„Krone“-Interview

Lukas Oscar: Viel Intuition für ganze Generation

Musik
07.02.2026 09:00

Mit seinem zweiten Album „Everything‘s Built To Last“ hat sich der aus Wahlwiener Lukas Oscar von allen Zwängen freigestrampelt. Sein LoFi-Sound ist ebenso grenzenlos wie sein Songwriting. Ein Gespräch über die Kraft der Intuition, weshalb Nachbearbeitung den Ursprung verfälscht und was Beyoncé und Adele gemeinsam haben.

kmm

Musik spielt’s auch am Bauernhof – zumindest war das Anfang der 2000er-Jahre im steirischen Fürstenfeld der Fall. Der Papa in der örtlichen Blasmusikkapelle, die Mama vor jedem auffindbaren Karaoke-Mikrofon. Da war klar, dass der kleine Lukas Oscar früh mit dem musikalischen Virus infiziert werden würde. Als Baby schreit er ins Mikro, lernt schnell Klavierspielen und bekommt dann klassischen Gesangs- und Chorunterricht. „Meine Eltern haben mir sehr früh freien Lauf gelassen, was meine Leidenschaften angeht“, erinnert sich Oscar im „Krone“-Interview zurück, „sie standen auch richtig hinter mir und haben mich zu jeder Zeit unterstützt. Das war kein ,mach mal und dann schauen wir schon‘-Ding. Die Passion für alles, was die Musik betrifft, ist sofort auf mich übergeschwappt und hat mich nie wieder losgelassen.“

Ein Ventil zum Austoben
Mittlerweile wohnt Lukas Oscar zum Studieren und Musizieren im 9. Wiener Gemeindebezirk und hat nach vielen Jahren des Suchens seinen Stil gefunden. Weniger musikalisch, vielmehr im Sinne der Art des Schreibens. Während sein Indie- und LoFi-Pop klanglich nur schwer zu schubladisieren ist, rückt er textlich auch gerne in unangenehmere, weil private und persönliche Bereiche vor. „Ich bin besonders gut beim intuitiven Schreiben, der poetische Aspekt ist für mich eher sekundär. Ich bin generell ein Mensch, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt und alles, was unbearbeitet und instinktiv aus mir rauskommt, kann ich in Lieder verwandeln. Mir fällt es sehr schwer, direkt zu sagen, was ich denke, aber mit der Musik habe ich ein Ventil gefunden, in dem ich mich austoben kann. Ich habe beim Schreiben einen radikalen Schnitt gemacht, bin ,back to the roots‘ gegangen – so wie damals, mit zehn oder elf Jahren.“

Bei Lukas Oscar ist alles eine Frage der richtigen Perspektive.
Bei Lukas Oscar ist alles eine Frage der richtigen Perspektive.(Bild: Eva Manhart)

Dass Lukas Oscar jetzt so schreibt, wie er schreibt und dass sein Sound so klingt, wie er klingt, hat er strenggenommen der Corona-Pandemie zu verdanken. Eine Zeit lang war er nämlich in der Song-Contest-Blase unterwegs, 2020 wirkte er bei „Tears Getting Sober“ der bulgarischen Singer/Songwriterin Victoria mit und wäre mit ihr auch unterwegs zum Bewerb nach Rotterdam gewesen – doch die Pandemie killte den Song Contest für einen Jahr und führt mehr oder wenige unfreiwillig dazu, dass der einstige „The Voice Kids“-Sieger (2016) sich und seiner Musik einer Generalinventur unterzog. „Damals pendelte ich noch von der Schule in der Steiermark jedes Wochenende nach Wien zum ESC-Songwriting. Das Schreiben ist ganz anders. Auf drei Minuten, on point für den perfekten Kameramoment. Im Vergleich zu meinen eigenen Songs ist das wie Tag und Nacht.“

Unverfälscht und klar
Sein aktuelles und zweites Album nennt sich „Everything’s Built To Last“ und ist eine Blaupause für das unverfälschte Intuitive. Zuvor gab es im letzten Jahr noch die EP „From Under My Bed“, dessen Grundlage daraus bestand, dass er und seine WG-Kollegen jeden Tag einen Song schreiben. „Dass war genau die Challenge, dass man die Intuition fördert und sich auf sich selbst verlässt. Man kann locker fünf Jahre an einem Song schrauben, bis man happy ist, aber dich dazu zu zwingen, dich hinzusetzen, das niederzuschreiben und in den Flow zu kommen, ist wesentlich schwieriger.“ Am wichtigsten ist dabei das Vertrauen zu sich selbst. „Alles, was aus diesem Prozess rauskommt, ist sehr unverfälscht und klar – und das kann unheimlich unangenehm sein. Mittlerweile bin ich aber an dem Punkt angelangt, wo dieses Unwohlsein ein Zeichen dafür ist, bewusst mit dem Song rauszugehen. Ein Lied darf das.“

