07.10.2013 11:47 |

Blutiges Wochenende

Mehr als 50 Tote bei erneuter Gewalt in Ägypten

Der Machtkampf in Ägypten ist am Sonntag erneut blutig eskaliert: Laut amtlichen Angaben wurden mindestens 53 Menschen getötet und mehr als 270 weitere Personen verletzt, als Anhänger und Gegner des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi in Kairo und anderen Städten auf die Straße gingen. Der Einsatz der Sicherheitskräfte richtete sich in erster Linie gegen die Mursi-Sympathisanten.

In Kairo ignorierten Tausende Anhänger der Muslimbrüder Warnungen der Regierung und demonstrierten für Mursi. Sie marschierten in Richtung des Tahrir-Platzes, auf dem sich Regierungsanhänger zum Gedenken an den Jahrestag des Angriffs auf Israel 1973 versammelten. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Muslimbrüder vom Platz fernzuhalten.

Die Regierung hatte zuvor erklärt, jeder, der während der Gedenkveranstaltung gegen die Armee auf die Straße gehe, werde als Agent feindlicher Mächte und nicht als Demonstrant angesehen. Auch in anderen Städten wie Alexandria, Suez und Aswan kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Mursi-Anhängern und -Gegnern.

Polizei und Militär feuern auf Mursi-Anhänger
Nach Angaben des Innenministeriums starben die meisten Menschen in Kairo und in den Vororten der Hauptstadt, fast alle Toten hätten Schussverletzungen erlitten. Ein Mediziner sagte, die Polizei und das Militär hätten von einer Brücke aus auf Anhänger der Muslimbrüder geschossen. Über 400 Menschen seien festgenommen worden, hieß es weiter.

Unter den Toten sei kein Polizist, teilte das Innenministerium mit. Demonstranten hätten demnach das Feuer auf die Sicherheitskräfte eröffnet, so dass diese einschreiten hätten müssen. Die Polizei feuerte in der Umgebung des Tahrir-Platzes mit Schrot, Tränengas und Gummigeschossen, später auch Salven aus Schnellfeuerwaffen, um die Anhänger Mursis zurückzudrängen.

Symbolträchtiger Tahrir-Platz als Brennpunkt
Schon vor den Großdemonstrationen in Kairo hatte das Militär zahlreiche gepanzerte Fahrzeuge aufrollen lassen. Zum 40. Jahrestag des Jom-Kippur-Kriegs mit Israel mobilisierten die verfeindeten politischen Lager dann ihre Sympathisanten. Tausende Anhänger der Übergangsregierung versammelten sich auf dem symbolträchtigen Tahrir-Platz, während Kampfflugzeuge über die Hauptstadt flogen, um an den israelisch-arabischen Krieg im Jahr 1973 zu erinnern.

Umgeben von zahlreichen Panzern und gepanzerten Truppenfahrzeugen mussten sich die Besucher an den Eingängen zu dem Platz strengen Kontrollen unterziehen. Viele Demonstranten trugen Porträts von Armeechef Abdel Fattah al-Sisi.

Auch in anderen Städten postierten sich die Sicherheitskräfte um die wichtigsten Plätze. Innenminister Mohammed Ibrahim hatte die Islamisten am Nachmittag vor "Gewalt und Gesetzesverstößen" gewarnt. Notfalls werde mit aller Härte gegen die Anhänger der Muslimbruderschaft vorgegangen. Bereits am Freitag hatte es in mehreren Städten gewalttätige Auseinandersetzungen mit insgesamt vier Toten gegeben.

Extremisten töten Soldaten und Polizisten
Die blutigen Spannungen setzten sich am Montag fort. Mutmaßliche Extremisten töteten elf Angehörige von Armee und Polizei. Bei einem Angriff auf eine Militärpatrouille in Ismailia seien sechs Soldaten erschossen worden, hieß es aus Sicherheitskreisen in Kairo. Zudem seien fünf Polizisten gestorben, als in der Stadt Al-Tur eine Autobombe auf dem Gelände der Sicherheitsdirektion der Provinz Süd-Sinai detonierte. 50 Menschen seien als Folge der Explosion verletzt worden. Wie das Fahrzeug auf das Gelände gelangen konnte, ohne durchsucht zu werden, ist noch unklar. Auch über die mutmaßlichen Täter ist noch nichts bekannt.

Seit der Entmachtung des aus den Reihen der Muslimbrüder stammenden Mursi durch das Militär am 3. Juli brodelt es in Ägypten. Am 14. August räumten Polizei und Streitkräfte Protestlager der Muslimbrüder in Kairo mit Gewalt. Anschließend wurde nahezu die gesamte Führungsriege der Muslimbruderschaft verhaftet. Bei tagelangen Ausschreitungen wurden mehr als 1.000 Menschen getötet. Die Bewegung ist seit knapp zwei Wochen faktisch verboten. Ein Gericht untersagte den Islamisten jedwede Tätigkeit und ordnete die Beschlagnahmung von deren Geldern an.

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