Seine Inszenierungen sind Raum und Geist füllend, seine politische Überzeugung ist inhaltstragender Teil davon. Gespräch mit dem burgenländischen Bühnenmenschen und Uraufführungsvirtuosen Peter Wagner, der seit Jahren auch für das klagenfurter ensemble (ke) inszeniert.
Es gibt Menschen, die ihren Beruf lieben. Und es gibt solche, die sich über ihr Tun definieren. Peter Wagner ist so ein Mensch. Als arbeitssüchtig bezeichnet er sich selbst. Schaut man auf den Output, der auf seinem Hauptbetätigungsfeld, dem Theater, an die 40 eigene Bühnenstücke und rund 20 Hörspiele umfasst, kann man das nur ehrfürchtig bejahen.
Berufener seit Kindertagen
Dass sein Mitteilungsbedürfnis „ins Künstlerische geglitten ist“, war vorprogrammiert! Wer mit 8 Märchen, mit 12 eine Jazz-Messe und mit 17 das erste Hörspiel schreibt, ist ein Berufener. Auch wenn sich der 70-Jährige in seiner eloquenten Präzision nie so bezeichnen würde, sondern lieber auf sein Buch „Jetzt verlasse ich dieses Haus“ verweist, das seine ersten 20 Lebensjahre offenbart und im kommenden Jahr auf der Leipziger Buchwoche vorgestellt wird.
Woher sein Mitteilungsbedürfnis komme? „Das habe ich mich oft gefragt. Der Ursprung liegt wohl darin, die Welt für mich verständlicher machen, sie formen zu wollen und anderen dabei etwas mitzugeben.“
Seit Jahrzehnten Kämpfe mit der FPÖ
Dass dazu Rückgrat gehört, ist dem Menschen wie seinem Werk eingeschrieben, seine „seit den 1990er Jahren mit der FPÖ ausgetragenen Kämpfe“ auch, die ihn (in völliger Unwissenheit seiner Arbeit) u. a. als Fäkalkünstler diskreditiert, oder seinem Stück „Todestag“ über zwei Bauernbrüder und ihre Liebe zur letzten Kuh im Stall, Sodomie unterstellt – „obwohl es eine Allegorie auf politische Ereignisse ist, basierend auf Umstellung der Landwirtschaft und Denaturierung des Menschen.“
Aus dem burgenländischen Kleinen ins universelle Große
Aus seiner Heimat, dem Burgenland, mit seiner sprachlichen wie kulturellen Polyphonie und den sich daraus ergebenden Spannungsfeldern, schöpft Wagner als Autor, Regisseur, Video- und Konzeptkünstler, Filmemacher und Musiker ebenso wie mit aktionistischen Projekten, darunter die Verhüllung des Anschluss-Denkmals in Oberschützen, die „Aktion Zigeunerdenkmal“, die erstmals den Massenmord an den Burgenland-Roma während der NS-Zeit thematisiert, oder als Mitbegründer des OHO (Offenes Haus Oberwart).
Dass die Stücke des Uraufführungsvirtuosen spielerisch vom burgenländischen Kleinen ins universelle Große münden, kann man beim klagenfurter ensemble seit Jahren erleben. Ob Peter Wagner mit seiner vielfach ausgezeichneten, in vielen Ländern präsenten Arbeit glücklich ist? „Albert Camus bezeichnet Sisyphos als glücklichen Menschen. In meinem Bestreben, niemals aufzugeben, bin ich wie er. Also muss wohl auch ich, obwohl ich oft daran zweifle, glücklich sein.“
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