Grüne Warnung

Schlittert Wien nun in eine totale Wohnungskrise?

Wien
12.01.2026 19:00

Der soziale Wohnbau in Wien bricht ein, Fördergelder versickern im Budget, leistbare Wohnungen sind rar. Die Grünen fordern Gegenmaßnahmen und haben einen Sonderlandtag einberufen. Die Stadt dementiert.

Wien rühmt sich als Bollwerk des leistbaren Wohnens. Gemeindebau, geförderte Wohnungen, soziale Durchmischung – das „Rote Wien“ war internationaler Maßstab. Doch ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt: Dieses Fundament bekommt tiefe Risse.

Widmungen gingen rapide zurück
Zwischen 2013 und 2020 wurden in Wien jährlich durchschnittlich 6868 geförderte Wohneinheiten bewilligt. Wobei das noch lange nicht heißt, dass die Wohnungen auch gebaut wurden. Dennoch: Seit dem Amtsantritt der rot-pinken Stadtregierung ist diese Zahl laut Anfragen der Grünen regelrecht abgestürzt. Von 2021 bis 2024 waren es im Schnitt nur mehr 2768 Einheiten pro Jahr. Laut Grünen fehlen damit Jahr für Jahr tausende leistbare Wohnungen, noch bevor überhaupt ein Fundament gegossen wird.

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Wien ist eine wachsende Stadt, doch die Stadtregierung sorgt weder für ausreichend Neubau noch dafür, dass leer stehende Wohnungen bewohnt werden.

Grünen-Parteichef Peter Kraus

Bruch mit roter Wohnbaupolitik
Parteivorsitzender Peter Kraus spricht von einem Bruch mit der bisherigen Wohnungspolitik: „Die SPÖ ruht sich auf längst vergangenen Lorbeeren aus und sieht untätig dabei zu, wie Wien auf eine Wohnungsknappheit zusteuert.“ Die Folge ist logisch wie gnadenlos: Wenn der geförderte Wohnbau stockt, verknappt sich das Angebot. Und Knappheit treibt die Preise. Genau das spüren Wohnungssuchende inzwischen quer durch alle Bezirke.

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Schrumpfende Vorsorge, schwindende Flächen
Gleichzeitig wächst die Stadt weiter. Allein 2024 kamen über 22.000 neue Einwohner hinzu. Der jährliche Wohnungsbedarf liegt bei mehr als 11.000 Einheiten. Laut Georg Prack, Wohnsprecher Grüne Wien: „Wenn man das zusammenrechnet, fehlen mehr als 30.000 Wohnungen.“

Wohnbauförderung zum Stopfen von Budgetlöchern
Besonders scharf kritisieren die Grünen die Verwendung der Wohnbauförderung. Im Budget 2026 werden laut Grünen 329 Millionen Euro, die aus dem Titel Wohnbauförderung stammen, nicht für den Wohnbau eingesetzt. Zur Erinnerung: SPÖ-Neos haben den Wohnbauförderungsbeitrag mit Anfang des Jahres von ein auf 1,5 Prozent erhöht. Doch die Einnahmen müssen laut Gesetz nicht in den Wohnbau fließen und können auch zum Stopfen von Budgetlöchern in der Bildung oder Gesundheit herangezogen werden. Kraus: „Dieses Geld fehlt dann beim sozialen Wohnbau.“

Mehrere Maßnahmen gefordert
Die Grünen fordern rasche Gegenmaßnahmen und haben heute einen Sonderlandtag einberufen. Gefordert wird ein konsequenter Widmungsvorrang für sozialen Wohnbau, um den massiven Rückgang bei geförderten Projekten zu stoppen. Bis 2030 sollen 25.000 gemeinnützig geförderte Wohnungen sowie 10.000 neue Gemeindewohnungen errichtet werden.

Sonderlandtag einberufen
Zusätzlich wollen die Grünen mit Leerstands- und Freizeitwohnsitzabgaben mindestens 15.000 derzeit ungenutzte Wohnungen mobilisieren. Zudem müsse auch über ein komplettes Verbot von Vermittlungsplattformen wie Airbnb in Wohnzonen nachgedacht werden. 

„Man muss die ganze Rechnung anstellen“
Einen harschen Konter aus dem Büro von Vizebürgermeisterin Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál (SPÖ) handeln sich die Grünen mit ihrer Kritik an zu wenig sozialem Wohnbau ein. Die Oppositionspartei müsse „die ganze Rechnung anstellen“, wenn sie eine Zweckwidmung der Beiträge zur Wohnbauförderung verlange: „Die Ausgaben der Stadt in das Wiener Wohnbaumodell übersteigen Jahr für Jahr die Einnahmen durch den eingehobenen Wohnbauförderungsbeitrag.“

Neun neue Gemeindebauten befänden sich aktuell in Bau, zusätzlich zu bereits 16 fertiggestellten der jüngeren Zeit, unterstreicht das Rathaus. Weiters seien 22.000 anderweitig geförderte Wohnungen „auf Schiene“. Auch 2026 werde diesbezüglich an neuen Bauträgerwettbewerben kein Mangel herrschen. Und nicht zuletzt unterstütze man auch private Bautätigkeit durch die Förderungen für Sanierungen und Dekarbonisierung. Nicht umsonst habe EU-Wohnbaukommissar Dan Jørgensen Wien als Vorbild für ganz Europa ins Rampenlicht gestellt.

Wenn die Grünen etwas für den sozialen Wohnbau tun wollten, sollten sie sich an ihre eigenen Bezirksvertreter wenden, ärgert man sich in Gaáls Büro: „Die rege Bautätigkeit der Stadt im Bereich des geförderten Wohnbaus stößt in den Bezirken auf Kritik derselben Oppositionsparteien, die mehr neue Gemeindebauten auf Wien-Ebene fordert.“

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