Die in Niederösterreich geborenen Mezzosopranistin besingt aufwühlende Seelenzustände. Demnächst im Wiener Musikverein – und längst auch in der großen Opern- und Konzertwelt.
„Man kann so etwas also wirklich beruflich machen!“ Diese Erkenntnis verblüffte die junge Patricia Nolz. Damals, als die Volksschülerin jede Woche begeistert mit ihrer Freundin das Wettsingen „Starmania“ schaute, bei dem ihr späterer Chef und Staatsoperndirektor Bogdan Roščić in der Jury saß:
„Das war unser Ritual. Am nächsten Tag führten wir unseren Eltern unsere eigene Show vor. Mit Choreografie und Bürsten als Mikrofonen.“ Von der Welt der Oper wusste die 1995 geborene Sängerin damals nichts, „aber ich wollte singen, seit ich denken kann“.
Mittlerweile ist Patricia Nolz zu einer festen Größe im Klassikbetrieb geworden – dank ihres noblen Mezzos, ihrer ausgereiften Technik, ihrer Spielfreude und ihrer erfrischenden Art. Nach Jahren im Opernstudio und im Ensemble der Staatsoper ist sie heute als international gefragte Solistin unterwegs. Nach Wien kehrt sie regelmäßig zurück – im Jänner etwa begeisterte sie als Cherubino in Mozarts „Figaro“. Für diesen Frühling hat sie zwei Konzertprogramme für den Musikverein konzipiert.
Spielerische Sinnlichkeit, schmerzvolles Herzeleid
Was die Konzerte verbindet, ist die Liebe. Am 15. Februar singt sie mit dem Ensemble Wien, bestehend aus Mitgliedern der Philharmoniker, zuerst ausgewählte Arien. Danach dreht sich alles um die aus Wiener Neustadt stammende Komponistin Camilla Frydan. Nolz war bei den Chansons aus den 1920ern „sofort Feuer und Flamme“, hat sie mit Stücken von Oscar Straus kombiniert, die auch augenzwinkernd mit Geschlechterklischees spielen. Nach diesem „spielerischen Umgang mit der Liebe“, ist das zweite Programm „deutlich schmerzvoller – beide sind sie jedoch absolut sinnlich“.
Zentralgestirn dieses Abends ist Alma Mahler: „Sie fasziniert mich seit meiner Jugend. Mit 15 habe ich ihre Autobiografie gelesen – da habe ich auch zum ersten Mal mehr über Gustav Mahler oder Alexander Zemlinsky erfahren. Damals war ich noch nicht so tief in der klassischen Musik drinnen. Aber diese literarisch-historische Perspektive hat mein Interesse geweckt.“
Im Mai singt Nolz also u. a. Lieder des Ehepaares Mahler und von Zemlinsky: „Seine Klangsprache ist unwiderstehlich, der Farbenreichtum unglaublich! Die Gedichte und seine Kompositionen stimmen für mich total zusammen. Die Texte klingen so, wie ich sie mir in Musik vorstelle.“
Wie ein Bonsaibaum an allen Enden beschnitten
Dass sie heute vom Musizieren leben kann, bezeichnet Nolz als großes Glück. Doch ihr Weg in diese Welt war nicht immer ein einfach, vor allem in Studientagen: „Man bekommt wahnsinnig viel gesagt, wie man so zu sein habe, wenn man es zu etwas bringen möchte. Ich hab mich gefühlt wie ein Bonsai, der an allen Ecken beschnitten wird. In diese Richtung darfst du wachsen, in diese aber nicht! Da war es anfangs schwierig, meine eigene Vision zu entwickeln, aber auch einfach mich selbst kennenzulernen.“
Diese Hürden hat Nolz hinter sich gebracht, sie schmiedet Pläne für neue Projekte, freut sich auf einen „Rosenkavalier“ Ende März in Berlin mit Christian Thielemann. Doch wie kam Nolz von „Starmania“ eigentlich zur Oper? Dafür ist Maria Callas verantwortlich – genauer gesagt: eine Aufnahme der Butterfly-Arie „Un bel dì, vedremo“ im Musikunterricht: „Das war wie ein Erdbeben in mir! Der Klang dieser Stimme, die Emotionen! Ich habe kein Wort verstanden, kannte Puccinis Musik nicht. Ich konnte nicht aufhören zu weinen, obwohl ich keine Ahnung hatte, worum es geht.“
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