Gewalt gegen Frauen passiert meist im eigenen Umfeld. Das Projekt StoP setzt in Klagenfurt und Villach auf Prävention, Aufklärung und Zivilcourage in den Nachbarschaften.
„Jede dritte Frau in Österreich ist im Laufe ihres Lebens von körperlicher oder sexualisierter Gewalt betroffen, und nur jede fünfte Frau in der EU weiß, wohin sie sich im Fall von Gewalt wenden kann“, weiß Fiorella Seppele.
Die 37-Jährige ist im Verein EqualiZ tätig und arbeitet in Klagenfurt und Villach für das österreichweite Projekt StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt, das seit 2021 in Klagenfurt und Villach umgesetzt wird. Ziel ist es, Gewaltprävention dorthin zu bringen, wo sie oft übersehen wird: in die Nachbarschaften.
Gewalt gegen Frauen ist kein Randproblem
„Es ist nicht immer die sichtbare körperliche Gewalt. Femizide sind nur die Spitze des Eisbergs“, so Seppele. Allein im vergangenen Jahr wurden 15 Frauen ermordet, meist von (Ex-)Partnern. Weitere 45 Frauen überlebten schwere Gewalt oder Mordversuche nur knapp. Gewalt gegen Frauen ist damit kein Randphänomen, sondern ein gesellschaftliches Problem mitten unter uns.
„Der gefährlichste Ort für Frauen ist nicht die dunkle Gasse, sondern das eigene Zuhause. Viele glauben noch immer, Gewalt passiert irgendwo anders – aber sicher nicht bei uns im Haus oder im Bekanntenkreis“, erklärt Seppele. Dabei beginnt Gewalt selten mit Schlägen. Psychische Gewalt, Kontrolle, Abwertung, verbale Gewalt, Isolation oder digitale Überwachung seien oft erste Schritte.
„Lieber einmal zu früh reagieren“
„Gewaltbeziehungen sind geprägt von Manipulation, Angst und Abhängigkeit. Es braucht oft viele Anläufe, um sich daraus zu lösen.“ StoP setzt daher bewusst auf niederschwellige Formen von Zivilcourage, etwa ein offenes Ohr anzubieten oder einen Infofolder in den Briefkasten zu legen. „Lieber einmal zu früh reagieren als einmal zu spät.“
Frauenhelpline: 0800 222 555
Gewaltschutzzentrum Kärnten: 0463 590290
Frauenhäuser in Kärnten:
Mädchen- und Frauenberatungsstellen:
Für Männer:
Männerinfo/Krisenhelpline: 0800 400 777
Gewaltprävention sei jedoch kein reines „Frauenthema“. „Wir brauchen Männer im Boot. Schon im Kindesalter muss Buben vermittelt werden, wie man mit Wut, Frust und Grenzen konstruktiv umgeht.“ Konkret arbeitet StoP mit Haustürgesprächen, Nachbarschaftstreffen, Workshops und öffentlichen Aktionen wie „Roses Against Violence“, bei der gehäkelte Rosen mit Kontakten zu Hilfseinrichtungen versehen und öffentlich verteilt werden: „sichtbar, aber unaufdringlich“.
Workshops für Frauen ab 50 Jahre
Die Hälfte der Femizide in Österreich wurde 2024 an Frauen über 60 Jahren begangen. „Diese Frauen kennen häufig die Unterstützungsangebote nicht oder haben Schwierigkeiten, sie zu erreichen – Stichwort Barrierefreiheit oder Pflegebedarf.“ Deshalb werden im April und Mai Workshops in Villach und Klagenfurt für Frauen ab 50 Jahren zum Thema „Selbstbehauptung und Selbstbewusstsein“ angeboten. „Wir klären auf, wie man gewaltbereite Situationen frühzeitig erkennt, und informieren über Abwehr- und Befreiungsmöglichkeiten.“
Kreative Treffen, bei denen „Roses against Violence“ gehäkelt werden.
StoP zeigt, dass Veränderung im eigenen Umfeld beginnt. „Wir müssen gemeinsam die Entscheidung treffen, Gewalt nicht hinzunehmen, keine Täter-Opfer-Umkehr zuzulassen und klar zu zeigen, dass wir alle etwas gegen Gewalt sagen und tun können.“ Denn eines ist klar: Femizide sind keine Einzelfälle. Sie gehen uns alle an. Alle Informationen finden Sie hier.
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