Das Sprechstück „Selbstbezichtigung“ begleitet die Schauspielerin Stefanie Reinsperger seit Jahren. Jetzt ist das Handke-Solo hoffentlich dauerhaft am Akademietheater eingetroffen.
Zehn Jahre ist das her: Da begeisterte an einem Nebenschauplatz des Volkstheaters die 28-jährige Stefanie Reinsperger mit Peter Handkes Monolog „Selbstbezichtigung“. Dieses Geniestück aus dem Jahr 1966 hat nie die ihm gebührende Prominenz erreicht, obwohl es quasi der Gegenentwurf zur zeitgleich entstandenen „Publikumsbeschimpfung“ ist. Nicht mehr gegen andere wird opponiert, sondern der Sprecher demontiert sich in konsequenter Ich-Form selbst. Indem er sich die Gemeinplätze der verkommenen Alltagssprache vom Leib räumt, gelangt er zu einer neuen Form der Freiheit, die aber auch mit Isolation und Einsamkeit zu tun hat.
Stefanie Reinsperger und der Regisseur Dušan David Pařízek haben das zum Bravourstück ausgebaut: Mit fulminanter Textarbeit und schauspielerischer Entäußerung bis zur Selbstentblößung werden unvergessliche Blicke ins Künstler-Sein eröffnet. Das ist federleicht und verstörend in einem und jedenfalls derart virtuos, dass man den nicht einfachen Satzkonstruktionen mit angehaltenem Atem folgt.
Dieser frühe Glücksfall hat die junge Österreicherin auf dem Weg an die Spitze begleitet: erst nach Berlin, jetzt zu hoffentlich dauernder Sesshaftigkeit nach Wien. Neben Mareike Fallwickls etwas flachem, über Gebühr gestürmten „Elisabeth“-Monolog hat Stefanie Reinsperger jetzt ein Stück Weltliteratur im Solo-Repertoire. Dass sie zu Beginn Apfelstücke ans Publikum verteilt, ist ein liebenswerter Verweis auf Handkes kulinarische Präferenz, die eingeblendeten Momentaufnahmen aus Reinspergers Karriere stören nicht: weil sich die Wunderschauspielerin ja mit Leib und Seele in die Gestalt verwandelt.
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