Was als Zufall begann, wirft nun grundlegende Fragen auf: Die Stadt Wien überlässt leer stehende Schulräume gratis an Vereine. Im Fall des Vereins „The Social Work Hub“ blieb ein Schuldenberg von 126.688 Euro. Einzelfall oder System?
Es war ein unscheinbarer Tagesordnungspunkt im jüngsten Gemeinderatsausschuss für Bildung, Jugend, Integration, Transparenz und Märkte: die Abschreibung einer Forderung von 126.688,45 Euro wegen Uneinbringlichkeit. Doch dahinter steckt mehr als eine gescheiterte Vereins-Bilanz.
Schulräume mietfrei – Betriebskosten blieben aus
Seit Mai 2020 überließ die Magistratsabteilung 56 – Wien Schulen – dem Verein „The Social Work Hub“ freie Räumlichkeiten in der Schwarzingergasse 4 im zweiten Bezirk ohne Mietkosten. Die Vereinbarung: Der Verein trägt lediglich 88,55 Prozent der laufenden Betriebskosten – rund 140.000 Euro jährlich.
Bis Mitte 2023 lief das reibungslos. Dann versiegte der Geldstrom. Für 2023 standen 76.618,94 Euro offen. Trotzdem verlängerte die MA 56 den Vertrag im September 2023 bis Ende 2024. Im Juli 2024 eröffnete der Verein das Konkursverfahren, im Dezember 2025 wurde es mangels Masse eingestellt. Die Stadt ging leer aus. Bis dahin hatten sich dann schon die besagten 126.688 Euro angehäuft.
Heißt: Die Stadt stellte dem Verein nicht nur kostenlos Räume bereit – der Steuerzahler darf auch die Betriebskosten der gescheiterten Geschäftsleute begleichen.
Einzelfall oder System? Die Fragen häufen sich
Gemeinderätin Caroline Hungerländer (ÖVP) hat eine schriftliche Anfrage an die zuständigen Stellen eingebracht – 22 Fragen. Wie viele solche Vereinbarungen gibt es in Wien noch? Wer entscheidet darüber – und nach welchen Kriterien werden Vereine ausgewählt? Werden Objekte öffentlich ausgeschrieben, damit alle Interessierten eine faire Chance haben? Wie wird sichergestellt, dass Rückstände bei den Betriebskosten frühzeitig erkannt und eingetrieben werden? Gab es in ähnlichen Fällen ebenfalls Ausfälle? Und: Wer trägt die Verantwortung, wenn ein Verein nicht zahlen kann und die Stadt am Ende leer ausgeht?
Vertrag trotz offener Rechnungen verlängert
Besonders ins Auge sticht ein Detail: Als die MA 56 im September 2023 den Vertrag mit dem Verein verlängerte, standen bereits 76.618,94 Euro an offenen Betriebskosten aus. Trotzdem wurde der Leihvertrag bis Ende 2024 verlängert. Erst als der Verein im Sommer 2024 Konkurs anmeldete, war das Aus besiegelt. Im Dezember 2025 wurde das Verfahren mangels Kostendeckung eingestellt – die Gläubiger gingen leer aus, darunter die Stadt Wien. „Wir haben viele Fragen, denn das ist ein handfester Skandal“, so Hungerländer.
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