Steht seit Jahren leer

Venedigs verfluchter Palast sucht neuen Besitzer

Ausland
27.01.2026 16:24
Porträt von krone.at
Von krone.at

Seit Jahrhunderten spiegelt sich die Fassade von Ca’ Dario im Wasser des Canal Grande – und doch steht eines der bekanntesten Palazzi Venedigs seit Jahren leer. Nun ist das Renaissancegebäude erneut auf dem Markt. Ob es diesmal einen Käufer findet, bleibt offen: Denn kaum ein Haus der Lagunenstadt ist so eng mit Geschichten über Unglück, Tod und einen angeblichen Fluch verbunden wie dieses.

Ca’ Dario liegt in prominenter Lage unweit der Peggy Guggenheim Collection und stammt aus dem späten 15. Jahrhundert.  Der Palazzo wurde 1479 für Giovanni Dario errichtet – einen venezianischen Diplomaten, der nach einem erfolgreichen Friedensvertrag mit dem Osmanischen Reich als Held gefeiert wurde. Über die Jahrhunderte wechselte das Gebäude mehrfach den Besitzer und beherbergte Adelige, Kaufleute und später auch internationale Gäste.

1908 hielt Claude Monet die Fassade während seines Venedig-Aufenthalts auf Leinwand fest, ein Jahr später erwähnte Henry James den Palazzo in seinem Reisebuch Italian Hours.

Schwieriger Ruf als Hürde für Verkauf
Trotz – oder gerade wegen – dieser Geschichte gestaltet sich der Verkauf schwierig. Das Anwesen verfügt über neun Schlafzimmer, acht Badezimmer, großzügige Repräsentationsräume mit Fresken sowie Außenflächen mit Terrasse, Garten und privatem Bootsanleger am Canale Grande. Die Wohnfläche wird mit rund 1055 Quadratmetern angegeben. Frühere Berichte nannten einen Kaufpreis von rund 18 bis 20 Millionen Euro; aktuell ist der Preis nicht öffentlich, das Gebäude wurde aber umfassend renoviert.

Dennoch haftet Ca’ Dario der Ruf an, „Venedigs verfluchter Palast“ zu sein. Hintergrund sind mehrere Todesfälle früherer Eigentümer oder Nutzer, die in lokalen Erzählungen miteinander verknüpft wurden. Mindestens sieben Todesfälle werden in der Legendenbildung genannt, darunter ein Mord im Jahr 1970: Damals wurde Graf Filippo Giordano delle Lanze in dem Palazzo von seinem Partner getötet, der später selbst ums Leben kam.

Prominente Bewohner, tragische Todesfälle
1971 erwarb Christopher „Kit“ Lambert, Manager der Rockband The Who, das Gebäude. Obwohl er öffentlich erklärte, nicht an den Fluch zu glauben, soll er laut Zeitzeugen nicht dauerhaft dort übernachtet haben. Lambert starb 1981 in London nach einem Sturz. In den 1980er-Jahren ging Ca’ Dario an den italienischen Unternehmer Raul Gardini, der 1993 im Zuge eines Korruptionsskandals Suizid beging.

Auch weitere prominente Namen tauchen in den Erzählungen auf, etwa der Opernsänger Mario Del Monaco oder John Entwistle, Bassist von The Who, der 2002 eine Woche nach einem Aufenthalt in dem Palazzo in den USA starb.

Architekturjuwel mittendrin und doch abseits
Historiker und Immobilienexperten relativieren diese Geschichten. Davide Busato, Historiker in Venedig, datiert den Beginn der Gerüchte auf die 1970er-Jahre, verstärkt durch Gardinis Tod. Die Legenden seien ein typisches Beispiel venezianischer Erzählfreude, vergleichbar mit Mythen rund um andere Orte der Lagune wie die Insel Poveglia. Tatsächlich hätten über die Jahrhunderte Hunderte Menschen in Ca’ Dario gelebt, viele von ihnen bis ins hohe Alter – darunter auch Giovanni Dario selbst, der eines natürlichen Todes starb.

Auch Arnaldo Fusello, General Manager von Christie’s in Venedig, verweist auf diesen Kontext. Venezianer erzählten gern Geschichten, insbesondere gegenüber Besuchern. Der Palazzo sei architektonisch ein Juwel, heute frisch restauriert und in ruhiger Lage abseits der großen Touristenströme gelegen.

Hotel darf es keines werden
Aktuell wird der Verkauf von Christie’s International Real Estate gemeinsam mit Engel & Völkers betreut. Die jüngsten Sanierungsarbeiten umfassten Dach, Fassade, Fundamente und strukturelle Verstärkungen; laut Anbieter blieb die originale Bausubstanz erhalten.

Ob Ca’ Dario künftig als private Residenz oder in anderer Form genutzt wird, ist offen – eine touristische Umwidmung ist aufgrund der seit 2018 geltenden venezianischen Beschränkungen für neue Hotelnutzungen im historischen Zentrum ausgeschlossen.

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