Das Gefühl kann Oscar auch konkret benennen. „Etwa an der ersten Single des Albums, ,Cereals‘. Ich wachte auf mit einem sehr schweren Gefühl, das ich nicht beschreiben konnte. Das mich sehr verwirrte. Ich ging dann durch alte Demotapes und fand einen Song mit Gitarrenspuren. Ich habe dann begonnen, auf einen A3-Zettel zu kritzeln und habe den Stift bis zum Ende nicht mehr abgesetzt. Meine Freundin macht sich mittlerweile schon über mich lustig, wenn ich am Handy Spuren aufnehme, weil sie weiß, die werden dann eh unbearbeitet am Album landen“, lacht er, „aber ich will genau diese Unmittelbarkeit. Dieses magische Gefühl, dass du nur dann hast, wenn du das erste Mal an etwas arbeitest.“ Mit „Cereals“, „Onions“ und „Garlic“ hat Oscar gleich drei Songs mit Essenstitel. „Kein Zufall“, wirft er energisch ein, „wenn ich hungrig bin, bin ich unheimlich irrational. Essen ist ein unglaublich großer Self-Care-Aspekt in meinem Leben.“

Lukas Oscar im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein.
Lukas Oscar im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein.(Bild: Eva Manhart)

Es zählen die Gefühle
Ansonsten sieht der Steirer das Album als eine Art Tagebuch samt Anfang, Ende und einem Spannungsbogen dazwischen. „Das Album hieß anfangs ,Nothings Built To Last‘, aber ich habe das dann gedreht, weil es mir zu negativ war. In gewisser Weise ist das Werk für Oscar auch eine Art Ankommen. „Obwohl ich nicht weiß, ob ich überhaupt ankommen will. Meist denkt man da an Dinge wie eine Welttournee, Prestige oder Ruhm, ich mache mein Ankommen im Leben aber lieber von Gefühlen abhängig. Künstler suchen meistens nach dem Zweck und ihrem Platz in der Welt – da schließe ich mich gerne an.“ Bei seinem Liveauftritt im Wiener Konzerthaus setzte er etwa auf einen plüschigen Sportwagen – der visuelle Aspekt ist Oscar genauso wichtig wie der auditive. „Ich habe eine liebe Band und bin sehr happy mit den Songs. Wir haben schon viel gespielt und der Performanceaspekt ist mir unheimlich wichtig.“

Wenn es um die Umsetzung seiner Kunst geht, sind für Oscar nur die Besten gut genug. „Ich bin ein großer Fan von Labrinth. Bei ihm habe ich Sounds gehört, die hätte ich früher nicht für möglich gehalten. Ich bin sehr glücklich darüber, ihn schon als früher Teenager entdeckt zu haben, denn er hat mir gezeigt, dass man selbst Sounds erschaffen kann und nicht reproduzieren muss.“ Von seinem Vater hat er indes die Liebe zu Beyoncé geerbt „Vor allem in puncto Performance meine Heldin. Ihre ,Billboard-Show‘ hat mir gezeigt, wie man mit LED-Wänden interagiert und eine perfekte Choreografie erschafft. Gleichzeitig hat meine Mama viel Amy Winehouse gehört und das Songwriting von Adele ist auch der Wahnsinn.“ Aus all diesen Einflüssen baut sich Lukas Oscar seinen eigenen Sound zusammen, der Intuition mit Mut verknüpft und seiner Generation aus der Seele spricht. „Mein Ziel ist es, für immer Musik zu machen, gerne auch außerhalb der Komfortzone. Ich will einfach genug Platz in dieser Welt haben.“

Live in Österreich
Nach seinem Wien-Konzert ist Lukas Oscar mit „Everything’s Built To Last“ im Frühling auch noch in den Bundesländern unterwegs. Am 21. Mai spielt er in Innsbrucks Bäckerei, am 22. Mai im Salzburger Jazzit, am 23. Mai in der Linzer Stadtwerkstatt und am 27. Mai im Music House in Graz. Shows, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte – es gibt überall noch Karten.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt