„Krone“-Interview

Uzi Freyja: „Queere Leute haben Kultur geschaffen“

Kultur
13.01.2026 06:00

Kompromisslos, ehrlich und laut: Rapperin Uzi Freyja mischt die Rap-Szene auf. Kurz vor ihrem ersten Wien-Auftritt vor wenigen Wochen, sprach die in Kamerun geborene Künstlerin Kelly Rose mit uns über ihre Wurzeln, ihre queere Identität und ihr Debütalbum „Bhelize Don’t Cry“ – Außerdem darüber, warum sie sich nie wieder anpassen will. 

Sie ist schrill, laut – und ihre Texte polarisieren. Uzi Freyja alias Kelly Rose weiß, wie man Aufmerksamkeit erregt. Die in Kamerun geborene Musikerin, die Paris zu ihrer Wahlheimat gemacht hat, ist seit 2019 im Rap-Game aktiv. „Kamerunerin zu sein ist einfach ein Flex“, sagt sie stolz.  Zwei EPs und ein Album markieren bislang die wichtigsten Stationen ihres musikalischen Weges. In ihrem aktuellen Werk „Bhelize Don’t Cry“ rappt sie selbstbewusst und kämpferisch, lässt aber auch leise, verletzliche Momente zu. Ihr Stil bewegt sich zwischen Rap, Punk und elektronischen Elementen – mit einem Hauch Pop. Inhaltlich kreisen ihre Songs um Selbstbestimmung, Empowerment, Identität und Rebellion. Als schwarze, queere Frau verschafft sie sich damit bewusst Raum in einer nach wie vor männlich dominierten Szene.

Vor kurzem war die Künstlerin auf großer Europa-Tour und machte dabei auch in Wien Halt. Kurz vor ihrem Auftritt im Flex sprachen wir mit Kelly, die vor ihrem ersten Wien-Konzert sichtlich entspannt und humorvoll war. „Ich hoffe, die Leute feiern mit mir – sonst trete ich ihnen ordentlich in den Hintern“, sagt sie lachend. Für viele Musikliebhaber ist sie noch eine Unbekannte. Deshalb wollten wir zunächst wissen, wie sie sich selbst und ihre Musik beschreiben würde. „Uzi Freyja ist wie ein Obstsalat“, erklärt sie. „Wie das Mädchen auf der Party, das es immer schafft, dass du dich gut fühlst – glücklich, frei, tanzend. Es geht um Lebensfreude, darum, an das Leben zu glauben. Und gleichzeitig trete ich euch, wie zuvor erwähnt, auch ordentlich in den Hintern“, witzelt sie erneut.

Sie ist Waffe und Göttin zugleich: Kelly Rose alias Uzi Freyja.
Sie ist Waffe und Göttin zugleich: Kelly Rose alias Uzi Freyja.(Bild: Tom Kleinberg)

Von Waffen und Liebes-Göttinnen
Auch ihr Künstlername trägt eine klare Botschaft, denn für alle die wissen wollen, was das heißt und was sie damit meint: „Uzi“ bezieht sich auf die gleichnamige Waffe, „Freyja“ ist eine Göttin der Liebe, Fruchtbarkeit und des Krieges. Und genau so sieht sich Kelly selbst. „Viele vergessen, dass Göttinnen nicht nur schön sind – sie kämpfen auch“, sagt sie. „Uzi steht für meinen Flow, für die Art, wie hart und kraftvoll meine Musik manchmal ist. Freyja steht für meine Weiblichkeit. Ich bin eine Frau, und ich bin stolz darauf.“ 
Als schwarze und queere Frau habe man oft das Gefühl, doppelt so hart kämpfen zu müssen, um das Gleiche zu erreichen. Doch Kelly will sich nicht nur über diesen Kampf definieren. „Ich bin nicht nur eine Kämpferin. Ich kann auch sexy sein, sanft, süß. Aber wenn jemand meine Grenzen überschreitet, kann ich auch zurückschlagen“, sagt sie selbstbewusst.

Besonders auf der Bühne lebt sie diese Freiheit aus. Dort sei sie keine andere Person, sondern vielmehr eine „Upgrade-Version“ von sich selbst, erklärt sie. Die Kleidung, die sie auf der Bühne trage, würde sie nachts draußen oft nicht anziehen – einfach, weil sie sich nicht sicher fühlen würde. Auf der Bühne hingegen herrsche Freiheit. Sie könne laut sein, tanzen, schreien, sexy sein, ohne verurteilt zu werden. „Im Alltag passiert das leider oft, vor allem als kurvige Frau“, sagt sie. Auf der Bühne dürfe sie dagegen ganz sie selbst sein – und genau das liebe sie.

