Ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes kniete nach einer Meinungsverschiedenheit auf einem Kirtag im Burgenland 15 Minuten lang auf dem Rücken des Opfers – sechs Rippen gebrochen! „Ich wäre fast erstickt. Ein Sanitäter hat mir das Leben gerettet.“ Beim Prozess in Eisenstadt gab es allerdings einen Freispruch.
Der Nordburgenländer (21), der derzeit den Zivildienst beim Roten Kreuz versieht, nimmt entspannt auf der Anklagebank am Landesgericht Eisenstadt Platz. „Es handelt sich hier um eine klassische Verwechslung“, sagt seine Verteidigerin Ina-Christin Stiglitz. „Mein Mandant hat bei dem Vorfall in seiner Funktion als Sicherheitsdienstmitarbeiter nichts Gesetzwidriges gemacht.“
„Lokalverbot“ nach Kieferbruch
Das Opfer erzählt im Zeugenstand, was ihm am 22. Juni 2025 beim Kirtag in St. Margarethen widerfahren sei. Wie kam es zum sechsfachen Rippenbruch? Er habe in der Halle an der Schank einen Mann kennengelernt, der, nachdem man „nett geplaudert“ hatte, im Freien rauchen wollte. Die Security eilte herbei und geleitete den neuen Bekannten zum Ausgang – er war am Kirtag mit einem „Lokalverbot“ belegt, weil er Jahre zuvor einem Gast einen Kieferbruch zugefügt hatte.
„Ich ging hinterher, weil ich schauen wollte, was passiert“, sagt der 47-Jährige. „Er lag draußen am Boden und wurde von zwei Securitys fixiert. Also habe ich nachgefragt.“
„Ich wurde ohnmächtig und dachte ans Sterben“
Sein Pech: Er passierte verbotenerweise mit einem Bierkrug in der Hand die Rückgabestation. Ein Security-Mann wies ihn an, zurückzugehen. Nein! Es kam zu einem stetig lauter werdenden Wortwechsel und einer Rangelei. Mit 1,58 Promille neigt man eben eher zum Aufgebrachtsein als in nüchternem Zustand.
Das Glas ging zu Bruch. Der Sicherheitsmann rief nach Verstärkung, der Angeklagte erschien. Die beiden führten den Unternehmer im beidseitigen Polizeigriff Richtung Ausgang. Er wehrte sich und landete schließlich auf dem Bauch in der Wiese. Einer sicherte die nach oben abgewinkelten überkreuzten Beine, der andere kniete am Rücken – 15 Minuten lang, bis die Polizei eintraf. „Ich habe keine Luft bekommen und wurde mehrmals ohnmächtig. Ich dachte ans Sterben“, so das Opfer. „Wäre nicht auch ein Sanitäter gekommen, wäre ich erstickt. Er hat mir das Leben gerettet.“
„Ich merke mir schlecht Gesichter“
Auffällig oft sagt der Mann „ich glaube“ und „ich kann mich nicht erinnern“. Und: „Ich merke mir schlecht Gesichter.“ Womit wir bei der Version des Angeklagten wären. Ja, so ähnlich habe es sich zugetragen. Bloß: „Er hat keine Ruhe gegeben und sich gewunden. Ich habe auf ihn eingeredet, er solle bitte aufhören, sich zu wehren, dann können wir ihn loslassen. Fehlanzeige!“
Handy-Video entlastet Angeklagten eindeutig
Von Verletzungen – Brüche der dritten bis achten Rippe, Prellungen, Abschürfungen – sei vor Ort keine Rede gewesen. „Er stand ganz normal auf und ging mit den Polizisten weg.“ Nun will die Richterin wissen, ob der Angeklagte tatsächlich eine Viertelstunde lang auf dem Rücken des 47-Jährigen gekniet sei. „Nein. Ich habe nur die Beine fixiert. Das war ein Kollege von einer Leihfirma in Wien, den ich nicht kenne.“ Dies belegt ein Handy-Video vom Vorfall, das in Saal eingespielt wird.
Der Zivildiener wird freigesprochen. Die Suche nach dem Leiharbeiter hat begonnen.
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