Burgtheater Kasino

Krieg gegen den Krieg – mit den Waffen der Frauen

Kultur
27.02.2026 14:17

Das Burgtheater widmet sich im Kasino dem Aristophanes-Klassiker „Lysistrata“. Als überzeichnet pathetische Persiflage verschenkt die prominent besetzte wie kurzweilige Produktion jedoch die aktuelle Brisanz des Stoffes um die Verwebungen von Krieg, Gewalt und Sexualität.

Die Frauen von Athen und Sparta haben genug vom Krieg. Sie erklären ihm den Krieg – mit den Waffen der Frauen. Ihre Anführerin Lysistrata ruft die Frauen beider Lager zur sexuellen Verweigerung auf: „Enthalten also müssen wir des Schwanzes uns!“, ruft sie ihre Geschlechtsgenossinnen auf. Mit der Enthaltsamkeit wollen sie die Männer dazu zwingen, endlich Frieden zu schließen. Bald zeigt sich: gar keine so einfache Aufgabe für beide Seiten, diese vorübergehende Keuschheit.

Die Komödie von Aristophanes wurde 441 vor Christus erstmals aufgeführt und hat nicht an Aktualität verloren. Begehrt und Krieg geführt wird nach wie vor. Das Stück spielt – anzüglich fein gewürzt in der Übersetzung von Erich Fried – mit der Macht des Begehrens und dem Kampf der Geschlechter, bei dem die Frauen die Männer letztlich in die Knie zwingen, bis sie „steif und fest für den Frieden sind“ – wenn auch nur vorübergehend.

Pointiert überzeichnete Männlichkeitsgesten zeigen Michael Wächter und Lola Klamroth
Pointiert überzeichnete Männlichkeitsgesten zeigen Michael Wächter und Lola Klamroth(Bild: Tommy Hetzel)

Die jüngste Inszenierung des Stückes im Burg-Kasino setzt vor allem auf die Macht der klischeehaften Anzüglichkeiten des Textes – und die sind im Überfluss vorhandenen. Die Bühne bildet eine (viel zu nahe und viel zu strahlend weiße) Wand in Form einer Burgschablone. Der Bühnenraum dahinter bleibt weitgehend ungenutzt, dafür wird mit und auf der Zuschauertribüne gespielt. Nach der Erkrankung der Regisseurin ist der Abend in einem kollektiven Arbeitsprozess entstanden – inszeniert haben der Chefdramaturg Thomas Jonigk und das Ensemble. Das Ergebnis sind Figuren, die in überzeichneter Komödiantik verloren gehen.

Überreizt und dumpf
Mavie Hörbiger ist als Lysistrata eine pathetisch akklamierende Kunstfigur, die den Text unterkühlt überartikuliert. Ines Marie Westernströer experimentiert gekonnt mit den Schattierungen von Laszivität. Roland Koch ist ein polternder Ratsherr, der sich herrlich in überreizter Nervosität zerfranst. In überzogenen Gesten von dumpfer Männlichkeit ergehen sich Michael Wächter und Lola Klamroth, die in zwei Hosenrollen pointiert (mit Banane in der Unterhose) unbeholfen jugendliches Begehren zur Schau stellt. Umgekehrt darf Seán McDonagh als sich zierende Ehefrau kokettieren.

Das Ergebnis dieser sich selbst überlassenen Figuren ist ein kurzweiliger und unterhaltsamer Abend, der jedoch die Tiefenschichten des Stoffes verschenkt und jede Aktualität des Stückes verblödelt. 

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt