26.07.2013 11:09 |

Test zum Wuselgame

"Pikmin 3": Neues Meisterwerk des "Mario"-Erfinders?

Wenn eine Spieledesigner-Legende wie "Mario"-Schöpfer Shigeru Miyamoto ein neues Spiel auf den Markt bringt, dann sind die Erwartungen hoch. Besonders, wenn schon fast zehn Jahre seit dem Vorgänger vergangen sind, wie dies beim neuen Wii-U-Game "Pikmin 3" der Fall ist, dessen Vorläufer noch aus der Gamecube-Ära stammen. Ob es Miyamoto immer noch versteht, Spielspaß für die ganze Familie zu schaffen, klärt unser Test zum "Ameisen-Strategiespiel".

"Ameisen-Strategie - was ist das denn?", werden Sie sich jetzt fragen. Tatsächlich ist das wohl die beste Umschreibung für "Pikmin 3", kommandiert der Spieler doch ein Heer kleiner Pikmin, die zwar nicht unbedingt wie Ameisen aussehen, sich aber wie welche verhalten. Sie kämpfen gemeinsam gegen große Gegner, schleppen im Team Beute zum heimatlichen Stützpunkt und bauen auf Befehl des Spielers – er nimmt in gewisser Weise den Posten der Ameisenkönigin ein – Brücken und sonstige nützliche Dinge.

Neue Nahrungsquellen und neue Freunde
Aber zunächst zur Story von "Pikmin 3". Steuerte man in den Vorgängern noch den Raumfahrer Olimar, der fernab seiner Heimat auf die Pikmin trifft, steht dieses Mal ein neues Raumfahrer-Team unter dem Kommando des Spielers. Die Astronauten Alph, Brittany und Charly haben sich Lichtjahre von ihrem Heimatplaneten entfernt, um auf anderen Planeten nach Nahrungsquellen zu suchen. Daran mangelt es auf ihrer Heimatwelt nämlich gewaltig – und wenn die Raumfahrer nicht fündig werden, drohen schlimme Hungersnöte.

Bei ihrer Suche stoßen sie auf den mysteriösen Planeten PNF-404 – und stürzen dort prompt ab. Während sie sich wieder zusammenfinden, stellen sie fest, dass PNF-404 nicht nur die Heimat zutraulicher kleiner Blumenwesen – der Pikmin – ist, sondern dass der erdähnliche Himmelskörper auch zahlreiche mehr oder weniger exotische Früchte und Kreaturen beherbergt. Erstere eignen sich vortrefflich als Nahrungsquelle für die drei Raumfahrer und ihre Art, Letztere sind die Feinde der Pikmin – und gleichzeitig eine ihrer Nahrungsquellen.

Pikmin erfordert Taktik und Hirnschmalz
Gemeinsam mit den Pikmin, die es in verschiedenen Varianten gibt, erforschen Alph, Brittany und Charly den Planeten. Dabei gilt es, einen süchtig machenden Mix aus Rätseln, Entdeckungsreise und Kämpfen zu bestehen und stets alles, was nicht niet- und nagelfest ist, zum Raumschiff zu transportieren. Früchte dienen den Raumfahrern dabei als Proviant, aus erlegten Gegnern und speziellen Pflanzen entstehen wiederum neue Pikmin. Von den kleinen Lakaien gibt es unterschiedliche Sorten, die alle spezielle Fähigkeiten haben und vom Spieler kurzerhand an einen bestimmten Ort geworfen werden, um dort ihre Aufgabe zu erfüllen - kämpfen, graben, abreißen, schleppen und so weiter...

Rote Pikmin sind gute Kämpfer und feuerfest, gelbe Pikmin graben schnell und halten Stromschläge aus und blaue Pikmin sind nicht so wasserscheu wie ihre Kameraden. Fels- und Flug-Pikmin sind neu im dritten Teil der Saga – und machen das Spiel noch kniffliger als die Vorgänger. Die verschiedenen Pikmin-Arten gilt es nämlich geschickt einzusetzen. Manche Gegner spucken Feuer und sollten deshalb von roten Pikmin bekämpft werden, manche verfügen über Panzer, die mit den steinharten Fels-Pikmin zertrümmert werden müssen, und wieder andere reagieren besonders empfindlich auf die Stromschläge der gelben Pikmin. Kurzum: Wer in "Pikmin 3" weiterkommen will, muss mitdenken.

Dass man seine Astronauten und Pikmin in drei kleine Gruppen aufteilen und ihnen unabhängig voneinander Befehle geben kann und die Levels nur so vor Rätseln strotzen, sorgt dafür, dass auch dann keine Langeweile aufkommt, wenn die Pikmin mal etwas länger mit einer Aufgabe beschäftigt sind. Und dass die Bosskämpfe – wir kämpften im Test unter anderem gegen eine riesenhafte Kreuzung aus Pottwal und Kellerassel – nur mit einer durchdachten Strategie innerhalb der enden wollenden Zeit, die man pro Level aufwenden darf, zu gewinnen sind, verleiht dem Spiel Tiefgang.

Hübsche HD-Optik, lästige Kameraführung
So kommt es auch, dass man bei manchen Rätseln doch eine Weile braucht, bis man sie lösen kann. Weil "Pikmin 3" sich in einer ausgesprochen hübschen Optik präsentiert, nimmt man das aber gerne in Kauf. Die Grafik ist im gewohnt niedlichen Nintendo-Stil gehalten und macht dank HD-Auflösung einen echt schönen Eindruck. Die Texturen sind hochauflösend, Wasser- und Wettereffekte untermalen das Spiel dezent. Weil "Pikmin 3" aus der isometrischen Perspektive gespielt wird, hat man dabei stets relativ viel im Blickfeld. Nettes Feature: Per Knopfdruck darf man in die Pikmin-Perspektive wechseln und sich mit dem Gamepad-Display umsehen. Fotos knipsen und mit anderen Pikmin-Spielern teilen ist ebenfalls möglich.

Unser größter Kritikpunkt an "Pikmin 3": die Kameraführung. Die ist nämlich – in Kombination mit der nicht ganz intuitiv zu erlernenden Steuerung – der einzige echte Schwachpunkt, den wir während unseres Tests an "Pikmin 3" entdecken konnten. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass der Tester Strategiespiele üblicherweise mit der Maus am PC spielt, aber die Steuerung mittels Gamepad und die Kameraführung können gerade in Bosskämpfen zum echten Problem werden. Pikmin auf Gegner zu werfen, gestaltet sich in der Hitze des Gefechts jedenfalls nicht ganz einfach, wenn zuvor die Kamera justiert werden muss, sich der Gegner in der Zwischenzeit aber schon wieder ganz woanders befindet.

Nützlicher Helfer: Das Touchscreen-Gamepad
Ein bisschen Linderung bringt das Touchscreen-Gamepad der Wii U, auf dessen Bildschirm eine Übersichtskarte eingeblendet ist, die dafür Sorge trägt, dass sich der Spieler nicht verirrt. Auch Nachrichten der übrigen Gruppenmitglieder und Logbucheinträge trudeln immer wieder auf dem Gamepad ein. Nett: Auf dem Controller dürfen Zielpunkte ausgewählt werden, an die sich die Spielfiguren mitsamt ihrer Pikmin automatisch bewegen. Das nimmt der Steuerung zumindest einen Teil ihres Schreckens. Trotzdem, mit einer Maus würden sich die "Pikmin" wohl deutlich stressfreier kommandieren lassen und auch die optionale WiiMote-Steuerung erreicht nicht die Präzision eines Nagers heran.

Wenig auszusetzen gibt's dafür am Sound. Der Soundtrack ist Nintendo-typisch unaufdringlich und eingängig, kurzum: gelungen und passend. Eine Sprachausgabe gibt's nicht, stattdessen geben unsere Astronauten japanisch anmutendes Gebrabbel von sich, das von Textboxen begleitet wird. Das kann man mögen, muss man aber nicht. Die Umgebungsgeräusche – plätscherndes Wasser, quietschende Pikmin – sind wieder sehr gut getroffen und passen toll ins Spiel.

Kurzweiliger Multiplayer, Kampagne aber witziger
Sogar ein Mehrspielermodus hat es ins Spiel geschafft. Bei den "Missionen" muss der Spieler innerhalb eines bestimmten Zeitlimits Aufgaben erfüllen – etwa Früchte sammeln oder besonders gefährliche Gegner besiegen. Dabei darf sich auch ein zweiter Spieler einklinken und gemeinsam mit Spieler eins im Team Pikmin befehligen. Für Kurzweil zwischendurch sorgt der Multiplayer-Modus "Bingoduell". Dabei treten zwei Spieler gegeneinander an und spielen – nun ja, Bingo. Nur halt mit Pikmin. Ein witziges Zusatz-Feature, das auch nach Abschluss der Kampagne noch zum Spielen einlädt.

Fazit: "Pikmin 3" vereint ein ungewöhnliches Spielprinzip mit liebevoller Machart und kniffligen Kämpfen und Rätseln. Optisch mag es nicht mit aktuellen PC-Spielen mithalten, aber die Grafik macht zu jeder Zeit eine gute Figur. Die mühsame Kameraführung und Steuerung nerven zeitweise - und hätten dem Spiel beinahe einen Punkteabzug eingebracht, der Touchscreen-Controller entschärft die Problematik aber etwas. Weil das Gesamtpaket letztlich trotz allem fesselt, die Auswahl ähnlich guter Spiele für die Wii U derzeit endenwollend und die Geschichte spannend und unterhaltsam erzählt ist, wollen wir mal nicht so sein: Ja, Miyamoto kann es noch immer.

Plattform: Wii U (getestet)
Publisher: Nintendo
krone.at-Wertung: 9/10

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