"Wären sehr dankbar"

Zentralafrika: Paris für Österreich-Engagement

Österreich
28.11.2013 08:53
Angesichts der höchst instabilen Lage in der Zentralafrikanischen Republik entsendet Frankreich 1.000 Soldaten (Bild) in das krisengeplagte Land. Sollte es zu einer UNO-Friedensmission kommen, wünscht sich Paris auch österreichische Beteiligung. "Wir sind überzeugt, dass Österreich mehr leisten könnte", erklärte der französische Botschafter in Wien, Stephane Gompertz, am Donnerstag. Es herrsche kein Mangel an Ressourcen - die Truppen seien "sehr gut ausgebildet". Es ist "nur eine Frage des politischen Willens", so Gompertz.

Die momentane Situation in Zentralafrika bezeichnete der Diplomat als "katastrophal". Frankreich sei deshalb überzeugt, dass eine UN-Friedensmission nun "die richtige Lösung" sei. Paris bringt deshalb eine entsprechende Resolution im UNO-Sicherheitsrat ein. "Wir nehmen an, dass der Entwurf in der kommenden Woche vom Sicherheitsrat verabschiedet wird", sagte Gompertz.

Die zusätzlichen rund 1.000 Mann sollen die bereits 400 in der Zentralafrikanischen Republik stationierten französischen Soldaten für sechs Monate unterstützen. Die Aufstockung war schon länger erwogen worden, allerdings war nicht von so vielen neuen Soldaten die Rede. Die Afrikanische Union ist bereits mit 1.900 Militärs in dem Krisenland aktiv.

"Wir wären sehr glücklich und dankbar"
Sollte es zu einem UNO-Einsatz kommen, würde Gompertz der österreichischen Regierung jedenfalls eine Beteiligung empfehlen - "darüber wären wir sehr glücklich und dankbar". Im Tschad habe die Alpenrepublik bereits sehr gute Arbeit geleistet. "Auch für die Beteiligung in Mali (neun Personen im Rahmen der EU-Trainingsmission, Anm.) sind wir sehr dankbar", sagte er.

Gleichzeitig betonte Gompertz, dass es nicht nur um militärische Beteiligung gehe: "Es gibt so viel zu tun." Technische oder finanzielle Unterstützung sei ebenso gefragt wie humanitäre Hilfe oder Programme im Bereich Entwicklungszusammenarbeit und Unterstützung der Zivilgesellschaft.

"Nährboden" für terroristische Gruppen
Das Engagement in der Region sei nicht nur eine "moralische Pflicht", sondern auch eine politische, humanitäre und sicherheitstechnische Frage. "Wir können die derzeitige Situation nicht dulden", denn sie sei der ideale "Nährboden" für terroristische Gruppierungen, betonte der frühere Leiter der Afrika-Abteilung im französischen Außenministerium.

Die Rebellenorganisation Seleka ("Allianz"), ein Zusammenschluss zweier Gruppen, die im März den damaligen Präsidenten Francois Bozize aus dem Amt putschte und seither mit Michel Djotodia den Interimspräsidenten stellt, treibe die Zerstörung der Strukturen im Land voran. Diese "Sicherheitsleere" könnten terroristische Gruppen für sich nutzen. "Wenn wir jetzt nicht handeln, könnten diese Gruppen später unsere Sicherheit, unsere Werte bedrohen", erklärte Gompertz. "Das ist nicht sicher, aber die Gefahr existiert."

Ausweitung des religiösen Konfliktes möglich
Gompertz warnte auch vor einem möglichen Ausweitung des religiösen Konfliktes in der Zentralafrikanischen Republik. Seit Kurzem wird vermehrt über Auseinandersetzungen zwischen Christen - etwa 50 Prozent der Bevölkerung - und Muslimen, die etwa zehn Prozent stellen, berichtet.

Der Botschafter äußerte seine Sorge vor dem Einfluss der in Nigeria operierenden, radikal-islamistischen Sekte Boko Haram, die auch in Zentralafrika "neues Feuer" legen könnte. "Wir wissen, dass sich Boko Haram für internationale Vernetzung interessiert", so Gompertz in Anspielung auf Kontakte der Terrorgruppierung zur Extremistenorganisation Al-Kaida im Islamischen Magreb.

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