McDonald’s betroffen

Nach Asbest-Alarm jetzt Kinderspielplatz gesperrt

Burgenland
29.01.2026 11:51

Die Wellen nach dem Asbest-Skandal schlagen hoch. Weitere Greenpeace-Funde gibt es bei einem McDonald’s-Spielplatz und einem Asfinag-Rastplatz im Burgenland. Niederösterreich ist ebenfalls betroffen, eine breit angelegte Luftmessung startet.

Nach konkreten Hinweisen aus der burgenländischen Bevölkerung haben die Umweltexperten von Greenpeace weitere Orte von einem unabhängigen Labor auf Asbest testen lassen. Auch dieses Mal enthielten die Proben teils über 50 Prozent des krebserregenden Materials.

Gleich mehrere Funde
Die Funde stammen erschreckender Weise vom Umfeld eines Spielplatzes der Fast-Food-Kette McDonald‘s in Oberpullendorf, dem Asfinag-Rastplatz Mogersdorf auf der S7, dem Businesspark Steinberg-Dörfl sowie einem Parkplatz im ungarischen Bozsok. Die betroffenen Unternehmen und Betreiber wurden über die Testergebnisse im Vorfeld informiert.

Experten von Greenpeace deckten den Asbest-Skandal im Burgenland auf.
Experten von Greenpeace deckten den Asbest-Skandal im Burgenland auf.(Bild: MITJA KOBAL)
Öko-Alarm: Nächster Asbest-Fund auf einem burgenländischen Spielplatz ...
Öko-Alarm: Nächster Asbest-Fund auf einem burgenländischen Spielplatz ...(Bild: Gerhard Schiel)

McDonald‘s und die Asfinag haben umgehend reagiert. Die Fastfood-Kette lässt den Asbestschotter entfernen, die Asfinag hat den betroffenen Rastplatz gesperrt. „Dies ist eine reine Vorsichtsmaßnahme“, wird seitens der Verantwortlichen betont. Es gehe primär um Schotter, der abseits der Straße liegt.

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Asbestbelastete Bereiche müssen nach Vorbild McDonald's und Asfinag sofort gesperrt werden. Dafür braucht es keine wochenlangen Luftmessungen.

Herwig Schuster, Umweltchemiker bei Greenpeace

Greenpeace fordert das Land Burgenland auf, Sofortmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu ergreifen. In erster Linie müssen frei zugängliche Asbestbrocken entfernt und besonders kritische Bereiche wie Spiel- sowie Sportplätze gesperrt und erneuert werden. Die Umweltmedizinerin und Public-Health-Expertin Daniela Haluza von der Medizinischen Universität Wien unterstützt diese Forderung auf Basis ihrer fachlichen Expertise.

Das Land Burgenland hat eine Taskforce zur Klärung der Angelegenheit eingerichtet.
Das Land Burgenland hat eine Taskforce zur Klärung der Angelegenheit eingerichtet.(Bild: Christoph Miehl)

Hier darf keine Sekunde gezögert werden“
Herwig Schuster, Umweltchemiker bei Greenpeace Österreich warnt: „Faustgroße Asbestbrocken, wie sie direkt neben der Kinderrutsche der McDonald’s-Filiale gelegen sind, stellen eine akute Gefahr dar. Wer Kinder hat, weiß genau, wie gerne mit Steinen gespielt wird. Hier darf keine Sekunde gezögert werden. Derart asbestbelastete Bereiche müssen nach Vorbild von McDonald‘s und Asfinag sofort abgesperrt und das Material abtransportiert werden. Dafür braucht es keine wochenlangen Luftmessungen, sondern schützende Sofortmaßnahmen.” McDonald‘s betont, dass das betroffene Gestein außerhalb des Gästebereichs liegt und durch einen Zaun von diesem getrennt ist.

