Halbe Tonne pro Woche

Münzen-Rallye: Österreicher sind im Goldrausch

Wien
25.01.2026 21:30

Der Wiener Philharmoniker ist auf Allzeithoch – doch der Run hält an. Wir kaufen bis zu 93 Kilo Edelmetall jeden Tag! Ein Lokalaugenschein der „Krone“ im Lichte der Spekulation.

Die Hitze schlägt einem entgegen, noch ehe man die Schmelze ganz betreten hat. Es riecht nach Metall, nach Arbeit, nach etwas Endgültigem. In den Tiegeln glühen Gold und Silber zwischen 900 und 1100 Grad. Langsam, schwer, fast ehrfürchtig. Hier, hinter dicken Mauern am Wiener Heumarkt, in diesem sicheren Hafen, entsteht etwas, das Menschen auf der ganzen Welt beruhigt, wenn Börsen wanken und Währungen zittern: der Wiener Philharmoniker.

„Ja, wir setzen weiterhin auf Edelmetall“, betont Gerhard Starsich, Generaldirektor der Münze Österreich, mit sanfter Stimme. Es ist auch kein Pathos nötig. Die Zahlen sprechen für sich: 26,5 Millionen Goldphilharmoniker, 139,5 Millionen Silberne und 255.000 Stück aus Platin wurden bislang geprägt. Tendenz stark steigend!

Während flüssiges Edelmetall umgefüllt wird, erklärt Starsich, dass der große Run längst nicht mehr nur aus Fernost oder den USA kommt. „Die Menschen wollen etwas Echtes. Etwas, das man in die Hand nehmen kann.“

Aus dem Granulat werden Münzen – bis es so weit ist, durchläuft es viele Stationen.
Aus dem Granulat werden Münzen – bis es so weit ist, durchläuft es viele Stationen.(Bild: Martin A. Jöchl)
(Bild: Martin A. Jöchl)
(Bild: Martin A. Jöchl)
(Bild: Martin A. Jöchl)
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(Bild: Martin A. Jöchl)
(Bild: Martin A. Jöchl)

Goldpreise ändern sich minütlich, der Kurs war bei Börsenschluss am Freitag auf dem Allzeithoch von mehr als 4200 Euro je Feinunze. Doch die Rallye hält auch in Österreich trotz Rekordstand weiter an.

Rohstoff aus Abfall wird zu teuren Sammlerstücken
In der Produktion gegenüber vom Stadtpark arbeitet man im Takt der Maschinen. Granulat wird eingeschmolzen, Legierungen genau geprüft. Ein Großteil des Goldes stammt heute übrigens aus Recycling: aus altem Schmuck, aus elektronischen Bauteilen. Nur ein kleinerer Teil kommt direkt aus Minen in Südamerika. Am Ende landet es wieder hier, in der Bundeshauptstadt, als makellose Ronde – ein unscheinbares Plättchen, das bald zur Münze wird.

Nebenan stampfen die Prägemaschinen. Hundert Philharmoniker pro Minute. Vollautomatisch. Keine Münze darf auch nur ein Haarbreit unter dem vorgeschriebenen Gewicht liegen. Was fertig ist, wird gewaschen, kontrolliert, verpackt. Zehn Goldunzen pro Packung und bereit für Großhändler, Banken, Investoren.

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Die Nachfrage bleibt groß. Teils verkaufen wir bis zu 3000 Unzen am Tag. Unser Preis liegt auch nur drei Prozent über Kurs.

Gerhard Starsich, Generaldirektor der Münze Österreich AG

Profis setzen auf Edelmetall – im Kilo billiger ...
„Früher wollten viele den Kilobarren“, sagt der Herr Direktor, während die „Krone“ zusehen darf, wie Silber in Strängen gegossen wird. „Heute greifen die Menschen lieber zur halben oder Viertelunze.“ Der Einstieg soll leistbar bleiben. Trotzdem: Ein Kilobarren Gold kostet rund 129.000 Euro – und ist damit ein „Schnäppchen“ für Profis.

In einem ruhigeren Raum wird es plötzlich still. Hier sitzt Frau Monika, seit 36 Jahren in der Münze. Vor ihr ein Prägestempel, den sie stundenlang poliert. Jeder Handgriff sitzt. Jeder Fehler wäre sichtbar. „Man entwickelt einen Blick dafür“, sagt sie und lächelt knapp.

Frau Monika arbeitet seit 36 Jahren in der Münze, sie ist für die Feinbearbeitung der ...
Frau Monika arbeitet seit 36 Jahren in der Münze, sie ist für die Feinbearbeitung der Prägestempel verantwortlich.(Bild: Martin A. Jöchl)
Der Goldpreis ist auf Rekordstand. Auch deshalb sind die „Krone“-geprüften ...
Der Goldpreis ist auf Rekordstand. Auch deshalb sind die „Krone“-geprüften Sicherheitsvorkehrungen am Heumarkt rigoros.(Bild: Martin A. Jöchl)

Zusatz: „Ich sehe Fehler überall. Sogar in Ihrer Zeitung.“ Nach strenger Sicherheitskontrolle geht es wieder raus in die Stadt. Drinnen wird weiter geprägt, gewogen und geschmolzen – seit 832 Jahren.

Edelmetalle gelten als sicherer Hafen
Es war der sagenhaft reiche König Krösus, der vor gut zweieinhalb Jahrtausenden in Kleinasien Münzen aus einer standardisierten Goldlegierung herstellen ließ. Seit Generationen gilt Gold als krisenfeste Wertanlage.

Der Eingang zum Eldorado der Münze Österreich am Wiener Heumarkt. Wer hier kauft, setzt auf ...
Der Eingang zum Eldorado der Münze Österreich am Wiener Heumarkt. Wer hier kauft, setzt auf Sicherheit.(Bild: Imre Antal)

Dies zeigt auch ein Lokalaugenschein im Verkauf der Münze Österreich. Silvia N. etwa kauft für ihre Kinder Schmuck aus Gold. Ein Ehepaar wählt den Gang ins Eldorado, um einen Teil seines jüngst geerbten Vermögens in das glänzende Edelmetall anzulegen. Andere versuchen es mit Silber oder Platin.

Nationalbanken stocken ihre Reserven auf
Gold stieg 2025 um 65 Prozent. 2026 setzte es seine glanzvolle Rallye fort und steuert auf die 5000er-US-Dollar-Marke zu. Geopolitische Spannungen befeuern die Entwicklung. Zudem stocken China, Polen und andere Staaten ihre Reserven massiv auf. Polen besitzt mit 550 Tonnen mehr Gold als die EZB.

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Ich will, dass meine Kinder gut versorgt sind, und setze schon seit 20 Jahren auf Gold. Wenn ich was kaufe, dann investiere ich am liebsten in Goldschmuck.

Silvia N. (43), Angestellte aus Wien

Bevor man dem Goldrausch erliegt, sollte man bedenken: Bei einem Investment in Edelmetalle gibt es keine Rendite in Form von Zinsen oder Dividenden. Ihr Wert geht allerdings nie ganz verloren.

Silber stand lange Zeit im Schatten des gelb glänzenden Münzmetalls, 2025 stieg es plötzlich um knapp 150 Prozent. Heuer ging es bereits um weitere 31 Prozent nach oben. Der Rohstoff ist auch ein wichtiges Material in der Industrie.

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