Equal Care Day: Pflegearbeit zu Hause ist oft „unsichtbar“, die Angehörigen auf sich allein gestellt. Und: Es sind vor allem Frauen, die die Arbeit leisten. Im Burgenland erhalten pflegende Angehörige Unterstützung.
Das Wohnzimmer ist liebevoll eingerichtet, neben dem Nussknacker steht eine Kaffeemühle, an der Wand hängt ein Blechschild. Für Wolfgang Erkinger aus Stegersbach ist das seine „Arbeitsstelle“. Er ist einer der vielen pflegenden Angehörigen im Burgenland, die das Anstellungsmodell des Landes in Anspruch nehmen. Erkinger kümmert sich um seine Mutter, die bereits ein wenig Unterstützung braucht. Es werden Brettspiele gespielt, Zeitschriften gelesen, auch die Katze gesellt sich gerne dazu.
Sicherheit und Verantwortung
„Ich kümmere mich gerne um meine Mutter. Aber es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich abgesichert bin und Unterstützung bekomme. Man trägt viel Verantwortung – und da hilft es enorm, nicht allein zu sein. Das Modell bringt viele Vorteile“, sagt Erkinger. Verantwortung für Angehörige zu übernehmen, ist für ihn eine Frage der Haltung.
Umfassendes Paket
Seit 2019 konnten 761 Personen im Anstellungsmodell beschäftigt werden. Es umfasst nicht nur einen Mindestlohn von aktuell 2420 Euro netto bei Vollzeit, sondern auch eine Pensions- und Krankenversicherung, eine Ersatzkraft bei Krankheit, einen Anspruch auf Erholungsurlaub, eine fachliche Unterstützung sowie eine unentgeltliche Grundausbildung – und damit letztlich auch die Basis für eine mögliche Karriere in der Pflege.
Daheim alt werden
Mit dem einzigartigen Angebot unterstützt das Burgenland Betreute und Betreuende gleichermaßen: Ältere Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, können weiterhin in den eigenen vier Wänden bleiben. Und Angehörige, die sich um sie kümmern, haben eine finanzielle sowie sozialrechtliche Absicherung.
Pflege daheim ist meist die Aufgabe der Frauen
Als Mann ist Erkinger hier aber eher die Ausnahme. Denn 81 Prozent der betreuenden Angehörigen sind Frauen. „Ihnen wird durch die Anstellung nicht nur Respekt entgegengebracht, sondern auch die finanzielle und sozialrechtliche Absicherung“, sagt Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, der das Anstellungsmodell 2019 ins Leben gerufen hat. Pflege dürfe keine Armutsfalle sein, betont der Landeschef.
Das Anstellungsmodell gilt für zu pflegende Kinder und Erwachsene mit Pflegestufe 3 bis 7. „Das bedeutet für hunderte Familien finanzielle Sicherheit und professionelle Begleitung“, erklärt Soziallandesrat Leonhard Schneemann.
Ausbildung wird forciert
Zusätzlich setzt das Land auf eine Ausbildungsoffensive im Bereich der Pflege: Auszubildende in der Pflegeassistenz, Pflegefachassistenz und zur diplomierten Pflegekraft werden bereits während der Ausbildung angestellt – mit rund 1000 Euro netto monatlich. Mit dem wohnortnahen Konzept der Pflegeregionen wird zudem landesweit ein einzigartiges Netzwerk aufgebaut. „Weil Pflegearbeit keine private Nebensache ist, sondern eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe“, so Doskozil.
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.