Asbest als Streusplitt auf Straßen in Niederösterreich
Besonders ins Visier gelangt nun, wie berichtet, auch die Straßenmeisterei Aspang, wo das belastete Material laut „Krone“-Recherchen als Streusplitt im Winterdienst eingesetzt wurde. Aus dem NÖ-Landesdienst heißt es dazu, man habe unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe reagiert: Das gelieferte Material werde vorsorglich nicht mehr verwendet, vorhandene Restmengen seien gesichert und klar gekennzeichnet worden. Zudem laufe eine interne Überprüfung, in welchen Zeiträumen und auf welchen Strecken der Splitt ausgebracht wurde.

Material auch in Asphaltmischanlagen verarbeitet?
Parallel dazu wird geprüft, ob Material aus derselben Quelle möglicherweise auch in Asphaltmischanlagen im Industrieviertel verarbeitet worden sein könnte. „Nach derzeitigem Stand kann das nicht ausgeschlossen werden“, räumte ein Sprecher am Mittwoch ein. Genau deshalb drängt jetzt Landesvize Stephan Pernkopf (ÖVP) auf lückenlose Aufklärung im Ressort von Amtskollegen Udo Landbauer (FPÖ). Immerhin umfasst das Gebiet rund 265 Kilometer an Landes- und Bundesstraßen in 20 Gemeinden der Bezirke Neunkirchen und Wiener Neustadt-Land.

2000 bis 3000 Tonnen Streusplitt bringt der Winterdienst der Straßenmeisterei Aspang (NÖ) in ...
2000 bis 3000 Tonnen Streusplitt bringt der Winterdienst der Straßenmeisterei Aspang (NÖ) in der Saison aus. Im Burgenland werden schon Spielplätze gesperrt.(Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger)

Luft-Messprogramm war in Windeseile beschlossene Sache
Im Zentrum des Öko-Vorstoßes steht ein umfassendes Luft-Messprogramm, das an repräsentativen Standorten im Industrieviertel – und damit auch im Raum Aspang im Bezirk Neunkirchen – angelaufen ist.

Landesvize Stephan Pernkopf betont auf Nachfrage, dass man „die Hinweise ernst nehme und konsequent auf Vorsorge setze“. In das Messprogramm eingebunden sind externe Fachleute, der Niederösterreichische Umweltanwalt sowie die zuständigen Stellen im Burgenland, mit denen Pernkopf in engem Kontakt steht.

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Eingebunden sind Fachleute und der Umweltanwalt, auch mit den Kollegen im Burgenland stehe ich im Kontakt.

LH-Vize Stephan Pernkopf (ÖVP)

Die Luftmessungen sollen mögliche Faserfreisetzungen erfassen – insbesondere dort, wo mechanische Belastungen wie Verkehr oder frühere Streumaßnahmen stattgefunden haben könnten.

Noch keine Überschreitungen der Grenzwerte bekannt
Trotz der Brisanz geben Experten vorerst eine vorsichtige Entwarnung: Bislang sind keine Überschreitungen relevanter Richt- oder Grenzwerte bekannt. Gleichzeitig wird betont, dass Asbest ein besonders tückischer Schadstoff sei, dessen Risiken oft erst bei späterer Bearbeitung oder Verwitterung sichtbar würden.

Für die betroffenen Gemeinden und die Bevölkerung bleibt der Fall dennoch ein Schock. Klar ist: Der Blick richtet sich nun nicht nur auf Lieferketten und Steinbrüche, sondern auch auf die konkrete Praxis vor Ort – allen voran in Aspang, Bezirk Neunkirchen. Die laufenden Messungen sollen rasch Klarheit bringen und entscheiden, ob aus dem Verdacht eine reale Umwelt- und Gesundheitsgefahr wird.

Die Betreiber bzw. Besitzer der Steinbrüche Rumpersdorf und Badersdorf haben übrigens auf „Krone“-Anfrage noch keinen Kommetar zu der Causa abgegeben, Fragen zu Lieferketten und etwaigen Schadenersatzforderungen blieben bislang unbeantwortet.

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