Der Lauf der Welt ist Kabarettistin Sonja Pikart nimmer wurscht. Mit ihrem neuen Programm versucht sie, eine positivere Zukunft zu kreieren.
Nein, mit Feng Shui, der räumlichen Harmonielehre aus dem alten China, hat der Verein „HennSchui“ in Henndorf nichts zu tun. Wohlbefinden fördert er trotzdem. Schließlich steht der Verein, der sich ursprünglich aus Eltern formierte, um die alte Volksschule zu erhalten, für launige Unterhaltung. Seit drei Jahren findet nämlich immer am letzten Juli-Wochenende am Dorfplatz der 491 Einwohner zählenden Gemeinde das Kabarett- und Musikfestival „HennSchui – Kultur trifft Dorf“ statt, das auch Besucher aus Wien, Niederösterreich und der Steiermark ins Südburgenland lockt. Heimische Humoristen wie Andreas Vitásek, Viktor Gernot, Gerry Seidl oder Lydia Prenner-Kasper – sie alle standen bereits auf der Freilichtbühne.
Der Weg der Senkrechtstarterin
Heuer sorgt neben dem bayerischen Kabarettisten und Gitarristen Willy Astor Sonja Pikart für Pointen und Lacher. Die 40-jährige Westfälin gehört zu spannendsten Kabarett-Aufsteigerinnen des Landes. Vor zehn Jahren feierte die Quereinsteigerin, die zuvor Studien in Humanbiologie und Schauspiel abschloss, mit ihrem Debütprogramm „Gluten Abend!“ einen fulminanten Einstieg in die Kleinkunstszene.
2021 wurde sie für ihr drittes Soloprogramm „Ein Spatz, ein Wunsch, ein Volksaufstand“ gleich mehrfach ausgezeichnet – u.a. mit dem Burgenländischen Kabarettpreis. Im Vorjahr heimste sie mit ihrem aktuellen Programm „Halb Mensch“ bei der Vergabe des Österreichischen Kabarettpreises sogar den Hauptpreis ein. Mit diesem Stück ist sie übrigens auch in Henndorf zu sehen.
Mit Vorsicht genießen
„Im Fokus steht die Suche nach Menschlichkeit in unserer von Technologien dominierten, schlimm verbesserten Welt. Als die ersten massentauglichen KI-Modelle aufkamen, fand ich es bemerkenswert, welche Schreckensszenarien für unsere Zukunft gemalt wurden. Ich frage mich, warum so viele Menschen glauben, dass Menschlichkeit ersetzbar ist“, sagt Pikart.
Sicher können wir aus Technologien einen Nutzen ziehen, weil einige Dinge unseren Alltag doch sehr erleichtern können. Trotzdem sollten wir darauf achten, dass wir das Zwischenmenschliche nicht aus den Augen verlieren.
Kabarettistin Sonja Pikart
Wenn sie eine Frage hat, die ihr ChatGPT sicher gut beantworten könne, stellt sie diese trotzdem lieber einer Freundin aus Fleisch und Blut. Schließlich nutzt das Programm eingespeiste Daten, um die KI weiter zu trainieren. „Manchmal habe ich aber auch Freude daran, die Algorithmen zu verarschen. Dann google ich willkürliche Dinge, damit sich die KI nicht mehr auskennt. Je schrulliger man ist, desto unberechenbarer ist man.“
Viele versteckte Botschaften
Mit ihrem Programm plädiert sie für Chancengleichheit, „sozialen Fortschritt, der so vielen unangenehm ist“ und Feminismus. So erzählt sie selbstironisch, wie es ist, in einer Gesellschaft zu leben, die von Frauen erwartet, Kinder zu gebären: „Entscheidet man sich dagegen, bekommt man Sauerteig und Kimchi-Kohlgemüse geschenkt, damit man wenigstens irgendetwas mit Herzenswärme großziehen kann.“
Und auch die Herren der Schöpfung kriegen ihr Fett ab: „Mein Ex hat mich emotional erpresst: Schatzi, bitte verlass’ mich nicht. Ich hab’ doch kein Nudelsieb! – Kommt Ihnen das bekannt vor? Spätestens dann, meine Damen, ist es Zeit, zu gehen!“
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