Stau, Eis, Nervenprobe

Schnee-Chaos: Ist tatsächlich Salz ausgegangen?

Oberösterreich
13.01.2026 12:40

Weiße Straßen, rutschige Wege und viel Ärger: Der Wintereinbruch hat Linz sichtbar zugesetzt. Während sich Beschwerden häuften, wurden Vorwürfe laut und Gerüchte machten die Runde. Wer war vorbereitet, wer nicht? Und warum blieben manche Bereiche und Straßenzüge im Stadtgebiet tagelang unverändert? 

Ein Wintereinbruch war früher nichts Außergewöhnliches. Schnee fiel, die Temperaturen sanken, der Verkehr kam da und dort zum Erliegen.

War die Stadt nicht ausreichend vorbereitet?
In der vergangenen Woche hat Frau Holle auch in Linz wieder einmal für winterliche Verhältnisse gesorgt – und damit auch für Diskussionen. Denn vielerorts entstand der Eindruck, die Stadt sei auf den anhaltenden Schneefall nicht ausreichend vorbereitet gewesen. Vor allem Autofahrer und Fußgänger berichteten von lange nicht geräumten Straßen. Auch Hauptverkehrsrouten seien teilweise über Stunden schneebedeckt geblieben, in manchen Seitengassen habe selbst drei Tage nach dem Wintereinbruch noch kein Räumfahrzeug vorbeigeschaut.

„Man war bei der Räumung immer hinten nach“
VP-Klubobfrau Michaela Sommer sieht Versäumnisse bei der Stadt: „Scheinbar haben die Verantwortlichen nicht damit gerechnet, dass es im Winter zu stärkerem Schneefall kommen kann. Mein Gefühl sagt mir, dass man bei der Räumung immer hinten nach war. Es wurde Schadensbegrenzung gemacht, aber vorausschauende Planung: Fehlanzeige.“ 

„Auch unsere Fahrzeuge standen im Stau“
Vorwürfe, welche die zuständige Abteilung von Stadträtin Eva Schobesberger entschieden zurückweist. Aus ihrem Büro heißt es, dass im Stadtgebiet von Linz grundsätzlich weder weniger geräumt noch weniger gestreut werde als in den vergangenen Jahren. „Es entsteht womöglich ein subjektiver Eindruck, da auch unsere Räumfahrzeuge – so wie zuletzt der gesamte Verkehr in Linz – im Stau stehen und nicht weiterkommen.“

Auch bei der Unionkreuzung herrschten tief winterliche Verhältnisse.
Auch bei der Unionkreuzung herrschten tief winterliche Verhältnisse.(Bild: Kerschbaummayr Werner, Krone KREATIV)

Es gibt kaum Platz für Ablagerung
Zudem seien die Rahmenbedingungen in den vergangenen Tagen besonders herausfordernd gewesen. „Bei einem Niederschlagsereignis mit anhaltendem Schneefall und gleichzeitig tiefen Minustemperaturen ist eine Schwarzräumung nicht möglich“, erklärt man. Hinzu komme, dass die Tauwirkung von Streusalz bei sehr niedrigen Temperaturen deutlich abnehme. Ein vollständiges Entfernen des Schnees von den Verkehrsflächen sei im urbanen Raum zudem nur eingeschränkt möglich, da es kaum Platz für die Ablagerung gebe. „Eine nachhaltige Verbesserung tritt oft erst durch Wegtauen des Schnees ein.“

„Streusalz ist uns nicht ausgegangen“
Gerüchte über einen Mangel an Streusalz weist Eva Schobesberger im Gespräch mit der „Krone“ ebenfalls zurück. „Das Streusalz ist uns nicht ausgegangen. Zwar sind die Reserven durch den hohen Verbrauch der vergangenen Tage sowie Lieferengpässe bei den Salinen Austria und anderen Anbietern geringer geworden, die Versorgungssicherheit ist jedoch jederzeit gewährleistet gewesen. Sukzessive wird Salz nachgeliefert, die Depots werden wieder aufgefüllt.“

Erst die Hauptrouten
Geräumt wird nach einem Prioritätenkatalog, zuerst die Hauptstraßen bzw. Hauptrouten im Radwegenetz und dann die Nebenfahrbahnen. Geh- und Radwege sowie Stiegenanlagen werden täglich von 4 bis 22 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen von 5 bis 22 Uhr geräumt. In den kommenden Tagen sollte sich die Situation etwas entspannen. Die Mitarbeiter stehen bis dahin weiterhin in maximaler Bereitschaft.

Bis zu 150 Mitarbeiter im Einsatz
Ein Blick auf die Einsatzbilanz unterstreicht den Aufwand der vergangenen Tage: Seit Donnerstagabend bis in die Morgenstunden waren bis zu 150 Mitarbeiter im Einsatz, wurden rund 700 Tonnen Streusalz und etwa 50 Tonnen Splitt ausgebracht – in rund 5000 Arbeitsstunden. Diese Mengen entsprechen laut Stadt etwa der Hälfte eines durchschnittlichen Jahresverbrauchs an Streumaterialien.

Auch Haus- und Wohnungseigentümer gefordert
Parallel zur Causa weißt die Stadt Linz darauf hin, dass viele der zuletzt eingelangten Beschwerden nicht den städtischen Winterdienst betreffen, sondern nicht geräumte Gehsteige vor privaten Liegenschaften. „Neben dem städtischen Winterdienst sind auch die Eigentümerinnen und Eigentümer von Häusern und Grundstücken gefordert“, heißt es aus dem Magistrat. Laut § 93 der Straßenverkehrsordnung (StVO) sind Gehsteige und Gehwege entlang der gesamten Liegenschaft täglich zwischen 6 und 22 Uhr von Schnee zu räumen und bei Glätte mit geeigneten Mitteln wie Splitt oder Sand zu bestreuen. Diese Verpflichtung gilt auch für Haltestellen, sofern sie sich im Bereich des Gehsteigs befinden. Die Stadt ersucht daher um sorgfältige Einhaltung dieser Regelung, „um gemeinsam für mehr Sicherheit im öffentlichen Raum zu sorgen“.

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