Kunsthalle Wien

Kleidung als Ausdruck des politischen Widerstands

Kultur
31.01.2026 08:00

Die Kunsthalle Wien widmet der französisch-iranischen Künstlerin Chalisée Naamani eine Schau mit textilen Skulpturen, die sich auch mit Widerstand und politischem Protest auseinandersetzen. Diese haben durch die Geschehnisse im Iran grausame Aktualität erfahren.

Mode ist nie einfach Kleidung. Und sie ist auch wesentlich mehr als nur individuelles Ausdrucksmittel. Mode spiegelt immer auch gesellschaftliche Verhältnisse und kann zum Ausdruck des Widerstands werden. Kurzum: Mode ist immer auch politisch – ob das ihren Trägern bewusst ist oder nicht. Aus diesem Gedanken heraus schafft die französisch-iranische Künstlerin Chalisée Naamani ihre textilen Skulpturen.

„Bild-Gewänder“ nennt sie ihre Arbeiten, in denen sie durch Überlagerung und Collage von Stoffen, Kleidung, Bildern und Gegenständen skulpturale Werke formt. Zum Tragen sind diese Gewänder nicht bestimmt, vielmehr laden sie dazu ein, über die Reibflächen von Tradition und Widerstand, von filigranem Ornament und kämpferischem Protest nachzudenken.

Chalisée Naamani „Who claims love?“ aus dem Jahr 2025 ist noch bis April in der Kunsthalle Wien ...
Chalisée Naamani „Who claims love?“ aus dem Jahr 2025 ist noch bis April in der Kunsthalle Wien zu sehen.(Bild: Aurelien MOLE)

Die Kunsthalle widmet der 1995 in Paris geborenen Künstlerin ihre erste Einzelschau außerhalb Frankreichs, für die auch einige Arbeiten mit Österreich-Bezug entstanden sind. So hat Naamani sich etwa mit (maschinell gefertigten) Lederhosen und (modisch glitzernden) Dirndln beschäftigt und sie in Skulpturen verarbeitet, die sich mit vorgefertigten kulturellen Identitäten und Geschlechterbildern auseinandersetzen.

Boxhandschuhe mit Spitzenbordüre
Die Auseinandersetzung mit Geschlechterstereotypen zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeiten der Künstlerin. In vielen ihrer Skulpturen tauchen Boxhandschuhe auf, die mit verzierten Spiegeln oder mit Spitzenbordüren besetzt sind. Filigrane persische Muster und traditionelle Symbole der Weiblichkeit zur kämpferischen Faust geballt.

Auch eine metallene Rüstung mit eisernem Herz, karierten Boxhandschuhen und gepolsterter Fahrradhose spricht hier eine klare Sprache: Das Leben ist ein Kampf, für den es sich zu rüsten und sich selbst zu schützen gilt. 

Plötzliche Aktualität
Mehrere Skulpturen greifen die Bildsprache internationaler politischer Widerstände auf. „Cape et gilet jaune“ verweist etwa auf die Kleidung der französischen Protestbewegung der „Gelbwesten“. Die für die Ausstellung produzierte Skulptur „No Kings, Only Queens“ befasst sich mit den Kämpfen für Transrechte in den USA. An einer Wand prangt das Bild einer Mauer mit dem Graffito „Widerstand ist Leben“ (auf Farsi).

„Ich konnte die aktuellen Vorfälle im Iran nicht vorhersehen, als ich diesen Screenshot aus dem Internet anfertigte“, so Naamani über die plötzliche Aktualität ihrer Arbeiten. Am vergrößerten Foto erkennt man, dass der Schriftzug vom Regime zunächst übermalt wurde.

Info: „Chalisée Naamani: Octogone“ in der Kunsthalle im Museumsquartier, Ausstellung in Kollaboration mit Palais de Tokyo, Paris, bis 6. April. 

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