300.000 Euro gezahlt

Liebesbetrug: „Ich hab‘ nur rosa Wölkchen gesehen“

Gericht
22.01.2026 15:59

Im Landesgericht Korneuburg (NÖ) erzählt eine 54-Jährige, wie sie in einer dunklen Zeit ihres Lebens in die Fänge von Betrügern geriet. Ein vermeintlicher Arzt aus dem Jemen gaukelte ihr eine Liebesbeziehung vor: „Ich hab’ das keine Sekunde angezweifelt.“ Also zahlte sie ihm Unsummen. Eine junge Geldkurierin wurde nun nicht rechtskräftig verurteilt. 

Die Betrüger erwischten eine 54-Jährige in der verletzlichsten Phase ihres Lebens. 2024 verlor die Niederösterreicherin ihren Ehemann. „Ich war in einer Art Trauertal“, sagt sie im Landesgericht Korneuburg als Zeugin. Da schrieb sie Anfang März 2025 ein gut aussehender Arzt auf Facebook an. „Es war binnen kürzester Zeit eine extreme Vertrautheit da. Es hat sich verdammt gut angefühlt.“

Geheimmission im Jemen
Der Mann erklärte ihr, er sei als Mediziner für die Vereinten Nationen auf einer Geheimmission im Jemen. „Das war für mich alles stimmig. Ich hab’ das keine Sekunde angezweifelt“, gibt die Frau zu.

Kurzer Videoanruf überzeugte Opfer
Auch nicht, als der vermeintliche Arzt Geld verlangte, damit er endlich wieder nach Hause und somit zu ihr könne. „Ich hab‘ mir gedacht, ich muss diesem Mann jetzt helfen.“ Um zu verdeutlichen wie gerissen die Betrüger agieren: Es gab sogar einen kurzen Videoanruf – „Ich hab‘ einen Mann gesehen, der hatte Arztgewand an.“ Schnell sei aber die Verbindung abgebrochen.

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Es ist eine Welt für mich zusammengebrochen.

Frau wurde Opfer von Liebesbetrügern

291.650 Euro überwies oder schickte sie an verschiedene Adressen. „Ich hab' da alles gezahlt, was gegangen ist.“ Am 12. Juli 2025, dann die gute Nachricht: Ihr Liebster komme mit einem Flugzeug wieder nach Österreich. Die 54-Jährige erinnert sich: „Ich hab‘ mich irrsinnig gefreut. Ich hab‘ schon rosa Wölkchen gesehen.“ Aufgeregt sei sie zum Flughafen gefahren, hätte dort gewartet – ein Flieger kam aber nie an. Da sei sie aufgewacht. „Dann ist eine Welt für mich zusammengebrochen.“

Strafverteidiger Roland Friis vertritt die 26-jährige Erstangeklagte.
Strafverteidiger Roland Friis vertritt die 26-jährige Erstangeklagte.(Bild: Anja Richter)

Vor dem Schöffensenat sitzen jetzt zwar nicht die unmittelbaren Täter, aber zwei Geldkuriere, die Pakete mit mehreren Tausend Euro erhalten und weitergeschickt hätten. Die zwei Nigerianer – eine 26-jährige Prostituierte und ein 48-Jähriger – streiten aber ab, von Betrugshandlungen gewusst zu haben. Strafverteidiger Roland Friis, er vertritt die junge Frau, bringt vor: „Ein Freund hat sie gebeten, es kommt ein Paket und sie soll das weiterschicken. Meine Mandantin wusste nicht, woher das Geld kam.“

Der Schöffensenat glaubt ihr das nicht: Sie wird zu 20 Monaten teilbedingter Haft, sechs davon fest, verurteilt. Der Mann wird indes freigesprochen. Beide Urteile sind nicht rechtskräftig.

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