Auf den letzten Metern der Fastenzeit packt mich der Übermut: fünf Tage ohne feste Nahrung. Das klingt eigentlich nach einer gesunden Herausforderung, zeigt mir allerdings schonungslos meine Grenzen auf.
„Aber die Erfahrung, die jeder auf dem Weg macht, ist überwältigend“, so heißt es bei einem der unzähligen Anbieter von Fastenkuren. Das mag animierend gemeint sein, könnte aber auch als grobe Drohung verstanden werden.
Aber warum eine Saftkur? Reicht Fleischfasten denn nicht? Auch wenn ich öfter hören musste: „Ach, nur Fleisch.“ Offensichtlich ein wunder Punkt: Ich beschloss, es allen (egal, ob sie es interessiert oder nicht) zu beweisen: Schluss mit fester Nahrung!
Seit wann besitze ich denn einen Hund?
Vorweg: Es ist nicht meine erste Saftkur. Aber ich dürfte die zwei vorigen Anläufe verdrängt haben, denn mich erwischen die Auswirkungen definitiv am falschen Fuß. Am ersten Tag schwanke ich zwischen Heißhunger und dem Gefühl, ein gut gefüllter Wasserballon zu sein. Doch ich überstehe es ohne Schwindel- oder Wutanfälle.
Als ich aber am Dienstagmorgen mit trübem Blick am verwaisten Frühstückstisch sitze, vernehme ich plötzlich lautes Knurren. In meinem Delirium wirble ich herum in der Erwartung, einen Riesenhund in der Wohnung zu erblicken. Erst nach einigen peinlichen Sekunden die Realisation: Es kommt von meinem Bauch. Die Erinnerung an den restlichen Tag ist verschwommen
An Tag Drei erinnere ich mich nur schemenhaft – am Abend beschließe ich, einen Tag Pause zu machen. Der Thunfischsalat am Donnerstag ist lebensrettend und ich gestehe mir ein, dass ich mich wohl übernommen habe.
Also neue Taktik: Bewaffnet mit literweise Gemüsesuppe stelle ich zwei weiteren Tagen Entbehrung – trotzdem zittert die Hand, als ich am Samstag nach dem Spätdienst die Wohnungstür öffne. Drinnen begrüßt mich lautes Knurren – wirklich „überwältigend“ …
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