29.07.2013 14:24 |

Adventure im Test

Schlüpfrig wie vor 20 Jahren: 'Leisure Suit Larry Reloaded'

Er ist ein Relikt aus einer Zeit, in der in der Disco noch Anzug getragen und mit Goldkettchen geprotzt wurde: Larry Laffer, tollpatschiger Schwerenöter und Held des fast schon legendären Adventures "Leisure Suit Larry", das Ende der Achtziger sein Debüt gab und mit zweideutigem Humor, sarkastischen Sprüchen und erotischer Handlung zur Spiele-Legende wurde. Jetzt ist Larrys erstes Abenteuer "in the Land of the Lounge Lizards" als Kickstarter-finanziertes Remake wieder da. Und krone.at hat getestet, ob der Pixel-Lüstling immer noch so amüsant ist wie in seinen Anfangstagen.

Die Story von "Leisure Suit Larry Reloaded" ist schnell erzählt: Schwerenöter Larry Laffer fährt in die fiktive, dem realen Las Vegas nachempfundene, Glücksspiel- und Nachtclubmetropole Lost Wages, um dort ordentlich einen draufzumachen – und natürlich auch, um ein paar Ladies kennenzulernen und das eine oder andere amouröse Abenteuer mit ihnen zu erleben.

Schwerenöter im Anzug auf der Pirsch
Unglücklicherweise ist Larry weder mit besonderem Reichtum noch mit einem unwiderstehlichen Äußeren gesegnet, weshalb sich insbesondere das Frauen-Kennenlernen nicht ganz so einfach gestaltet wie zunächst erhofft. So kommt es, dass Larry sich wie schon im Original durch Discos und Bars der Stadt arbeitet, an Glücksspielautomaten Geld verdient und auf herrlich naive Art versucht, sich in abgedrehten Dialogen an Frauen ranzumachen.

Das Ganze gestaltet sich als klassisches Point-and-Click-Abenteuer. Als Spieler klickt man sich durch die verschiedenen Schauplätze, sucht sie nach nützlichen Dingen oder brauchbaren Hinweisen ab, spricht mit den schrägen Gestalten, die diese Schauplätze bevölkern, und versucht, Larry zum Stich zu verhelfen. Weil der sich unter den trocken-sarkastischen Kommentaren des Erzählers entsetzlich tollpatschig anstellt und kein Fettnäpfchen auslässt, ist dabei beste Unterhaltung garantiert.

Kurze Spielzeit, mühsame Steuerung
Zumindest, wenn man über die mit vier bis fünf Stunden recht kurze Spielzeit und Schwächen bei der Steuerung hinwegsieht. Larry durch die Discos von Lost Wages zu scheuchen, gestaltet sich nämlich umständlicher, als es sein müsste. Abhilfe hätte beispielsweise ein sich an die jeweilige Situation anpassender Mauszeiger gebracht, wie er in vergleichbaren Spielen längst Standard ist. In "Leisure Suit Larry Reloaded" muss der Spieler den Mauszeiger immer im richtigen Modus über ein Objekt oder einen Gesprächspartner führen.

Dafür stimmt der Schmäh – wenn man ihn denn mag. Für allzu zart besaitete Zeitgenossen ist das neue Abenteuer von Larry nämlich nichts, schrecken die Entwickler doch auch nicht davor zurück, allerlei Körperflüssigkeiten und Erwachsenenspielzeug recht prominent in die Dialoge und die Erzählung an sich einzubauen. Während die meisten Witzeleien dabei durchaus amüsant-schlüpfrig sind, streift Larry das eine oder andere Mal schon an der Grenze zum Widerlichen. Eine Gratwanderung, die meistens gut gelingt, hin und wieder aber doch scheitert.

Hübsche Zeichentrick-Optik, klasse Soundtrack
Optisch präsentiert sich das über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanzierte Spiel auf der Höhe der Zeit. Larry selbst ist – ebenso wie alle anderen Charaktere und die Schauplätze – im liebevollen Comiclook gezeichnet. Dementsprechend erwarten den Spieler in diesem Game keine ultrarealistischen 3D-Welten, sondern schlicht und ergreifend hübsch und mit Liebe zum Detail gestaltete einzelne Schauplätze, zwischen denen Larry sich hin und her bewegt.

Dass dann auch noch der Soundtrack sehr gut zum Spiel passt, sorgt endgültig für einen stimmigen Eindruck. Die jazzigen Klänge, die aus dem Lautsprecher dudeln, könnten wir uns tatsächlich gut als Hintergrundbeschallung in den Clubs vorstellen, in denen Larry sich herumtreibt. Und auch die Wahl der Sprecher ist gut getroffen – besonders der Erzähler, der die Aktionen Larrys immer wieder todernst, aber mit größtem Sarkasmus kommentiert, ist uns im Laufe des Games ans Herz gewachsen.

Fazit: "Leisure Suit Larry Reloaded" ist mit seinem schlüpfrigen Witz sicherlich kein adäquater Zeitvertreib für Kinder. Für Fans des Originals aber sehr wohl, für Neulinge mit Hang zu politisch nicht immer ganz korrektem Schmäh sowieso. Zumindest, wenn sie über die ziemlich kurze Spielzeit, die suboptimale Steuerung und die in Wahrheit nicht wahnsinnig einfallsreiche Story hinwegsehen können. Es gibt sicher deutlich bessere Adventures als diese Neuauflage zu "Leisure Suit Larry". Es gibt aber wenige, die diese ganz spezielle Art von Humor kultivieren. Wer das mag, sollte mal reinschauen – zumal das Game zum Budgetpreis von gut 20 Euro und für so gut wie alle Plattformen erhältlich ist.

Plattform: PC (getestet), Mac, Linux - Android & iOS geplant
Publisher: UIEG Entertainment
krone.at-Wertung: 7/10

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