„Ich hab' historisches Interesse“, erklärt Hans Jörg Schimanek jun., warum er in seiner Wohnung in Wien-Floridsdorf zahlreiche Nazi-Devotionalien an den Wänden hängen hatte. Der ältere Sohn des im Dezember verstorbenen Politikers Hans Jörg Schimanek muss sich im Landl einem Prozess wegen Wiederbetätigung stellen – da ist er in der Familie auch nicht der Einzige.
Mit starrer Miene steht der 62-Jährige vor den Geschworenen im Wiener Landl. Seine Haltung wirkt fast militant. Dem erstgeborenen Sohn des verstorbenen FPÖ-Politikers Hans Jörg Schimanek werden Verstöße gegen das Verbotsgesetz vorgeworfen. Es geht um gerahmte Bilder von SS-Soldaten mit Reichsadlern und Hakenkreuzen, eine einschlägige Todesanzeige mit Todesrune und sogar Geburtstagswünsche an den Angeklagten mit der Aufschrift „Der Führer“.
Ehemalige Leitfigur in Neonazi-Szene
Das alles zierte die Wände des Wohn-, Schlaf- und Vorzimmers der Wohnung in Wien-Floridsdorf von Hans Jörg Schimanek junior. Und bekommt einen besonders fahlen Beigeschmack, weil der gebürtige Niederösterreicher in der Neonazi-Szene alles andere als ein Unbekannter ist. In den 1990er wurde er bereits zu einer Haftstrafe verurteilt. Neben Gottfried Küssel war er eine der Leitfiguren der neonazistischen Szene zu jener Zeit.
Auch Söhne stehen aktuell vor Gericht
Dem Nationalsozialismus dürfte sich Schimanek junior aber nicht abgewendet haben, sie scheinbar vielmehr weitergegeben haben. Gefunden wurden die Devotionalien nämlich bei einer Hausdurchsuchung im Zuge des Verfahrens rund um die rechtsextreme terroristische Vereinigung der Sächsischen Separatisten. Schlüsselfiguren der Neonazi-Gruppierung laut deutscher Anklagebehörde: Zwei Söhne des jetzt angeklagten 62-Jährigen. Seit 23. Jänner stehen sie in Dresden vor Gericht.
„Entschuldigung, was hat das mit meinem Fall zu tun“, unterbricht Schimanek junior den Staatsanwalt, als dieser auf seine rechtsextremen Söhne zu sprechen kam. Und prompt kommt die Antwort des Anklägers: „Die Spur der Ermittlungen zu den Sächsischen Separatisten hat nach Österreich geführt. Es wurden Hausdurchsuchungen in den Wohnungen des Angeklagten und seines Bruders durchgeführt. Dort wurden dann diese zahlreichen Devotionalien gefunden.“
Auch zweiter Schimanek-Sohn erwartet Prozess
René Schimanek, der ehemalige Büroleiter von Walter Rosenkranz, muss am 11. März im Landesgericht Krems (NÖ) vor Geschworene treten. Im Mittelpunkt der Anklage steht eine Todesanzeige, die er verfasst und in Auftrag gegeben haben soll – und zwar die seines Vaters Hans Jörg Schimanek. Darauf soll sich ein SS-Symbol befinden.
Ich hab' historisches Interesse. Jetzt kann man sagen, das ist die immerwährende braune Seele, aber das ist so nicht.
Hans Jörg Schimanek junior
Sein älterer Bruder versucht indes im Wiener Landl eine Erklärung für die einschlägigen Bilder zu finden: „Ich hab' historisches Interesse. Jetzt kann man sagen, das ist die immerwährende braune Seele, aber das ist so nicht. Ich bin seit 30 Jahren gar nicht mehr politisch aktiv.“ Die Devotionalien hätte er großteils geschenkt bekommen, manche seien schon alt – wie die Geburtstagsgrüße gezeichnet von Adolf Hitler. „Das ist von meiner früheren politischen Tätigkeit“, meint Schimanek junior. „Politische Tätigkeit? Wollen wir das wirklich so nennen?“, entgegnet der Vorsitzende Richter mit Blick auf die Neonazi-Vergangenheit des Angeklagten.
Die Geschworenen finden schnell ein Urteil: In vier von fünf Fällen nicht rechtskräftig schuldig – 18 Monate bedingte Haft. Auf die Frage, ob die sichergestellten Bilder, Fotos und Dokumente vernichtet werden dürfen, meint der 62-Jährige: „Wäre natürlich nett, wenn ich das wiederbekommen würde.“ Das ist wohl nicht sehr wahrscheinlich.
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