So, 16. Dezember 2018

Gedenkstätte empört

14.07.2016 10:23

"Pokémon Go"-Jagd sogar in Auschwitz

Bei ihrer Jagd nach kleinen Monstern machen Fans der neuen Nintendo-App "Pokémon Go" selbst vor Krankenhäusern, Friedhöfen oder gar dem ehemaligen NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau nicht halt. Die Betroffenen finden das alles andere als lustig und bitten Gamer nun um mehr Respekt.

"Hier haben Hunderttausende Menschen gelitten, Juden, Polen, Roma, Russen und andere Nationen", sagte ein Sprecher der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau am Mittwoch. Die Einrichtung forderte daher, "Respekt für das Gedenken an die Opfer dieses größten Todeslagers der Nazis im Zweiten Weltkrieg" zu haben. Das Spielen in der Gedenkstätte sei "deplatziert", so der Sprecher, der den Entwickler Niantic dazu aufrief, die Geolokalisierung des Lagers in der App zu unterdrücken.

Giftgas-Pokémon vor "Arbeit macht frei"-Tor
Mehrere Twitter-Nutzer hatten laut Jewish Telegraphic Agency zuvor Bilder aus Auschwitz veröffentlicht, auf denen Pokémon unter der Toraufschrift "Arbeit macht frei" zu sehen sind - darunter auch das Giftgas-Monster "Smogon".

Auch das Holocaust-Museum in der US-Hauptstadt Washington appellierte an die Besucher, respektvoll beim Einsatz von Technik zu sein. Man versuche, den Ort aus dem Spiel entfernen zu lassen, sagte ein Sprecher am Dienstag.

Der Arlington-Ehrenfriedhof in Washington forderte die Besucher via Twitter ebenfalls dazu auf, das Spielen zu unterlassen. Man denke nicht, dass das Spielen von "Pokémon Go" auf dem Gelände des Friedhofs angemessen sei, und bitte Besucher daher, auf diese Aktivität zu verzichten, hieß es in einem Tweet.

Unliebsame Zwischenfälle in Amsterdamer Krankenhaus
Auch in einem Krankenhaus in Amsterdam führte die Begeisterung für das Spiel zu unliebsamen Vorfällen. Das Akademische Medizinische Zentrum (AMC) in der niederländischen Metropole sah sich am Dienstag gezwungen, Besucher aufzufordern, beim Spielen von "Pokémon Go" nicht mehr in nicht-öffentliche Bereiche des Krankenhauses einzudringen.

"Seit gestern ist uns aufgefallen, dass junge Leute mit Smartphones im Gebäude herumlaufen und in Bereiche gehen, in denen sie nicht sein sollten", sagte die AMC-Sprecherin Loes Magnin der Nachrichtenagentur AFP. Einige Spieler hätten sich sogar im Keller des Krankenhauses wiedergefunden, wo unter anderem Kleidung desinfiziert wird. "Die Patienten brauchen Ruhe und Erholung", mahnte Magnin.

"Es gibt tatsächlich ein krankes Pokémon im AMC, aber wir sorgen gut für es. Bitte besucht es nicht", teilte die Klinik via Twitter mit. Beigefügt war ein Bild der Pokemon-Figur Pikachu neben einer Taschentücher-Box.

Spieler liefen auf Bahngleise
Doch nicht nur dem Krankenhaus macht "Pokémon Go" zu schaffen: Die niederländische Bahn-Aufsicht ProRail bat Nintendo um Änderungen an der Spiele-App, nachdem manche Spieler unwissentlich auf Gleise geraten waren.

Laut einem Bericht des niederländischen Rundfunks gingen in den vergangenen Tagen zudem bei der Polizei Beschwerden über verdächtige Mobilfunknutzer ein, die Häuser fotografieren. Der Verdacht, es handle sich um Einbrecher, die neue Ziele auskundschafteten, erhärtete sich nicht. Die auffälligen Handynutzer entpuppten sich vielmehr ebenfalls als "Pokémon Go"-Spieler.

Monsterjäger verursacht Auffahrunfall
Die Polizei der A&M University in Texas meldete indes den ersten Auffahrunfall im Zusammenhang mit dem Spiel. Ein Fahrer stellte seinen Wagen regelwidrig ab, um auszusteigen und ein Pokémon zu fangen, wie die Polizei auf Twitter mitteilte. Ein anderes Auto fuhr von hinten auf.

Nutzer können unangemessene Orte melden
Die kostenlose App animiert Spieler, mit ihrem Smartphone durch die Gegend zu laufen und in der "echten Welt" versteckte Figuren "einzufangen". Dabei werden die GPS-Funktion und das Kartenmaterial des Smartphones genutzt. Die Entwickler - Nintendos Pokémon Company und die Spielefirma Niantic Labs - geben die Möglichkeit, unangemessene Orte zu melden.

Niantic - damals noch als Google-Tochter - hatte im vergangenen Jahr schon ähnlichen Ärger in Deutschland gehabt. In dem ebenfalls ortsbasierten Spiel "Ingress" wurden einige der Portale, um die Nutzer kämpfen müssen, bei ehemaligen Konzentrationslagern platziert. Nach Kritik wurden sie schnell aus der Nähe der Gedenkstätten entfernt. "Pokémon Go" greift auch auf Datenbanken von "Ingress" zurück.

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