„Ziele unerreichbar“

Globales Wettrüsten heizt die Klimakrise an

Wissen
23.02.2026 10:30

Die Treibhausgasemissionen der weltweiten Armeen sind maßgeblich für den Klimawandel mitverantwortlich, kommen in den offiziellen Statistiken aber gar nicht vor. Jetzt warnt die globalisierungskritische NGO Attac: Wird weiter im Rekordtempo aufgerüstet, sind die Klimaziele unerreichbar.

Nach Berechnungen von Attac betrugen die Emissionen des Militärs weltweit im Jahr 2025 rund 4,3 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent. Das entspricht etwa acht Prozent der globalen Emissionen. Militärische Treibhausgasemissionen werden aber gar nicht eigens in der internationalen Klimabilanz ausgewiesen. Das Militär sei somit ein zentraler Treiber der Erderhitzung, der bisher kaum beleuchtet werde, so Attac. Es verursache durch laufenden Betrieb, Infrastruktur, Rüstungsproduktion und Lieferketten erhebliche Treibhausgasemissionen.

Um die Erderhitzung auf 1,5 bis maximal zwei Grad zu begrenzen, müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen laut Pariser Abkommen bis 2030 halbiert werden. Wenn aber die weltweiten Militärausgaben weiter so rasant steigen wie in den letzten Jahren, seien „die Klimaziele de facto unerreichbar“, warnt die NGO.

Weltweites Wettrüsten
Angesichts der veränderten Sicherheitslage wurde in den vergangenen Jahren massiv aufgerüstet: vor allem von den USA, China, Russland und den EU-Ländern. 2024 stiegen die weltweiten Militärausgaben laut Attac auf den Rekordwert von 2,7 Billionen US-Dollar – zehn Prozent mehr als im Jahr davor. Mehr als die Hälfte davon entfiel demnach auf die NATO-Staaten (55 Prozent). Steigen die globalen Militärausgaben weiterhin jährlich in der gleichen Größenordnung, erreichen sie demnach im Jahr 2030 die Summe von 4,8 Billionen US-Dollar. Angesichts der weltweiten Aufrüstungspläne sei das ein „realistisches Szenario“, so die NGO.

Militärische Feuerkraft heizt auch das Klima an.
Militärische Feuerkraft heizt auch das Klima an.(Bild: AFP/Daniel MIHAILESCU)

Das Forschungsinstitut SIPRI schlüsselt die Rüstungsausgaben auf:

Etwa 25 Prozent der maximal erlaubten Gesamtemissionen würden 2030 dann die weltweiten Armeen beanspruchen. Selbst ernsthafte Emissionsminderungen in Industrie, Verkehr oder Energie würden dann durch den militärischen Sektor zunichtegemacht werden.

Erderhitzung birgt Keim für neue Konflikte
„Das Wettrüsten untergräbt jede Chance, die Klimakrise abzufedern“, erklärt Max Hollweg von Attac Österreich. Es bedeute „nicht nur mehr Emissionen, sondern auch weniger Spielraum für Klima-, Sozial- und Friedenspolitik“. Die Klimakrise gefährde die Existenz von Milliarden Menschen und erhöhe geopolitische Risiken, so Hollweg.

Attac kritisiert, dass militärische Emissionen bisher völlig unzureichend erfasst und kaum reguliert werden – auch hierzulande. Österreich erfasse militärische Emissionen zwar teilweise, doch die Bilanz sei lückenhaft: Berücksichtigt würden nur Energie- und Treibstoffverbrauch, die genaue Bilanz werde jedoch nur vage aufgeschlüsselt. Vorgelagerte Emissionen aus Beschaffung und Produktion fehlten weitgehend.

Für 2020 und 2021 meldete das Bundesheer jeweils rund 120.000 Tonnen CO2-Äquivalente. Mit der geplanten Verdoppelung bis Verdreifachung der Militärausgaben bis 2032 sei absehbar, dass die Militäremissionen stark steigen und tatsächliche Emissionsreduktionen in anderen Sektoren wieder aufgezehrt werden.

„Klimateller“ chancenlos gegen Eurofighter
Die Ansätze des österreichischen Bundesheeres zur Dekarbonisierung würden diesen Widerspruch deutlich zeigen, erklärt Attac. Mit dem sogenannten „Klimateller“ gibt es seit 2021 regionales Essen in den Kasernen. Die Heizsysteme wurden teilweise auf Wärmepumpen umgestellt und eine Flotte von E-Autos angeschafft. „Diese Emissionseinsparungen stehen aber in keinem Verhältnis zu jenen Emissionen, die 36 neue Kampfjets verursachen, die Teil der Aufbauplans 2032+ sind“, betont die NGO. So stoße ein Eurofighter allein in einer einzigen Flugstunde rund elf Tonnen CO2 aus. „Das ist weit mehr als eine durchschnittliche Person in Österreich im ganzen Jahr verursacht“, so Attac.

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