Mit akademischem Titel und anarchischem Humor seziert Kabarettist Paulus Bohl alias „Dr. Bohl“ Politik, Gesellschaft und Alltagswahnsinn. Mit der „Krone“ hat der 29-jährige Wiener über seine jüngste Eroberung, seine Erlebnisse am Wiener Opernball und seinen größten Mentor gesprochen.
„Krone“: Dr. Bohl, du hast während der Corona-Pandemie mit deinem Bruder Benjamin Bohl begonnen, kurze satirische Videos auf Plattformen wie TikTok und Instagram zu veröffentlichen. Die Clips mit Wiener Schmäh zeigten gefälschte Interviews und überzeichnete Figuren im Alltag. Seitdem immer mit dabei: der gelbe Pfannenwender als Mikro-Requisite.
Dr. Bohl: Das stimmt, damals, als das gesamte Land zu Hause gesessen ist, hatten auch wir deutlich mehr Zeit als sonst. Statt Brot backen war bei uns Videoskreieren angesagt. Die ersten Clips haben wir schon mehr als zwei Jahre zu veröffentlicht, damals noch auf Facebook. Die waren im Querformat, deutlich länger als heute und sind gut angekommen. Aus diesem Sortiment haben wir dannkurze Ausschnitte auf TikTok und Instagram hochgeladen. Die „Reel“ Funktion gab es da noch lange nicht. Aufgrund der Lockdowns hat Social Media einen unfassbaren Aufschwung erlebt, den wir von Anfang an miterleben durften.
Aus eurer Online-Bekanntheit habt ihr beide die Live-Programme „Dr. Bohl“ und „Anabohlika“ entwickelt. Seit kurzem stehst du auch allein auf der Bühne – mit deinem ersten eigenen Kabarettprogramm „Solo“, mit dem du am heuteabend im Burgenland Premiere feierst. Welchen Bezug hast du zum Burgenland?
Einen sehr positiven. Ich habe einige Freunde aus dem Burgenland, bei denen ich besonders in jungen Jahren viel Zeit verbracht habe. Heute entfliehe ich der Großstadt sehr gerne an Wochenenden ins Burgenland, um zu entspannen.
Im Programm dreht sich alles um Dating-Erfahrungen. Wie würdest du älteren Semestern, die sich noch auf Kirtagen, beim Frühschoppen auf Erntedank- oder Feuerwehrfesten oder beim Tanzkurs kennengelernt haben und mit Tinder, Bumble, LOVOO oder Hinge nix am Hut haben, auf humorvolle Weise das moderne Kennenlern- und Flirtverhalten der jungen Generation erklären?
Also ein Kennenlernen bei einem ehrlichen Frühschoppen schlägt bestimmt mal nichts! Der Vorteil beim Online Dating ist das Vorsortieren: Dort landen nur Menschen, die aktiv nach anderen suchen. Diesen Schritt in der Öffentlichkeit – der sicher für viele eine Herausforderung ist – erspart man sich schon mal. Zusätzlich kann man z.B. durch das Profil schon ein wenig über die Personen herausfinden und ein Gefühl entwickeln, ob ein nächster Schritt überhaupt sinnvoll wäre. Ein süßes Kennenlernen in der Realität würde aber im Endeffekt bestimmt jeder bevorzugen.
Wie lange hast du selbst auf solchen Plattformen dein Glück versucht? Wann und warum hast du damit aufgehört? Und welche Annäherungsversuche und Begegnungen haben sich eingebrannt?
All diese, teilweise höchst skurrilen, Erfahrungen habe ich in meinem Programm „SOLO“ versucht zu verarbeiten – kommen Sie heute Abend vorbei, dann erzähl ich‘s Ihnen! (zwinkert)
Wenn man früher Dates hatte, hat man sich gerochen. Man hat gesehen, wie wer tanzt und oft schon daran gemerkt, ob er einem sympathisch ist oder nicht. Heute sitzt man daheim in Jogginghose, wischt nach rechts oder links und entscheidet in Sekunden, ob die Frau mit dem heißen Profilfoto vielleicht die Mutter der zukünftigen Kinder wird. Was fehlt den jungen Leuten von heute, was die Generation unserer Eltern und Großeltern noch beherrschte?
Das ist eine Frage für den Geschichts-Soziologen! Jemanden nicht riechen und erst spät tanzen sehen zu müssen, kann aber jedenfalls definitiv auch vorteilhaft sein …
Inzwischen bist du mit deiner Freundin Léa liiert. Wo hast du sie eigentlich kennengelernt?
Das war schönerweise sehr oldschool bei dem Geburtstag eines gemeinsamen Freundes.
Vor wenigen Tagen habt ihr gemeinsam den diesjährigen Wiener Opernball gemeinsam eröffnet. Was hast du beim Staatsgewalze so alles erlebt und beobachtet, das Stoff für dein nächstes Programm bieten würde?
Der Opernball war wirklich ein einmaliges Erlebnis! Dort zu stehen und die Augen der Nation zu spüren, war schon sehr aufregend … Stoff gibt es jedenfalls genügend. Da gehört eigentlich gleich ein Drehbuch her!
Ist Tanzen – seitdem du im Vorjahr bei Dancing Stars mitgemacht und mit Profitänzerin Catharina Malek sogar den zweiten Platz erreicht hast – immer noch deine Leidenschaft?
Das ist es tatsächlich. Die Cathi und ich treffen uns immer noch regelmäßig, probieren neue Sachen und schauen, ob wir die Dancing Stars-Choreografien noch hinbekommen. Da ist es wirklich beeindruckend zu sehen, wie sehr sich durch dieses unzählige Wiederholen, die Schritte eingebrannt haben.
Was viele nicht wissen: Du bist Jurist. Hast du Rechtswissenschaften studiert, um Argumente wasserdicht zu machen – oder nur, um später deine Witze gerichtsfest formulieren zu können?
Auch wenn ich natürlich keinen klassischen, juristischen Beruf ausübe, bin ich doch recht froh über diese Ausbildung. Gerade bei der Unternehmensgründung und jeglicher Vertragsgestaltung hilft das sehr.
Dein Vater ist der Kabarettist, Schauspieler und Radiomoderator Herbert Knötzl. Er wurde mit dem „Projekt X“ auf FM4 bekannt. Inwiefern hat er deinen Berufswunsch mitgeprägt? Und rennt bei euch daheim immer der Schmäh?
Der Hauptprojektleiter hat uns definitiv am Küchentisch unabsichtlich sehr gut ausgebildet. Da war und ist es tatsächlich immer höchst amüsant. Heute ist er Supporter Number One und ich habe das große Privileg, dass ich mich mit ihm diesbezüglich jederzeit austauschen und seinen Rat einholen kann.
Wo siehst du dich beruflich in zehn Jahren? Und wo privat? Stehen vielleicht schon bald Hochzeit und Familienplanung an?
Du stellst Fragen … Ich bin schon froh, wenn ich den Überblick bis Ende der Woche behalte!
Welche Pläne hast du 2026, welche Projekte stehen noch an?
Knapp 60 SOLO-Auftritte werden mich da schon mal auf Trab halten. Dazu gilt es natürlich, täglich spannenden Content für Social Media zu produzieren. Zusätzlich wird es vor dem Sommer noch die ein oder andere Überraschung geben. Man darf also gespannt sein!
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.