Umdenken wird wichtig

Neues Zuverdienst-Verbot bedroht jetzt Existenzen

Burgenland
10.01.2026 06:00

Arbeitslosengeldbezieher dürfen keine Nebenjobs mehr ausüben. Das trifft nicht nur vulnerable Gruppen wie Geringqualifizierte, Migranten, teilzeitbeschäftigte Frauen, Alleinerziehende und Mehrkindfamilien hart. Zwei Beispiele inklusive Lösungsvorschlägen. Und: Was die AMS-Chefin meint.

Wer Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe bezieht, darf seit 1. Jänner 2026 nichts mehr dazuverdienen, sonst geht der Leistungsanspruch verloren. Alle geringfügigen Tätigkeiten (zuletzt 551 Euro brutto pro Monat) müssen daher bis spätestens Ende Jänner beendet werden. Andernfalls riskiert man, dass das AMS-Geld sogar rückwirkend gestrichen wird. Arbeitslose, die bisher auf diesen kleinen Zuverdienst angewiesen waren, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, geraten nun unter Druck und fragen sich, wie sie finanzielle Engpässe überbrücken können, ohne sanktioniert zu werden.

Lieber strategisch denken als Nerven schmeißen 
Gefährdet sind nicht nur vulnerable Gruppen, also Menschen mit geringem Einkommen, sondern auch Personen aus der Mittelschicht, wie das Beispiel einer 45-jährigen alleinstehenden Akademikerin aus dem Burgenland zeigt. Zwar erhält sie den Höchstsatz beim AMS-Geld (55 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens), doch das ist bei den hohen Miet- und Energiekosten nicht existenzsichernd. Denn ihr Erspartes ging vor der Kündigung für den Kauf eines neuen Autos drauf.

Alle Informationen zum Zuverdienst-Stopp sind auf www.ams.at zu finden.
Alle Informationen zum Zuverdienst-Stopp sind auf www.ams.at zu finden.(Bild: APA/unbegrenzt verfuegbar)

Weil ihr Vermieter keine Ratenzahlung erlaubt und sie nicht untervermieten und eine WG gründen darf, sieht sie sich gezwungen, in eine kleine und günstigere Wohnung umzuziehen. Die Wohnkosten aktiv zu senken, ist nämlich meist der größte Hebel, um nicht in die Schuldenfalle zu tappen. Bis es soweit ist, muss die Betroffene, auch wenn sie sich schämt, Sozialhilfe in Anspruch nehmen. Ihren Statusverlust erlebt sie als Rückschritt. Immerhin war sie viele Jahre Leistungsträgerin. Jetzt ist sie plötzlich Bittstellerin.

Besser befristet angestellt als zu lange arbeitslos
„Mit 45 Jahren ist die Betroffene noch im besten Erwerbsalter. Wir gehen davon aus, dass sie schnell einen Job finden wird. 50 Prozent der arbeitslosen Akademiker sind bereits nach 90 Tagen wieder in Beschäftigung“, sagt die burgenländische AMS-Chefin Helene Sengstbratl. Sie erwartet von der neuen Zuverdienstregelung „eine höhere, volle Integration am Arbeitsmarkt sowie eine höhere Chance auf vollversicherungspflichtige Dienstverhältnisse für Personen, die bisher nur geringfügig angestellt waren“.

Um rasch wieder ins Berufsleben einsteigen zu können, empfiehlt das AMS, geförderte Weiterbildungen zu nutzen, Bewerbungen branchenübergreifend auszurichten und befristete Stellen und Karenzvertretungen anzunehmen, weil man vollversichert ist. Auch Jobs, die unter dem gewohnten Gehaltsniveau liegen, sollte man nicht ausschlagen. Der erste Job nach der Kündigung sei oft nicht der Traumjob, aber ein wichtiger Stabilisator.

Burgenlands AMS-Chefin Helene Sengstbratl
Burgenlands AMS-Chefin Helene Sengstbratl(Bild: Andi Bruckner)

Auch mit Mitte 50 steht man nicht am Abstellgleis
Im Fall eines arbeitslosen 55-jährigen Büroangestellten sieht die Sache schon anders aus. Er hat zwei schulpflichtige Kinder, ein drittes Kind studiert. Seine Frau ist teilzeitbeschäftigt, der Kredit fürs Haus abzuzahlen. Um die Fixkosten stemmen zu können, sind steuerfreie Leistungen wie Familien- und Wohnbeihilfe, Alleinverdienerabsatzbetrag, Heizkostenzuschuss und der Schul- und Sozialfond ein wichtiger Puffer.

Arbeitslose, die 55 Jahre und älter sind, haben es schwerer, noch einen Job zu finden. Doch ...
Arbeitslose, die 55 Jahre und älter sind, haben es schwerer, noch einen Job zu finden. Doch aussichtslos ist es nicht.(Bild: Prostock-studio - stock.adobe.com)

Und was rät das AMS? „Eine Option wäre, dass die Frau des Mannes – sofern möglich – ihre Stunden aufstockt. Dies würde sie auch vor drohender Altersarmut schützen. Der Mann selbst erhält von uns Unterstützung bei der Jobsuche. Mit der Aktion 55+ legen wir ein besonderes Augenmerk auf die Vermittlung von Menschen ab 55 Jahren. Sie kommt somit auch dem betroffenen Familienvater zugute.“

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