst umfangreich auf der Homepage registrieren, außer bei Medion und Finetunes. Es gibt zahlreiche Abkürzungen, etwa DRM für Digital Rights Management oder WMA für Windows Media Audio. Zudem passen die Dateiformate der Anbieter oft nicht mit der PC-Software oder dem Abspielgerät zusammen.

Kompatibilitätsprobleme
Wer zum Beispiel vom Anbieter Msn runterlädt, braucht Microsofts Internet Explorer, sonst funktioniert die Homepage erst gar nicht. Firefox-User schauen in die Röhre. Funktioniert das Runterladen, kann es dann allerdings passieren, dass sich das Lied etwa am iPod nicht abspielen lässt wie bei Aon, One4music, Msn Music oder Medion. Auch bei iTunes verweigerte der MP3-Player den Dienst.

Kein Verkauf nach Österreich
Ärgerlich ist auch, dass einige deutsche Anbieter, nachdem man mühsam die Lieder zusammengesucht hat und bezahlen will, kurz vor Ende des Kaufvorganges offenbaren, dass nach Österreich nicht verkauft wird. "Und das, obwohl im Internet grenzüberschreitende Geschäfte üblich sind", betont Glatz.

Komplizierte Nutzungsbedingungen
"Im Vergleich zu CDs muss sich der Webnutzer zunächst mit überlangen, komplizierten Nutzungsbedingungen herumschlagen", erklärt Glatz. Die Geschäftsbedingungen sind je nach Anbieter sehr unterschiedlich: So können etwa bei Allofmp3 die Titel beliebig oft gebrannt und überspielt werden, bei Aon hingegen nur fünf bis 25-mal gebrannt und fünf- bis zehnmal überspielt werden.

Pech, wenn der Download stumm bleibt
"Was er tun kann oder lassen soll, sieht der User nicht auf den ersten Blick, sondern muss er erst mühsam in den Geschäftsbedingungen nachlesen", sagt Glatz, "die lang, unklar und kompliziert sind." Anbieter wie Allofmp3, Medion, iTunes, One4Music schließen Gewährleistung für User weitreichend aus. Wer runterlädt und zahlt, aber das Lied nicht abspielen kann, hat oft Pech. Bloß One4Music, Medion, Msn und Aon haben kostenlose Re-Downloads, wenn der erste Versuch gescheitert ist.

Preisvergleich lohnt sich
Unterschiede gibt es auch bei den Preisen, die pro Titel von 0,95 (One4music) bis 1,29 Euro (Msn Music, Aon) variieren können. Die Albumpreise kosten von 7,95 (One4music) bis 12,99 Euro (Aon). Der Preisvergleich lohnt sich also.

Außer Spesen nix gewesen?
Fazit des AK-Tests: Es besteht viel Nachholbedarf für österreichische Musikportale. Informationen über Kosten, verwendete Dateiformate oder Nutzungsbedingungen sollten einfach und leicht verständlich für jedermann auffindbar sein. Außerdem sollen Verbraucher auf der Musikanbieter-Homepage auch mehrere Dateiformate zur Auswahl haben, damit sie die gewünschten Lieder auch tatsächlich herunterladen können. Eine kostenlose Nachlademöglichkeit bei einem gescheiterten Download sollte allgemeiner Standard sein.

Den kompletten Testbericht der AK findest du als 35 Seiten umfassendes PDF-File über den Link in der Infobox.

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