Zyklon gnadenlos
Über 16 Meter hohe Welle: Verwüstung in Italien
Bis zu 16,6 Meter hohe Wellen, zerstörte Küsten und Schäden in Milliardenhöhe – der Zyklon „Harry“ hat den Süden Italiens in wenigen Tagen verwüstet. Während das Unwetter inzwischen an Kraft verloren hat, beginnt erst jetzt die volle Bestandsaufnahme eines Ausnahmeereignisses, das weite Teile von Sizilien, Sardinien und Kalabrien schwer getroffen hat.
Der Zyklon, der drei Tage lang über den Süden Italiens hinwegzog, hat eine Schneise der Zerstörung hinterlassen. Orkanartige Böen, sintflutartige Regenfälle und extreme Sturmfluten trafen vor allem Sizilien, Sardinien und Kalabrien. Allein an Siziliens Küsten wurden mehr als 100 Kilometer Küstenlinie verwüstet. Die Schäden gehen in die Hunderte Millionen – möglicherweise darüber hinaus.
Katastrophenzustand ausgerufen
Nach ersten Erhebungen der sizilianischen Zivilschutzbehörde belaufen sich die Schäden in Sizilien auf rund 740 Millionen Euro. Der Präsident der Region Sizilien, Renato Schifani, hat nach einer außerordentlichen Sitzung der Regionalregierung den regionalen Katastrophenzustand ausgerufen und angekündigt, bei der italienischen Regierung die Ausrufung des nationalen Notstands zu beantragen. Gleichzeitig wurden 70 Millionen Euro an Soforthilfen beschlossen.
Riesige Welle schoss ins Ortsinnere
Besonders heftig traf es die ionische Küste Siziliens. Straßen wurden unterspült, Mauern eingerissen, Strommasten umgerissen und Gebäude überflutet. Videos in sozialen Netzwerken zeigen eine Welle, die in Letojanni über die Strandpromenade hinweg direkt in die Straßen des Ortsinneren schoss. Einsatzkräfte arbeiteten die ganze Nacht daran, die Strom- und Wasserversorgung zumindest notdürftig wiederherzustellen.
Auch die Verkehrsinfrastruktur wurde massiv beschädigt. In Scaletta Zanclea und Furci Siculo traf die Sturmflut die Bahnlinie Messina-Catania. In mehreren Abschnitten hängen die Gleise teilweise frei in der Luft, der Bahnverkehr ist stark eingeschränkt. In Taormina-Mazzeo brachen Teile der Uferpromenade ein, Stützmauern und Böschungen wurden weggespült.
Familien evakuiert, Notfallplan in Kraft
Schwere Schäden meldet auch der Großraum Catania. Nach der Überflutung mehrerer Flüsse, darunter Buttaceto, Acquicella und Simeto, mussten zahlreiche Familien aus Küstensiedlungen evakuiert werden. Die Strandpromenade wurde von Wellen mit Höhen von bis zu neun Metern getroffen. Der Bürgermeister von Catania, Enrico Trantino, koordinierte einen Notfallplan mit hunderten Einsätzen. Auch das Fischerdorf Marzamemi im Siracusa-Gebiet wurde vollständig evakuiert.
Höchste jemals im Mittelmeer gemessene Welle
Für besondere Aufmerksamkeit sorgte eine Messung des italienischen Umweltinstituts Ispra: Zwischen Portopalo di Capo Passero und der Insel Malta registrierte eine Messboje eine maximale Wellenhöhe von 16,6 Metern. Nach Angaben von Experten handelt es sich um die höchste jemals im Mittelmeer gemessene Einzelwelle, höher als die bisherige Rekordwelle während des Sturms „Gloria“ im Jahr 2020 vor Spanien.
Eine Boje hat den neuen Höhenrekord einer Welle verzeichnet:
Schäden an historischen Stätten
Auch Sardinien wurde schwer getroffen. In der Provinz Nuoro mussten Dutzende Familien evakuiert werden, Erdrutsche blockierten Straßen, Bahnverbindungen wurden unterbrochen. Die Präsidentin der Region, Alessandra Todde, besuchte mehrere besonders betroffene Gemeinden im Süden der Insel, darunter Capoterra, Sarroch und Pula, wo auch Schäden an historischen und kulturellen Einrichtungen gemeldet wurden. Auch Sardinien hat angekündigt, den nationalen Notstand zu beantragen.
Teuils keine stabile Wasserversorgung
In Kalabrien führten Sturmfluten und Starkregen zu massiven Problemen. In Melito Porto Salvo stürzten rund 100 Meter der Uferpromenade ins Meer. Die örtliche Bahnlinie bleibt auf längeren Abschnitten gesperrt, zahlreiche Gemeinden sind ohne stabile Wasserversorgung. Trotz der extremen Lage meldete Regionalpräsident Roberto Occhiuto, dass es keine Todesopfer und keine Verletzten gegeben habe.
Schüler halfen beim Schaufeln
Ein Bild der Verwüstung – aber auch der Solidarität – bleibt von diesen Tagen: In Letojanni halfen Schüler mit Schaufeln und Eimern stundenlang dabei, Schlamm und Geröll aus den Straßen zu räumen. Der Entertainer Fiorello sprach von einem „beispiellosen Desaster“ und schickte der betroffenen Bevölkerung öffentlich seine Unterstützung.









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