Sieben Fakten über Uzi Freyja

  • Musik ist für mich:
    Meine Therapie
  • Das brauche ich immer vor einer Show:
    Wasser
  • So fühlt sich mein Album an: 
    Wie der beste Kebab nach einer Party.
  • Gerade inspiriert mich:
    Angela Bassett
  • Alleine schreiben oder mit Produzenten schreiben?
    Alleine schreiben
  • Harte Beats oder emotionale Melodien?
    Ich feiere beides.
  • Nachteule oder Morgenmensch?
    Nachteule. Definitiv (lacht)

Identitätsfindung
Nachdem sie 2019 mit Musik und Songwriting begonnen hatte und 2020 ihre ersten Projekte realisieren wollte, geriet sie kurz darauf in eine Phase, in der die Welt durch die Pandemie plötzlich stillstand. Wir wollten wissen, wie diese Zeit ihre Musik und Motivation beeinflusst hat. 
Kelly verbrachte die Tage zu Hause, schaute Filme und Animes, backte Brot und kochte. Gleichzeitig passierte gesellschaftlich unglaublich viel: der Tod von George Floyd, neue Debatten über Rassismus in den USA und auch in Frankreich. All das brachte sie dazu, über ihre eigene Identität nachzudenken – darüber, was es bedeutet, eine schwarze Frau zu sein.
Irgendwann hatte sie nichts mehr zu tun. Also begann sie zu schreiben – zuerst Gedichte, später Songs, am liebsten mit Stift auf Papier. Aus dieser intensiven Phase entstanden ihre ersten EPs und letztlich auch ihr aktuelles Album „Bhelize Don’t Cry“.

So befreiend das Schreiben für sie war, so herausfordernd wurde es mit der Zeit auch. Denn mit jeder neuen Zeile öffnete sie ihr Herz ein Stück mehr. „Mein Kopf hat gebrannt vor Ideen“, sagt sie rückblickend. Auf dem Album erzählt sie offen von ihrem Leben und ihren Gefühlen als schwarze, queere Frau – etwas, das sie verletzlich macht. 
Und trotzdem ist sie sich sicher: Ohne die Covid-Zeit wäre sie heute nicht dieselbe Künstlerin. „Ich hatte keine Ablenkung, nur Zeit für die Musik. Heute ist alles voll mit Interviews, Shows und Vorbereitungen.“

„Ich bin queer und liebe Frauen“
Wer wissen möchte, wer Kelly Rose wirklich ist – oder besser gesagt: Wer hinter Uzi Freyja steckt – , findet auf „Bhelize Don’t Cry“ viele Antworten. Ihr persönlicher Lieblingssong auf dem Album ist „Medusa“. „Dieser Song ist mein Mittelfinger“, sagt sie lachend. Sie habe aufgehört, sich anzupassen oder anderen gefallen zu wollen. „Ich bin nicht das Monster – das sind die Menschen, die mich klein gemacht haben. Und das lasse ich nicht mehr zu.“

Damit spielt sie auch offen auf ihre Queerness an. „Ich bin queer und ich liebe Frauen, das ist ein Teil meiner Identität“, sagt sie. Die queere Community gebe ihr dabei besonders viel Sicherheit und Freiheit – vor allem als schwarze Frau. „Queere Leute haben so viel Kultur und Kunst geschaffen, und trotzdem haben viele Angst vor uns“, erklärt sie. Dabei wünscht sie sich nichts mehr, als dass alle Menschen gleich und ohne Vorurteile leben dürfen.

Auch in der Musikbranche sieht Kelly weiterhin großen Nachholbedarf. Ihrer Meinung nach bekommen nicht einmal Frauen genug Raum – und queere Künstler schon gar nicht. Viele Festivals seien nach wie vor zu rund 90 Prozent männlich besetzt, was sie als absurd empfindet. Es gehe ihr dabei nicht um symbolische Alibi-Platzierungen, sondern um echte Vielfalt. Die Musikindustrie wäre ihrer Ansicht nach deutlich spannender, wenn sie „mutiger“ wäre und mehr unterschiedlichen Stimmen eine Bühne geben würde.

Wie sich ihr Weg weiterentwickeln wird, wird sich erst in Zukunft zeigen. Zum Abschluss teilt Kelly noch ihre ganz persönliche Botschaft an ihre Fans aus der aktuellen Platte: „Es ist okay zu scheitern, aber gib niemals auf. Es ist okay, traurig zu sein oder sich allein zu fühlen – aber du bist nicht allein. Und: Gib dir selbst nicht die Schuld für Dinge, die du nicht kontrollieren kannst.“

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