09.07.2013 10:51 |

Kurz & schmerzhaft

Davor läuft selbst der Vampirfürst davon: "Dracula 4"

Kurz und für Spielefans schmerzhafter als ein Biss des Vampirfürsten persönlich, so lässt sich "Dracula 4: The Shadow of the Dragon" zusammenfassen. Warum bei diesem Point-and-Click-Adventure nur manche Rätsel den kompletten Absturz verhindern, klärt der krone.at-Test.

Es fängt schon beim Startbildschirm von "Dracula 4: The Shadow of the Dragon" an: Wer unvorsichtigerweise ein neues Spiel startet, wird mit einer kryptischen Zusammenfassung vorheriger Ereignisse in matschigen Cutscenes mitten in die Geschichte geworfen. Dass man, um die ohnehin schlechte Hintergrundgeschichte wenigstens ansatzweise zu verstehen, stattdessen auf "Prolog" klicken muss, um wirklich am Anfang zu beginnen, das erfährt der verwirrte Spieler nur durch Ausprobieren.

Man schlüpft in die Rolle der Kunstexpertin Ellen Cross, der gerade von ihrer Ärztin verkündet wird, dass sie dem Tod geweiht ist. Schließlich werden ihre Medikamente nicht mehr hergestellt. So kommt es, dass der Spieler im Verlauf des Games immer wieder Pillen einwerfen muss, um Ellens Gesundheitszustand aufzubessern.

Sinnlose Gesundheitsanzeige
Aufgrund der stumpfen Mechanik - kombiniere zwei Tabletten, Vitamine oder Obst und schon klettert der Gesundheitsbalken nach oben - ist das aber weder eine Herausforderung noch auch nur im Geringsten sinnvoll für den Spielablauf oder die Geschichte. Da es zudem einen Überfluss an Heilmitteln gibt, bleibt der Sinn dieses Spieleelements vollkommen rätselhaft.

Blutleere Charaktere
Nach dem kurzen Prolog-Abstecher - wenn man ihn denn gefunden hat - geht es nach England, schließlich gilt es, auf die verschollene Hinterlassenschaft eines verstorbenen Kunstsammlers zu stoßen. Dass auch dessen Assistent absolut blutleer bleibt, ist angesichts des Vampir-Mottos schon fast wieder ironisch. Auch die Handvoll anderer Nebenfiguren wäre wohl sogar Dracula persönlich zu fad zum Anbeißen.

Spannende Geschichte? Fehlanzeige
Dasselbe gilt für die Geschichte: Sie ist weder spannend noch entwickelt sie sich auf ein Ziel hin - was es mit dem namensgebenden "Schatten des Drachen" auf sich hat, wird zum Beispiel in einem Nebensatz erklärt, aber nie weiterverfolgt. Nicht einmal das Dracula-Thema vermag den geringsten Nervenkitzel zu verbreiten, wird es doch nur im Vorbeigehen gestreift. Dass das Spiel dann nach wenigen Stunden - im Test war nach etwa vier Stunden Schluss - abrupt aufhört und nicht einmal ein Ende bietet, ist da nur konsequent.

Steuerung zum Gruseln
Genauso schlimm wie die kaum vorhandene, sterbenslangweilige und unbefriedigende Geschichte ist die Steuerung. Aus der Ego-Sicht bewegt sich Ellen durch die zu erkundenden Räume, oft klappt dabei die Mischung aus Klicken und Mausbewegung - zum Umsehen muss man die linke Maustaste gedrückt halten - nicht so recht. Dass sich die invertierte Steuerung umstellen lässt, hilft auch nicht - so oder so ist das Umherblicken im Raum mühselig und hakelig.

Noch schlimmer wird's nur, wenn man sich zu einer bestimmten Stelle hinbewegen möchte: Das geht nämlich nur auf vorbestimmten Bahnen. Wer also zum Beispiel zu einer Tür möchte, die seitlich liegt, muss erst nach vor klicken, dann nach rechts - und dann erst ist die Tür in Sicht und kann angesteuert werden. Dazwischen muss man aber selbstverständlich immer wieder hakelig den richtigen Weg anvisieren...

Altbackene Grafik, keine deutsche Sprachausgabe
Ebenfalls keinen Blumentopf gewinnt die Grafik. Die erfreut zwar zum Teil zumindest mit detailreichen Umgebungen, ist aber von HD-Auflösung weit entfernt und wirkt daher vielfach unscharf. Auch die grob geschnitzten Gesichter ohne Ausdruckskraft und das Tearing - das Zerreißen des Bildes beim Umhersehen - sind unzeitgemäß. Dass die Figuren nicht lippensynchron sprechen, und das auch nur auf Englisch mit deutschen Untertiteln, verwundert da schon gar nicht mehr. Grundsätzlich hinkt die Grafik selbst im Adventure-Genre um Jahre hinterher, sie gefällt im Spiel aber immerhin mehr als die schauerlich altbackenen Cutscenes.

Rätsel als einziger Lichtblick
Das Einzige, was in "Dracula 4" meist funktioniert, sind die Rätsel. Damit sind allerdings nicht die öden Kombinationsaufgaben im Inventar gemeint, sondern die eingestreuten Denkaufgaben. Sie fallen in zwei Kategorien: Manche sind zwar unverständlich, aber durch stumpfes Drauflosklicken lösbar. Die meisten Kopfnüsse machen aber tatsächlich Spaß, etwa diverse Verschieberätsel - auch sie sind zwar nicht wirklich schwer, aber immerhin abwechslungsreich.

Fazit: "Dracula 4" ist ein unfreiwilliges Horrorspiel. Die Geschichte mit gerade einmal einer Handvoll blutleerer Charaktere ist quasi inexistent, die Grafik altbacken. Viele Rätsel sind gelungen, dennoch ist das Game bei einer Spielzeit von wenigen Stunden - bei einem ursprünglichen Preis von gut 30 Euro! - nur als Abzocke zu bezeichnen. Dass "Dracula 4" nicht mal irgendeine Art von Schluss gewährt wurde, spricht Bände - allerdings sollten sich die Entwickler nicht darauf verlassen, dass auch nur ein Spieler nach diesem Machwerk Interesse hat, die angedeutete Fortsetzung zu ergründen.

Plattform: PC
Publisher: Peter Games
krone.at-Wertung: 3/10

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