„Wie ein Horrorfilm“
Bestatterin lagerte Babyleichen im Wohnzimmer
Eine Bestatterin aus Leeds (Großbritannien) ist nach schweren Vorwürfen von allen NHS-Krankenhäusern der Stadt verbannt worden. Amie U. (38) soll verstorbene Babys in ihrem Privathaus aufbewahrt haben – unter Umständen, die Angehörige als „Horrorfilm“ beschreiben.
Wie eine Recherche der britischen BBC ergab, sperrte der Leeds Teaching Hospitals Trust die 38-Jährige im Frühjahr dieses Jahres aus seinen Leichenhallen und Geburtsstationen aus.
Mutter: „Das war kein schöner Anblick“
Zoe Ward hatte sich nach dem Tod ihres drei Wochen alten Sohnes Bleu im Jahr 2021 an U.s Bestattungsservice „Florrie‘s Army“ gewandt. Sie erwartete eine professionelle Aufbewahrung des Leichnams – stattdessen fand sie bei einem Besuch ihren Sohn im Wohnzimmer der Bestatterin. Sie habe „geschrien“, als sie ihren toten Sohn in einer Babywippe beim „Cartoons schauen“ in U.s Wohnzimmer entdeckte.
„Ich erkannte, dass es Bleu war, und sie sagte: ,Komm rein, wir schauen PJ Masks‘“, berichtete Ward der BBC. „Da war ein Kratzbaum in der Ecke, ich hörte einen Hund bellen, und da war noch ein anderes totes Baby auf dem Sofa. Das war kein schöner Anblick.“
Kein Einzelfall
Ward rief sofort ihre Mutter an: „Ich schrie ins Telefon: ,Das ist dreckig, das ist schmutzig, er kann nicht hierbleiben.‘“ Sie ließ ihren Sohn unverzüglich von einem anderen Bestatter abholen.
Ein weiteres Ehepaar erlebte Ähnliches: Sie glaubten, ihre totgeborene Tochter werde in einem Bestattungsunternehmen in Headingley aufbewahrt. Mehr als eine Woche später erfuhren sie jedoch, dass sich der Leichnam in U.s Privathaus befand – acht Kilometer entfernt.
„Es roch wirklich stark“
„Ich wusste einfach nicht, warum sie dort war“, sagte die Mutter, deren Name aus Datenschutzgründen geändert wurde. Sie glaubte, dass ihre Tochter nicht bei der richtigen Temperatur gelagert worden war: „Es roch wirklich stark, als wäre sie nicht kühl gehalten worden.“
Der Leeds Teaching Hospitals Trust teilte mit, dass sich in den vergangenen Jahren „mehrere schwerwiegende Bedenken“ über U.s Dienste ergeben hätten. Diese seien an Polizei, externe Schutzstellen, zuständige Regulierungsbehörden und das Coroner-Büro weitergeleitet worden.
Bestatterin wurde bereits von Krankhaus überwacht
Seit 2021 überwachte das Krankenhaus U.s Besuche in den Leichenhallen. Inzwischen ist ihr der Zutritt zu Leichenhallen und Geburtsstationen vollständig untersagt.
Die Bestattungsbranche in England und Wales ist unreguliert. Es gibt keine gesetzlichen Anforderungen für die Aufbewahrung von Leichnamen oder Qualifikationen für Bestatter. Die beiden Hauptverbände haben zwar einen Verhaltenskodex mit regelmäßigen Inspektionen, doch die Mitgliedschaft ist freiwillig.
Polizei fand „keine potenziellen Straftaten“
U., die nicht Mitglied dieser Verbände ist, reagierte nicht auf konkrete Vorwürfe, sagte jedoch, sie habe in acht Jahren nur zwei Beschwerden erhalten. Viele Facebook-Bewertungen ihres Services sind positiv.
Die West Yorkshire Police bestätigte zwei Untersuchungen seit 2021, fand jedoch „keine potenziellen Straftaten“. Ein Regierungssprecher kündigte an, „die gesamte Bandbreite der Optionen zur Verbesserung der Standards“ zu prüfen.
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